• Ellhorn
    Die Schweiz wollte das Ellhorn seit 1934 in sein Gebiet übernehmen – vor allem die Balzner waren aber dagegen  (GIAN EHRENZELLER)

Ein Fels, der das Verhältnis belastete

Das Ellhorn gehört seit 1949 der Schweiz. Davor war der Ausläufer des Fläscherbergs (GR) ein Teil von Balzers. Die Eidgenossen erhielten das Gebiet nach jahrelangem Hin und Her und erst mit der Androhung der Kündigung des Zollvertrags.

Der Zweite Weltkrieg steht kurz bevor. Im März 1938 wird Österreich an Nazi-Deutschland angeschlossen. Zeiten der Furcht beginnen. Bereits 1934 waren das Eidgenössische Militärdepartement und die Schweizer Armee aufmerksam auf die Ostfront der Schweiz gegen Liechtenstein hin geworden. Diese wurde als «ungünstig» betrachtet. Besonders das Ellhorn geriet in den Fokus. Der Ausläufer des Fläscherbergs  war ein im Falle eines Krieges strategisch wichtiger Punkt. Mit dem felsigen Hügel konnte nämlich der Zugang zum Sarganserbecken gesperrt werden. Die Schweiz wollte deshalb das Ellhorn um jeden Preis von den Balznern erlangen. Der Ausgang der Verhandlungen ist klar und erinnert heute noch an die Ausnutzung der Grössenverhältnisse.

Kreditbegehren als Druckmittel

Am 16. Mai 1938 stellte Guiseppe Motta an der Bundesratssitzung den Antrag auf Aufnahme der Verhandlungen über eine Grenzrevision mit dem Fürstentum Liechtenstein. Ein brisantes Thema, denn angeblich wussten die Deutschen von den Bestrebungen der Schweiz. Deshalb sollte die Angliederung des Ellhorns beschleunigt werden. Als Druckmittel wollte man ein Kreditbegehren Liechtensteins gegenüber dem Bundesrat benutzen.

Am 2. und 3. Dezember 1938 dann weilte der damalige liechtensteinische Regierungschef Josef Hoop in Bern, um über die Abtretung des Ellhorns an die Schweiz zu verhandeln. Am 10. Dezember dachten die Schweizer, dass Liechtenstein mit «gewissen territorialen Kompensationen und anderen Zugeständnissen» zur Abtretung bewogen werden konnte. Also bewilligte der Bundesrat einen Kredit in Höhe von zwei Millionen Franken an Liechtenstein. Hoop verhandelte weiter mit der Schweiz. Die anderen Regierungsmitglieder oder die Gemeinde Balzers waren fast nur am Rande in Kenntnis über die Verhandlungen gesetzt worden. Die Angelegenheit sickerte aber doch an die Öffentlichkeit und es regte sich Widerstand von allen Seiten.

Im Januar 1939 fuhren zwei Regierungsräte nach Bern und verhandelten erneut mit der Schweiz über das Ellhorn. Sie machten ihren Punkt deutlich. Man wolle das Gebiet nicht abtreten, da die Gemeinde Balzers absolut nicht einverstanden sei und die Ellhorn-Frage den deutschen Stellen bekannt sei. Eine deutsche Persönlichkeit hätte den Handel unmissverständlich als Neutralitätsverletzung bezeichnet. Die Schweiz war davon alles andere als begeistert und ging in der Folge gar zu Drohungen über. Mit der Aufhebung des Zollanschlussvertrages aus dem Jahre 1923 setzten sie Liechtenstein unter Druck. Die beiden Regierungsräte zeigten sich jedoch wenig beeindruckt, denn sie sahen in der «deutschen Einmischung» eine weitaus grössere Gefahr. Die Schweiz war verärgert und sperrte den noch nicht bezogenen Kredit in Höhe von zwei Millionen Franken. Auch das fast spruchreife Fremdenpolizeiabkommen,  das den liechtensteinischen Saisonniers den schweizerische Arbeitsmarkt öffnen sollte, wurde abgeblasen. Das Verhältnis der beiden Staaten war belastet.

Es verbesserte sich erst im Sommer 1939 wieder. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs überbrachte der schweizerische Gesandte die Neutralitätserklärungen der Schweiz und Liechtenstein. Die Schweiz gewährte in der Folge den zwei Millionen Kredit für Liechtenstein.

Landtag entschied gegen die Balzner

Das Thema «Ellhorn» war dennoch nicht vom Tisch. In den Jahren 1947/48 forderte die Schweiz das Ellhorn erneut. Dies in Anbetracht des Kalten Krieges. Für die Schweiz war klar, dass sie das Ellhorn bekommen würde. Denn sie konnte Druck in allen Bereichen ausüben – gerade auch in Bezug auf fremdenpolizeiliche Massnahmen. Die Eidgenossen drohten bei einer Weigerung zudem mit der Kündigung des Zollvertrags. Liechtenstein konnte es so nur noch um ein gutes Verhandlungsergebnis gehen. Am 21. November 1948 lehnten die Balzner Bürger in einer nicht bindenden Abstimmung den Gebietsabtausch mit einer überragenden Mehrheit ab, doch der Landtag konnte rund einen Monat später nicht anders und stimmte dem Gebietsabtausch unter dem Druck der Schweiz zu. Die Schweiz erhielt das Ellhorn im Gegenzug erhielt Balzers eine gleich grosse und besser nutzbare Fläche und ihre Lebensmittelschulden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden von 2,6 Millionen auf 800 000 Franken reduziert. Zudem bezahlten die Schweizer der Gemeinde Balzers eine Entschädigung in Höhe von 412 000 Franken. 1952 bauten die Schweizer einen Festungsteil beim Ellhorn. Damit war der Streit um die Lorelei des Alpenrheins beendet. (qus)

14. Apr 2019 / 21:17
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