• Föhn Balzers
    Eine wunderbare Föhnstimmung

«Der Föhn als Traubenkocher»

«Der Föhn und das Feuer sind die Gefahren, vor denen sich die Balznerinnen und Balzner nach wie vor am meisten fürchten müssen», sagt Kenny Vogt von der Privaten Wetterstation Balzers. Im Interview gibt er Einblicke in das spezielle Wind-Phänomen.

*Herr Vogt, man bezeichnet den Föhn als ältesten Einwohner von Balzers – wieso?

Kenny Vogt: Vermutlich, weil er hier in Balzers schon geblasen hat, bevor sich menschliche Individuen niederliessen. Diese These wird sehr wahrscheinlich auch zutreffen. Denn Föhneffekte gibt es bei uns seit der Entstehung der Alpen vor Millionen Jahren.

Was steckt denn genau hinter dem Föhn? Wie entsteht er?

Für die Entstehung des Föhns muss zwischen der Alpennordseite und der Alpensüdseite ein Luftdruckunterschied von mindestens 3-4 Hektopascal bestehen. Es gilt grundsätzlich: je grösser der Luftdruckunterschied, desto stärker der Föhn. Dabei ist der Luftdruck auf der Alpensüdseite stets grösser. Einfachen physikalischen Gesetzen zufolge möchte sich der Luftdruck ausgleichen. Ein analoges Prinzip dazu kennen wir mit Wasser, welches eine schiefe Ebene immer hinunterfliessen wird – nie hinauf. Damit diese Druckgegensätze erst entstehen können, brauchen wir ein Hochdruckgebiet östlich unserer Region und ein Tiefdruckgebiet westlich unserer Region. Um den Druckunterschied auszugleichen, müssen die Luftmassen die Alpen überströmen. Aufgrund einer physikalischen Besonderheit kühlt sich dabei die Luft beim Aufsteigen weniger stark ab, als sie sich beim Absinken wieder erwärmt. Folglich ist es bei uns während Föhnlagen markant wärmer als in den umliegenden Regionen und der Alpensüdseite.

Der Föhn wird als warmer, trockener Fallwind bezeichnet. Wieso ist er in unserer Region so präsent?

Das Rheintal ist besonders aufgrund seiner Süd-Nord-Ausrichtung ein prädestiniertes Föhntal. Die Föhnluft kann hier ohne grosse Umwege gerade aus in den Bodenseeraum hineinfliessen.

Föhnstimmung

Warum ist der Föhn in der Gemeinde Balzers besonders spürbar?

Der Föhn erfährt in Balzers eine doppelte Kanalisierung. Einerseits wird nach dem Knick vom Churer in das St. Galler Rheintal das Tal enger, womit dieselbe Luftmasse in derselben Zeit mit weniger Platz auskommen muss – sie hat nur eine Möglichkeit, dies zu relativieren: Sie wird schneller. Andererseits steht mit dem Fläscherberg ein nicht zu vernachlässigendes Hindernis im Weg des Föhns. Hier wird er auf der Fläscher Seite neuerlich zum Aufsteigen gezwungen und fällt anschliessend auf der Balzner Seite des Bergmassivs regelrecht als Wasserfall herunter. Diese turbulenten topografischen Bedingungen sind es, welche den Föhn in Balzers so besonders machen.

Welche Vorteile bringt der Föhn mit sich?

Erwähnenswert ist sicher die Tatsache, dass sich die Vegetationszeiten bei uns in der Region durch den Föhn verlängern. Das heisst, dass die Pflanzen im Frühling tendenziell früher blühen und im Herbst noch für längere Zeit ihre Früchte oder Blätter behalten können. Dies zeigt sich besonders bei der Weinlese, welche durch herbstliche Föhnlagen durchaus verzögert wird – damit wird der Wein noch besser. Nicht zuletzt deshalb heisst der Föhn auch «Traubenkocher».

Ein Nachteil sind bestimmt Schäden, die ein Föhnsturm mit sich bringen kann. Gab es einen Föhnsturm, der in Balzers oder in der Region für besonders grosse Schäden sorgte?

Starke Föhnstürme mit Schäden gibt es leider immer wieder. Besonders hervorzuheben ist der grosse Waldbrand, welcher 1985 durch Schiessübungen des schweizerischen Militärs verursacht und durch starken Föhn rasch zu einem Flammeninferno wurde. Auch der grosse Dorfbrand im Höfle im Jahr 2001 wurde durch den Föhn zu einem Inferno, dass vielen von uns in Erinnerung geblieben ist. Der Föhn und das Feuer sind jene Gefahren, vor denen sich die Balznerinnen und Balzner nach wie vor am meisten fürchten müssen. Auch Sachschäden kommen immer wieder vor. So werden beispielsweise immer wieder Fenster eingedrückt, Dächer angehoben oder Dachziegel abgedeckt.

*Interview wurde schriftlich geführt. (nb)

 

Wo tritt der Föhn auf?

Weltweit gibt es viele weitere Beispiele für föhn-ähnliche Wetterphänomene. Einige Beispiele:

- Aspr im franz. Zentralmassiv

- Chanduy in Ecuador

- Chinook in den Rocky Mountains

- Puelche in Chile

- Canterbury Northwester (NZ)

08. Apr 2019 / 10:09
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