• Zu einem gemütlichen Grillabend gehören leckere Speisen vom Grill dazu.
    Zu einem gemütlichen Grillabend gehören leckere Speisen vom Grill dazu.  (iStock)

Wie Grillieren zum Volkssport wurde

Wenn man als Kind die Mutter in die Metzgerei begleitete, bestellte sie wohl «ä Pärle Wörscht» und erhielt daraufhin Cervelats von der freundlichen Angestellten, die dem Kind dazu ein «Zizile», also ein Wienerle, anbot. Auch heute freuen sich die Kinder immer noch am «Zizile» oder «Worschträdle» vom Metzgermeister. Die Grossen hingegen, wenn sie sich mit Freunden zum Grillieren treffen.
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Wenn der Grillmeister, bewaffnet mit Grillzange und die Hitze kontrollierend, die Würste auf dem Feuerstellengitterrost zum gemächlichen Brutzeln bringt, dann wissen Gross und Klein: Der Sommer beginnt. Es gibt zwar Haudegen, die auch in kalten Wintertagen den Fisch grillieren und sich dabei an Aperol-Spritz laben, doch das Grillieren und die Verköstigung von Gästen zeigt erst im Sommer seine wahre Blüte. Ein eisgekühlter Tee, verschiedene Süssgetränke aus dem Supermarkt oder eine Flasche Bier runden das Grillerlebnis ab. Liechtenstein kommt dem Grillbedürfnis der Einwohner entgegen, indem verschiedene öffentliche Feuerstellen bereitgestellt sind, sei es im Dux in Schaan, beim ehemaligen Waldhotel in Vaduz oder beim Robinsonspielplatz in Triesen. Aber auch die mächtige Berglandschaft lädt zum Erkunden ein. Gerne besuchen erschöpfte Wanderer Grillstellen, die in luftigen Höhen auf sie warten. Sei es nun beim Wildschloss in  Vaduz oder auf Tuass. 
Was und wie gegrillt werden soll? An diesen Fragestellungen scheiden sich die Geister. Die lange diskutierte Gretchenfrage ob Elektro- oder Kohlegrill, steht hier nicht zur Debatte. In einer freien Gesellschaft soll jeder nach seinem Gusto die favorisierte Grillausrüstung auswählen. Dies soll natürlich auch für die Produkte, die auf den Grill gelegt werden, gelten. Doch um möglichst viel Geschmack aus dem entsprechenden Produkt zu kitzeln, schenkt man am besten einem Profi Gehör.

Für diesen Anlass stellte sich freundlicherweise Albert Ospelt, Metzgerei Ospelt, «wo ma mi kennt», in Schaan zur Verfügung:

Herr Ospelt, was kommt bei Ihnen auf den Grill?
Vieles. Denn zunächst einmal gilt: Beim Grillieren sind keine Grenzen gesetzt. Auch bei einfachen, kostengünstigen Produkten. Neben einer Kalbsbratwurst brate ich beispielsweise Hamburger auf dem Grill, bei denen man richtig kreativ werden kann. Dem reinen Rindfleisch als Basis gebe ich zum Beispiel gerne Knoblauch, Fenchel und Zwiebeln hinzu. Bei einem mediterranen Burger verwende ich Oliven und Tomaten. Beim Käse ist vor allem zu beachten, dass kein Industriekäse verwendet wird.  Wenn ich jedoch über die nötige Zeit verfüge, grilliere ich am liebsten «Beef Brisket».Eine Rinderbrust, die ich schön mariniere und auf einem Smoker für 12 Stunden gare. Eine ganz delikate Angelegenheit. 

Marinaden sind in Mode. Wie stehen Sie zu dem Trend?
Das stimmt. Marinaden sind im Trend. Das kommt aber manchem Fleisch nicht zugute. Es ist nicht empfehlenswert, mariniertes Poulet zu kaufen. Nur bei kräftigen Sachen, die einen starken Eigengeschmack haben, wie zum Beispiel Lamm, Rinderbrust oder Schweinehals, soll eine Marinade aufgetragen werden. Ansonsten reicht es, ein wenig Olivenöl, zum Beispiel beim Rindfleisch, zu verwenden. Sehr empfehlenswert ist auch die selbstgemachte Kräuterbutter. Denn diese darf man nach Lust und Laune verfeinern. Zum Beispiel mit Schnittlauch, Bärlauch oder Petersilie.

Ein Blick in die Vergangenheit
Menschen aus den deutschsprachigen Ländern nannten die Russen bereits vor über 100 Jahren «Wurstmacher». Aber auch anhand der Dialektwörter lässt sich erkennen, dass die Wurst und das dazugehörige Grillieren in Liechtenstein weit zurückgeht. Die Begriffe stammen vielfach aus einer Zeit, in der man kulturell noch näher am Nachbarn Österreich angelehnt war. So sagte man auch damals «Zizele» im Vorarlbergischen. Schon in den 1950ern grillierten die Buben Würste in den Bubenlagern auf der Pradamee oder bei Pfadfindertreffen. Und wie sich Liechtensteiner der älteren Generation gerne zurückerinnern, briet Herbert Ospelt einen ganzen Ochsen beim Musikfest in Vaduz im Jahre 1964. Nur schon das Zusehen war für die Kinder damals ein Highlight. Heute ist das Grillieren immer noch – oder vielleicht sogar mehr denn je – eine köstliche Thematik für Jung und Alt. Geändert hat sich nur die Vielfalt auf dem Grillrost. Neben dem Üblichen – Cervelat und Bratwurst – reihen sich Koteletts an Spare Ribs und Steaks; Fische an Crevetten und Scampi; Paprika an Zucchini und Advocado. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ein persönlicher Geheimtipp: Ein gegrillter Landjäger ist bei Weitem besser als ein kalter. Der Vegetarier geniesst möglicherweise noch mehr Vielfalt auf dem Grillteller, weil er aus anfänglicher Not eine Tugend gemacht hat. Bananen gefüllt mit Schokolade oder Kartoffelspalten mit Käse zieren die Teller der Tierschützer.

Die Veränderungen dürfen begrüsst werden. «Begegnen wir der Zeit, wie sie uns sucht», heisst es bei Shakespeare. Trotz Aufgeschlossenheit soll manches Althergebrachte dennoch bewahrt werden. So führte beispielsweise Albert Ospelt in der Metzgerei Ospelt wieder die traditionellen Gratis-«Zizile» ein. Ein Brauch, der vom Aussterben bedroht war. (dab)

22. Jun 2020 / 16:09
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