Überwintern im Wohlfühlklima

Nicht winterfeste Kübelpflanzen müssen die kälteren Monate nicht zwangsläufig im Haus des Besitzers zubringen. Gärtnereien bieten oft fachgerechte Überwinterungen an. Die Resonanz darauf ist gross, trotzdem sehen Betriebe darin vor allem einen Kundenservice.

Kübelpflanzen, die auf den Balkonen und Terrassen in Mitteleuropa gedeihen, sind längst nicht immer auch für den dortigen Winter gemacht. Wenn die Temperaturen sich anschicken, an der Grenze zum Minusbereich zu kratzen, wird die Luft für sie dünn. Überleben können die in der Regel aus südlicheren Gefilden stammenden Gewächse dann nur an geschützten Orten. Dort, wo es auch zur kalten Jahreszeit wohlig warm bleibt.
Das kann – ausreichend Platz vorausgesetzt – selbstredend das eigene Zuhause sein, ob nun in entsprechend hellen und kühl temperierten Räumen oder im Wintergarten. Teilweise geben Besitzer ihre Pflanzen zum Überwintern aber auch in die Obhut von Gärtnereien. Bei grossen, schönen und gesunden Pflanzen könne ein solches Vorgehen durchaus angezeigt sein, sagt Petra Jehle, Inhaberin der Jehle Garten und Floristik AG in Schaan. «Auch Raritäten und Liebhaberpflanzen sollten fachgerecht überwintert werden.» Oftmals, ergänzt der Besitzer der Näscher Blumen und Garten Anstalt in Gamprin-Bendern, Jürgen Näscher, handle es sich bei den Pflanzen seiner Kunden um Erbstücke. «Die Menschen geben uns ihre Pflanzen dann, weil sie ihnen viel bedeuten.»

Es gibt umgekehrt aber auch genügend Fälle, in denen ein Überwintern im Gewächshaus des Profis wenig Sinn macht. Insbesondere, wenn eine Pflanze in der Anschaffung wenig kostet, krank oder von Schädlingen befallen ist. «Hier kann es gut sein, dass Handling und Überwintern letztlich mehr Kosten versursachen, als wenn man die Pflanze entsorgt und sich im Frühjahr eine neue besorgt», so Bruno Elsensohn, Inhaber der Elsensohn Gärtnerei in Vaduz.

Preise variieren stark
In der Regel bleiben die Pflanzen ein gutes halbes Jahr beim Gärtner. Die dabei anfallenden Kosten können stark variieren. Massgebend ist zuvorderst deren Platzbedarf. Aber auch die Temperatur, welche eine Pflanze benötigt, wirkt sich auf den Preis aus, wie Jürgen Näscher sagt: «Zitruspflanzen, Kamelien, Solanum oder Dipladenien brauchen beispielsweise wärmere Temperaturen im Gewächshaus und sind somit teurer als Palmen, Oleander und Olivenbäume.»

Berücksichtigt man noch allfällige Transportleistungen, kann so in einigen Fällen schon mal eine stattliche Summe von mehreren Hundert Franken zusammenkommen. Ab und an, räumt Bruno Elsensohn ein, finde ein Kunde den Preis denn auch in der Tat etwas hoch. «Man darf jedoch nicht vergessen, wie viel Aufwand eine Überwinterung bedeutet. Aufwand, den die meisten dann aber auch anerkennen, wenn wir ihnen alles erklärt haben.»

Die von «Wirtschaft regional» angefragten Betriebe bieten allesamt eine «komplette Lösung» an, wie Elsensohn es nennt – wobei die Rundum-Sorglos-Pakete im Detail freilich voneinander abweichen können. Sofern Kunden ihre Pflanzen nicht selbst vorbeibringen, werden sie im Oktober/November von den Gärtnereien vor Ort abgeholt. «Je nach Grösse der Pflanzen, Gewicht der Töpfe und Standort der Kübelpflanzen, kann es auch vorkommen, dass ein Lkw mit Kran gebraucht wird, um diese von den Terrassen auf die Lieferwagen zu stellen», berichtet Petra Jehle. In den Gärtnereien werden sie anschliessend auf die Überwinterung vorbereitet und schliesslich an ihrem Standort für die nächsten Monate platziert. Dort herrschen nicht nur die für sie richtigen Temperaturen, sie erfahren bis zu ihrer Rücklieferung zum Kunden im April/ Mai auch die gebotene fachgerechte Pflege: Schneiden, Giessen, Düngen, Behandlung gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten, falls nötig Umtopfen – den Pflanzen soll es an nichts fehlen.

Der Service hat sich etabliert
Das Bedürfnis nach diesem Service ist im langfristigen Vergleich merklich angestiegen, wie die Gärtnereien betonen. «Heutzutage», so Bruno Elsensohn, «überwintern weit mehr Leute ihre Pflanzen als noch vor 20 Jahren.» Für ihn spiegeln sich darin insbesondere die veränderten Lebensumstände der Menschen wieder. «Viele Leute verfügen heute über keinen eigenen Garten mehr und kaufen deshalb Kübelpflanzen, die sich für Balkone und Terrassen gut eignen. Hinzu kommt, dass in den neuen Wohnräumen oft keine geeigneten Überwinterungsorte mehr vorhanden sind – zum Beispiel kühle, helle Keller.» In den Augen von Jürgen Näscher haben Garten, Balkon und Terrasse zudem einen ganz anderen Stellenwert als früher. «Sie sind unsere Wohlfühloasen.» Entsprechend gross, fährt er fort, sei auch die Bedeutung von Pflanzen.
In der jüngeren Vergangenheit hat Petra Jehle allerdings eine gewisse Stag-nation festgestellt. Die Menge an Pflanzen, die in den zwei für das Überwintern vorgesehenen Gewächshäusern der Gärtnerei eingestellt würden, sei zuletzt in etwa gleich geblieben, sagt sie. Unter anderem, weil sich der Zeitgeist erneut leicht zu verändern scheint: «Zurzeit werden vermehrt winterharte Pflanzen in Kübel gesetzt. Die Terrasse und der Garten sollen das ganze Jahr schön aussehen.»

Mit dieser Entwicklung hat sie jedoch keine Probleme. Das grosse Geschäft ist mit der temporären Beherbergung von nicht winterfesten Kübelpflanzen ohnehin nicht zu machen, wie sie sagt: «Ihre Pflege braucht viel Zeit, Wasser und Energie und ist deshalb, wenn überhaupt, knapp kostendeckend. Wir sehen die Überwinterung der Kübelpflanzen eher als Dienstleistung an.»

Abheben vom Baumarkt
Auch Bruno Elsensohn sieht in der Nutzung der gut 1000 m2 Fläche, die in seiner Gärtnerei für die Überwinterung zur Verfügung stehen, in erster Linie «einen Kundenservice, den wir als Fachgeschäft anbieten.» Und mit dem man sich von Baumärkten abheben kann, die Gärtnereien aufgrund ihrer Preispolitik gerade in einem ihrer Kerngeschäfte stark konkurrieren. «Baumärkte», sagt Jürgen Näscher, «verkaufen zwar auch Pflanzen. Sie überwintern diese aber nicht. Wir als Fachgeschäft können mit unserer Dienstleistung hier also punkten.» Zudem erachtet zumindest er das Überwintern von Kübelpflanzen auch als «eine gute Einnahmequelle» für seinen Betrieb.

01. Nov 2019 / 16:09
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