• Die Bademode besteht zu 78 Pro­zent aus recycelten Materialien und zu 22 Prozent aus Elastan.

Nachhaltige und sexy Mode aus Liechtenstein

Das Modelabel und Start-up «Lanasia» besteht seit gut einem Jahr – seither ist schon einiges passiert. Im Februar 2019 präsentierten Anna-Sophia und Lisa-Maria Beck aus Triesenberg ihre erste Kollektion. Die zwei Gründerinnen konnten ihr Label durch geschicktes Marketing erweitern und drei weitere Kollektionen entwerfen. Lanasia will dabei jedoch nicht einfach nur Mode für die Frau von heute sein – das Label steht auch für «sexy & sustainable» und hat es damit auch schon in die «Elle Italy» oder die «Vogue UK» geschafft.

Anna-Sophia und Lisa-Maria Beck, welche Idee steckt hinter Ihrem Mode-Start-up «Lanasia»?
Lisa: Mit unserem Motto «sexy & sus­tain­able» möchten wir zeigen, dass nachhaltige Mode auch trendig sein kann. Viele verstehen unter nachhaltiger Mode spiessige Öko-Mode. Wir beweisen das Gegenteil, die Lanasia-Designs zeichnen sich durch feminine Schnitte, trendorientierte Farben sowie umweltfreundliche Materialien aus. 
Anna: Wir möchten zeigen, dass nachhaltige Mode alles andere als langweilig sein muss, sondern frech, knallig und zeitgemäss sein kann. 

Lanasia, Ruggell

Erobern die Modewelt: Anna-Sophia Beck (li.) und Lisa-Marie Beck von Lanasia.

Was bedeutet für Sie nachhaltige Mode in diesem Zusammenhang?
Lisa: Unsere Bademode besteht zu 78 Pro­zent aus recycelten Materialien und zu 22 Prozent aus Elastan, wie auch unsere Fitnessmode. Unsere Womenswear ist teilweise recycelt – in diesem Bereich arbeiten wir vor allem mit natürlichen Materialien wie beispielsweise Biobaumwolle oder Tencel, welche die Umwelt nicht so sehr belasten wie synthetisch hergestellte Stoffe.
Anna: Bei Bestellungen über unseren Onlineshop geben wir unseren Kundinnen ausserdem die Möglichkeit, ihre Waren in der exklusiven Box oder in einer Öko-Box zu erhalten – somit gibt es auch hier eine nachhaltigere Variante. 

Aus alten Fischernetzen, Getränkeflaschen und anderem Plastikmüll entsteht bei Lanasia Mode. Wie ist diese Idee zustande gekommen?
Anna: Wir waren auf der Suche nach Bademode, die toll aussieht und umweltfreundlich ist. Durch unsere Recherche wurde uns bewusst, dass es eigentlich kaum eine Modemarke gibt, die nachhaltige Bikinimode herstellt. Wir haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und sind auf die Möglichkeit gestossen, aus recyceltem Meeresmüll Bikinis her­zustellen, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut anfühlen. 

Sie mussten aber erst die entsprechenden Unternehmen und Materialwege erschliessen. Damit standen Sie vor einer Herausforderung.
Lisa: Genau. Wir haben vorab diverse Stoffmessen besucht, um unterschiedlichste Möglichkeiten zu eruieren. Das Finden der geeigneten Partner gestaltete sich schwierig. Wir mussten uns langsam herantasten und es war in gewisser Weise ein Learning by Doing. Schliesslich haben wir beide keinen Modeback­ground – ich habe Marketing studiert und Anna schliesst bald ihr Tourismus- und Eventmanagement-Studium ab. 

Wie sieht der Prozess der Rohstoffgewinnung genau aus?
Lisa: Es gibt Unternehmen, welche sich darauf spezialisiert haben, Post-Consumer-Abfall wie Plastikflaschen, Fischernetze oder anderes, welcher nur schwer aus dem Meer zu holen ist, einzusammeln. Dieser Plastikabfall wird anschliessend gereinigt und als regeneriertes Nylon erst zu einer Kunstfaser und in weiterer Folge zu einem feinen Stoff verarbeitet. Dieser dient letztlich als Rohstoff für die Fertigung der Lanasia-Designs. Unsere Bade- und Sportmode pro­duzieren wir in Indonesien, für die Womenswear arbeiten wir mit einem Familienbetrieb in Portugal zusammen. 

Lanasia ist für den täglichen Gebrauch gedacht.
Anna: Genau. Wir wollen Designs erschaffen, die man gerne trägt und die einem das Styling einfach machen. Unsere Mode ist für jeden Tag gedacht und mit der Gründung unseres Unternehmens möchten wir alle modebewussten Frauen einladen, unser Verständnis von Mode zu erleben und mit uns zu teilen.
Lisa: Unsere Mode ist speziell und ein Blickfang. Wer Lanasia trägt, sticht aus der Masse heraus, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. 

Für ein Start-up besteht eine der grössten Herausforderungen darin, die Bekanntheit des Labels zu steigern. Was ist Ihr Rezept in dieser Hinsicht?
Lisa: Unser Marketing läuft über unterschiedliche Kanäle. Zum einen möchten wir unsere Kunden und Fans dazu animieren, unsere Markenbotschafter zu werden. Sie können sich über brandbassador.com/lanasia registrieren und so unsere Marke repräsentieren. Wir bekommen Fotocontent und erreichen die Community der Influencer, sie wiederum bekommen neue Kleidungsstücke oder Provisionen – es ist eine Win-win-Situation.
Anna: Wir setzten dabei besonders auf langfristige Partnerschaften. Wir suchen Personen, die sich mit unserem Konzept und unserer Mode identifizieren können – und kreativ sind. Die Auswahl treffen wir selektiv. Bisher hatten wir über 2000 Anfragen, von denen wir rund 100 angenommen haben.
Lisa: Ausserdem betreiben wir Affilate-Marketing. Modeaffine Webseiten können unsere Banner auf ihrer Seite integrieren und werden auf Provisionsbasis über die Klicks und die daraus resultierenden Bestellungen vergütet. 

Sie arbeiten auch mit Personen des öffentlichen Lebens zusammen – beispielsweise sind die südamerikanische Schauspielerin Patricia Contreras und die Miss Niederlande 2019, Sharon Pieksma, Markenbotschafter von Lanasia. Wie ist es zu diesen Partnerschaften gekommen?
Lisa: Die Zusammenarbeit mit Patricia Contreras war reiner Zufall. Ein Stylist aus München hat einige unserer Kleidungsstücke mit nach Venedig zu den Filmfestspielen mitgenommen. Patricia Contreras hat die Kleider gesehen und sie gefielen ihr sofort. So kam es, dass Patricia mit einem Lanasia-Look in der italienischen Zeitschrift «Elle» abgelichtet wurde. Im Anschluss haben wir uns mit ihr in Verbindung gesetzt und es ist eine aufregende Zusammenarbeit entstanden. 
Anna: Die Partnerschaft mit Sharon Pieksma lief über unsere Agentur in den Niederlanden. In Amsterdam sind wir in einem Showroom vertreten. Influencer, Pressevertreter und Einkäufer von Modeboutiquen können dort unsere Kollektion begutachten und auch für Shootings, Events oder Kampagnen ausleihen. Sharon Pieksma hat dort mehrere Teile ausgesucht und diese mit an die Miss-Universe-Wahl mitgenommen.

Ist es Ihrer Meinung nach heutzutage notwendig, auf so viele unterschiedliche Kanäle zu setzten?
Anna: Auf jeden Fall, besonders als Start-up. Es ist wichtig, möglichst viele Menschen auf unterschiedlichen Kanälen zu erreichen und so auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Die Visibilität wird dadurch stetig erhöht. 
Lisa: Letztendlich zählen die Sales, und diese kann man als Onlineshop nur durch eine entsprechende Reichweite generieren. Auf unserem Webshop merken wir die Peaks, die sich durch unterschiedlichste Präsenzen ergeben. Wenn bekannte Persönlichkeiten unsere Kleidung tragen und dadurch in der «Elle» oder «Vogue» abgelichtet werden, steigen die Besucherzahlen auf unserer Seite enorm. 
Anna: Und auch in unseren Boutiquen spürt man diese Momente. Im Dezember war Lanasia zum Beispiel bei «Shopping Queen» und bei «Bachelor in Paradise» im Fernsehen zu sehen. Solche Momente und Auftritte freuen uns und tragen ebenfalls dazu bei, das Label bekannter zu machen.  
Ihre Mode kann entweder im stationären Handel oder im Onlineshop erworben werden. Welcher Kanal ist für Ihr Unternehmen momentan der wichtigere?
Lisa: Für unser junges Unternehmen sind beide Kanäle wichtig. Gerade ein junges Modeunternehmen muss den Kunden die Möglichkeit bieten, die Kleidungsstücke anzufassen und anzuprobieren. Neukunden besuchen gerne die Boutiquen, wer unser Label mag und kennt, nutzt dann den Onlineshop.
Anna: Hervorzuheben ist, dass wir in über 55 Länder weltweit liefern. Uns freut besonders, dass unsere Kundenbindung bisher hoch ist und damit die Retourenquote sehr gering.

Wie sieht die Arbeitsaufteilung bei Ihnen aus?
Anna: Wir haben uns schon immer gut ergänzt und kennen die Stärken und Schwächen voneinander. Es war von Anfang an klar, dass Lisa die strategischen und operativen Parts übernehmen und ich mich den kreativen Aufgaben widmen würde. 
Lisa: Als Verantwortliche für das Tagesgeschäft pflege ich den Kontakt zu unseren Stakeholdern und leite sämtliche Marketingaktivitäten, Anna ist für das Design und die kreativen Prozesse wie Planen von Shootings etc. zuständig. Ausserdem arbeiten wir mit einem Logistiker in Deutschland zusammen, der sich um die Abwicklung der Bestellungen kümmert. 

Woher nehmen Sie die Inspiration für die Kollektionen?
Anna: Unsere Mama ist für uns die grösste Stilikone und inspiriert mich jeden Tag neu. Weitere Inspirationsquellen sind Reisen und generell die feminine Frau. Unsere neueste Kollektion wurde zum Beispiel von der Kraft der Natur inspiriert. 

Von der Idee bis zum fertigen Produkt – wie gehen Sie dabei vor?
Anna: Wann immer mir eine Idee kommt, beginne ich zu sketchen, sei es im Alltag oder mitten in der Nacht. Kreativ sein erfordert Zeit und Musse. Ich entwerfe auf Illustrator die einzelnen Teile und übermittle die technischen Daten an die Produktionsfirma. Anhand von Stoffproben entscheide ich mich für das passende Material und die Farbe. Auf Grundlage der Daten fertigt der Produzent das erste Sample. Bis das finale Design steht, durchläuft es mehrere Sampling-Runden, und nicht jedes Sample wird schliesslich zur Produktion freigegeben – einige überzeugen uns, andere nicht. 
Lisa: Sobald wir mit dem Design zufrieden sind, gehen wir in die Produktionsphase über. Wir produzieren die Kleidungsstücke in fünf unterschiedlichen Grössen, von XS bis XL, also von Grösse 34 bis 42. Die Teile werden hergestellt und im Anschluss direkt an unser Lager zum Logistiker nach Deutschland geliefert. Dieser nimmt eine Qualitätskontrolle sowie die Konfektion vor, damit die Bestellungen schliesslich an unsere Kundinnen verschickt werden können. 

Verlassen Sie sich beim Design vor allem auf Ihr eigenes Gespür, oder holen Sie sich auch Inputs von Ihrer Schwester?
Anna: Lisa und ich sind uns unserer Aufgabeneinteilung bewusst. Sie gibt manchmal Input und wenn ich unsicher bin, frage ich sie gerne um Rat, aber generell liegen die Design-Entscheidungen schliesslich in meiner Hand. 

Vor rund zehn Monaten haben Sie Ihre erste Kollektion lanciert. Wie ist diese erste Phase für Sie gelaufen?
Anna: Unser Unternehmen ist gut gestartet. Wir konnten schon beträchtliche Einnahmen generieren und unseren Bekanntheitsgrad sukzessive steigern. Die Präsenz unserer Marke in der Modewelt ist ein längerer Prozess und bedarf einer gewissen Ausdauer, dessen sind wir uns bewusst. 
Lisa: Wir haben einen Fünfjahresplan, an dem wir uns orientieren, und wir konnten seit dem Launch unseres Onlineshops am 19. Februar eine ausserordentlich positive Resonanz erzielen. Dies bestätigen die zahlreichen Artikel in einer breiten Medienlandschaft in ganz Deutschland.

Welche Ideen und Visionen haben Sie für die kommenden Monate?
Lisa: Im Februar eröffnen wir unseren Showroom in Ruggell, das wird auf jeden Fall das nächste grosse Ereignis sein.
Anna: Und Ende Februar präsentieren wir unsere neue Kollektion «Power of Nature». In dieser Kollektion widerspiegelt sich die Kraft der Natur in neuen Mustern, Farben und Designs. Generell wollen wir noch mehr mit natürlichen Materialien arbeiten und weitere, umweltschonende Kollektionen entwerfen.
Lisa: Wir haben unsere Kollektion bei dieser Linie auch sehr erweitert und sind von sechs Teilen auf über 16 Teile gewachsen. Das Shooting findet Anfang Februar in Andalusien statt. Eines unserer nächsten Ziele ist die Miami Swim Week. Das ist ein jährlicher Catwalk-Event, bei dem sich beliebte Bikini-Brands präsentieren. Die Präsenz im stationären Handel, also die Partnerschaften mit Modegeschäften, wollen wir parallel stetig weiter ausbauen.

Bisher haben Sie noch keine Zusammenarbeit mit einem Modeladen in Liechtenstein.
Anna: Bisher noch nicht. Über unseren Onlineshop konnten wir jedoch schon einige Bestellungen aus Liechtenstein generieren. 
Lisa: Wir sind offen für lokale Partnerschaften, Voraussetzung ist, dass die Boutique zu der Marke Lanasia passt. 

Beschreiben Sie Lanasia mit drei Begriffen: Wofür steht die Modemarke?
Anna: Nachhaltig, …
Lisa: … feminin …
Anna: … und trendig.


Anna-Sophia und Lisa-Maria Beck haben mit ihrem Mode­label Lanasia bisher vier Kollektionen präsentiert: eine Swimwear-Linie, zwei ­Womenswear-Kollektionen ­sowie eine Activewear-Linie. Mit ihren Kollektionen unterstützen sie ausserdem wohl­tätige Projekte wie beispielsweise «The Ocean Cleanup» oder ein Projekt zur Rettung von Strassenhunden in ­Bosnien. Anna-Sophia und Lisa-Maria Beck arbeiten beide Vollzeit bei Lanasia; für Kampagnen, Shootings und andere Marketingmassnahmen arbeiten die Gründerinnen mit einem ­jungen Team von Freelancern zusammen. (lat)

 

07. Jan 2020 / 08:17
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