• Liechtensteinische Landesbank AG  - 2019
    Filiale Balzers  (ROLAND KORNER)

Die Bank mit Schalter ist Geschichte

Die Liechtensteinische Landesbank hat während der vergangenen beiden Jahren ihre Filiale in Balzers umgebaut. Eschen und Vaduz werden folgen. Nun erinnert nur wenig an eine traditionelle Bank. Die Schalter sind weg, dafür wird man mit Kaffee begrüsst.
Fotostrecke: Eröffnung LLB Balzers
Liechtensteinische Landesbank AG  - 2019
Liechtensteinische Landesbank AG . - 2019
Liechtensteinische Landesbank AG . - 2019
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers
LLB Filiale Eroeffnung in Balzers

Die Bank: In den Vorstellungen der meisten Retailkunden noch immer ein Ort, wo fleissig Ein- und Auszahlungen getätigt werden, am Schalter Fremdwährungen für die bevorstehenden Ferien gewechselt oder Rechnungen erledigt werden. Wer bereits seit längerem nicht mehr auf einer Bank war, sieht vor dem geistigen Auge wahrscheinlich noch dicke Glasscheiben, welche den Schalterangestellten vom Kunden trennen. Höchste Zeit, sich von diesen Vorstellungen zu trennen. Denn spätestens ab heute gibt es auch in Liechtenstein eine Bankfiliale, die mit herkömmlichen Schalterhallen nichts mehr zu tun hat.

Verändertes Kundenverhalten
In Balzers setzt die Liechtensteinische Landesbank (LLB) das um, was sie bei ihren Tochter, der Bank Linth, bereits seit Jahren praktiziert. Die Schalter verschwinden und machen einer Begegnungszone Platz. Nach diesem Konzept werden in den nächsten Jahren auch die Geschäftsstelle Eschen sowie der Hauptsitz in Vaduz umgebaut. Der Hintergrund ist klar: Die Geschäftsstellen verlieren für den Kunden immer mehr an Bedeutung. «Allein in den vergangenen fünf Jahren mussten wir an den Schaltern eine Halbierung der Trans­aktionen hinnehmen», erklärt Edi Zorc, Leiter Privat- und Firmenkunden Liechtenstein bei der LLB. Deshalb habe die Renovation der Geschäftsstelle Balzers nicht nur eine neue Farbe, sondern ein neues Denken erfordert. «Wir müssen auf das veränderte Kundenverhalten eingehen und den Kontakt mit den Menschen ins Zentrum stellen.»

Das veränderte Kundenverhalten: Damit ist Unabhängigkeit vom Schaltergeschäft gemeint. Wenige Arbeitnehmer haben unter der Woche Zeit, ihre Bankgeschäfte an die Öffnungszeiten der Filialen anzupassen. Stattdessen werden der Grossteil der Zahlungen unterdessen per E-Banking oder Mobile Banking ausgelöst. Bargeld erhält man 24 Stunden am Tag an den Bancomaten, selbst für die Einzahlung von Bargeld oder das Wechseln in Münzrollen stehen unterdessen die Automaten rund um die Uhr zur Verfügung. Das hat Vorteile für den Kunden und die Bank, weshalb Letztere in den vergangenen Jahren ihren Teil zum Rückgang des Schaltergeschäftes beitrug. Die Kosten für das Bezahlen von Rechnungen vor Ort wurden ebenso erhöht wie die Transaktionskosten am Schalter. Denn je mehr der Kunde selber macht und über die Plattformen wie den Bancomaten oder das E-Banking aufgibt, desto automatisierter, ergo günstiger, kann das Finanzinstitut die Geschäfte abwickeln.

Ein «Ort der Begegnung»
«Ist eine Geschäftsstelle in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch zeit­gemäss?», fragt Edi Zorc. Die Antwort ist nicht ganz so trivial, wie sie zuerst scheint. Wer muss in Zeiten des E-Bankings überhaupt noch auf die Bank, sofern er nicht gerade eine Hypothek oder einen Fondssparplan braucht.
Eigentlich nur noch Personen, welche   Schaltergeschäfte gewohnt sind. «Alles, was man bisher am Schalter machen konnte, wird man auch in Zukunft auf unseren Geschäftsstellen machen können», erklärt Zorc. Auch wenn es Schalter in der traditionellen Form nicht mehr gibt.

Bereits vor der heutigen Eröffnung scheiden sich die Geister über die neue Art der Filialen. Denn die offene Atmosphäre mit grossen Fensterscheiben bot bereits erste Einblicke in die renovierte Filiale. In der Tat überrascht der erste Gang in das Gebäude. Statt in einer Bank wähnt man sich eher in einem Atelier. Und genau so nennt die Bank die ehemalige Schalterhalle auch. Die Einrichtung ist schlicht, an den Wänden stehen Regale mit Kaffeemaschine und Schokolade. In zwei Ecken stehen Bancomaten, hinten geht es zu separaten Besprechungsräumen für diskretere Gespräche. Im Hauptraum dominieren zwei neue Mittelpunkte. Einerseits ein riesiger Tisch, welcher für den Empfang der Kunden und den lockeren Austausch dienen soll. Der zweite Blickfang ist das «Bankorama», welches heute weltweit zum ersten Mal enthüllt wird. Mit dem interaktiven Medium, bestehend aus Screens und Säulen, sollen den Kunden in Zukunft die Produkte und komplexe Zusammenhänge einfach und schlüssig erklärt werden. Wie viel sich die LLB den Umbau und Neukonzipierung kosten liess, will sie nicht kommunizieren. Die Geschäftsstelle soll aber auch weiterhin ein zentraler Kanal für den Kontakt mit den Kunden sein, indem sie als «Ort der Begegnung» konzipiert wurde. Um das zu unterstreichen, soll die Filiale auch für bankfremde Anlässe genutzt werden können, zum Beispiel Unternehmer-Apéros oder kulturelle Anlässe. Trotz des Wegfalls der Schalter werden keine Personen entlassen, betonen die Verantwortlichen. «Das Jobprofil für die Mitarbeitenden wird vielseitiger», erklärt Heini Bürzle, Hausherr in der Geschäftsstelle Balzers. Statt reaktivem Service soll der Schwerpunkt auf der Beratung und der aktiven Marktbearbeitung liegen.

Das neue Konzept ist radikal. Und es fordert ein Umdenken auf beiden Seiten: bei den Mitarbeitern und den Kunden. Ob es funktioniert, wird sich zeigen. (ags)

29. Mär 2019 / 18:18
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