• Marco Weishaupt Argus Eschen 190515
    Samstagsgespräch Wirtschaft regional - Argus Marco Weishaupt am 15.05,2019  (Daniel Ospelt)

«Das Thema Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis»

Marco Weishaupt ist Geschäftsführer des Unternehmens Argus Sicherheitsdienst AG. Im Interview spricht er über die Geschichte des Unternehmens, die Sicherheit als menschliches Grundbedürfnis und die Zukunft der Sicherheitsbranche, die Mensch und Technik noch stärker miteinbeziehen wird.

Herr Weishaupt, welche Geschichte steckt hinter dem Unternehmen Argus Sicherheitsdienst AG?
Marco Weishaupt: Das Unternehmen wurde 1968 als Einzelfirma von Hans Marxer gegründet. Im vergangenen Jahr feierten wir unser 50-jähriges Jubiläum. Argus ist zunächst als reiner Bewachungsdienst mit klassischem Wachmann entstanden. Hans Marxer war früher noch mit Wachhund und Revolver in den Nächten des Unterlands unterwegs. Das Land, insbesondere das Unterland, war damals natürlich bei weitem noch nicht so stark industrialisiert wie heute, der Markt insgesamt sehr überschaubar. Erst Jahre später, also 1983, nach der Geschäftsübernahme durch seinen Sohn Wolfgang Marxer, haben wir unsere Geschäftstätigkeit auch auf das Oberland ausgeweitet. 

Bei der Betrachtung des Argus-Firmenlogos überrascht die grafische Übereinstimmung mit der österreichischen Gendarmerie.
Unsere Farben sind seit Jahrzehnten dieselben. Die letzte Logo-Anpassung fand vor etwas mehr als 
10 Jahren statt. Rein zufällig wechselte damals auch die österreichische Polizei zu einer ähnlichen Farbkombination. In Österreich sind die Farben allerdings umgekehrt angelegt: oben rot und unten blau mit weissem Schriftzug. 

Wie sind Sie zum Geschäftsführer des Unternehmens geworden?
Ich bin ein absoluter Quereinsteiger in die Sicherheitsbranche gewesen. Es war aber ein bewusster Entscheid von Wolfgang Marxer, eine Personalie auszuwählen, die sich eben nicht nur in der Sicherheit auskennt, sondern jemanden einzustellen, der mit der zunehmenden Komplexität und Grösse des Unternehmens umgehen kann. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und dann Betriebswirtschaft studiert. Im Anschluss arbeitete ich sechs Jahre lang in der Medizintechnik als Geschäftsführer. Von dort aus machte ich den Einstieg in die Sicherheitsbranche und bin seit 2008 Geschäftsführer der Argus. 

Worin bestand der Anreiz, die Branche zu wechseln?
Die Aufgabe an sich, in einem spannenden und dynamischen Umfeld, übte einen grossen Reiz auf mich aus und ich konnte mich auf Anhieb mit dem Thema Sicherheit identifizeren. Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Somit habe ich Wert und Sinn in dieser Aufgabe gesehen. Es ist sinnstiftend, Menschen mehr Sicherheit geben zu können. Insofern ist unsere Tätigkeit mehr als nur ein Job.  

Sie sprechen von einem Sicherheitsbedürfnis der Menschen. Ist Liechtenstein denn ein derart gefährliches Pflaster?
Man muss hier sicherlich in der Wortwahl differenzierter vorgehen: Bedürfnis und Bedarf ist nicht dasselbe. Bedürfnis heisst, dass jeder sicher sein möchte. Die Frage, die sich stellt, ist, ob jemand auch Geld dafür ausgeben möchte. Im weltweiten Vergleich sind wir bestimmt eines der sichersten Länder. Einen gewissen Anteil daran haben aber auch private Sicherheitsanbieter. Mit unserer privat finanzierten Präsenz leisten wir gerade im Bereich Einbruchskriminalität präventive Arbeit. 

Wer zählt zu Ihren Kunden?
Sowohl Privat- als auch Geschäftskunden. Wir bewachen nicht nur grosse Villen und Fabrikshallen, sondern eine breite Palette an verschiedenen Unternehmen und Privatkunden. Leider herrscht immer noch etwas das Vorurteil vor, dass das Thema Sicherheit nur eine «Upper Class» betrifft. Das stimmt so längst nicht mehr. Technische Sicherheitsprodukte wurden in der jüngsten Vergangenheit wesentlich günstiger: Sicherheit ist somit für jedermann leistbar. 

Welche Dienstleistungen bieten Sie an?
Wir haben zwei Standbeine: Bewachung und Alarmzentrale. Den Bereich Bewachung kennt in Liechtenstein mittlerweile fast jeder und die meisten haben sie im Alltag auch schon wahrgenommen: Rundgänge, die der Bewachungsdienst unternimmt, Areale und Veranstaltungen, die gesichert werden. Daneben gibt es aber eben auch die enorm wichtige Alarmzentrale, die im Zuge der Digitalisierung immer stärker an Bedeutung dazugewinnt. Wir bieten heutzutage in ganz Europa unsere Dienstleistungen an: Sei es im Bereich der Alarmüberwachung, wie beispielsweise bei Einbrüchen, Überfällen oder anderen Störungen, aber auch insbesondere bei Kältefernüberwachungen. Wir zählen mittlerweile zu den führenden Überwachern von Kühlmöbeln. Hier warten wir nicht nur auf eine Störungsmeldung, sondern gehen aktiv ins Remote-Management. 

Was bedeutet dieser Begriff?
Die Anlagen werden sozusagen fernbewirtschaftet. Das sind digitale Services, die schon seit acht Jahren stark etabliert sind. 

Inwiefern arbeiten Sie mit der Landespolizei zusammen?
Die Frage wird oft gestellt. Die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniert gut. Das liegt daran, dass man sich gegenseitig Wertschätzung zeigt, aber die Kompetenzen auch ganz klar geregelt sind. Unser Wirkungskreis endet grundsätzlich dort, wo die Polizei ins Spiel kommt, aufgrund einer Gefahr, die im Verzug ist, eines Verbrechens oder Unfalls. Unser Auftrag lautet, durch Präsenz, sowohl im technischen als auch physischen Sinn, für die Prävention einzustehen. 

Welche Rechte hat denn nun ein Sicherheitsdienst-Mitarbeiter? Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Mitarbeiter erwischt einen Einbrecher in flagranti. Was geschieht?
Grundsätzlich kann man schon sagen, dass die Uniform häufig darüber hinwegtäuscht, dass unser Recht als privater Dienstleister dem entspricht, das jede andere Privatperson auch besitzt. Unsere Einsatzfahrzeuge dürfen nicht schneller fahren als andere, unser Wachmann darf somit auch nicht anders eingreifen als jeder andere. Bei der unmittelbaren Beobachtung eines Einbruchs könnte also ein Argus-Mitarbeiter den Einbrecher festsetzen. Wir besitzen in der Regel auch ein Hausrecht, das uns der Kunde zuspricht, und somit können wir beispielsweise Personen vom Grundstück verweisen. 

Hat denn ein Einbrecher nicht leichtes Spiel, wenn er die Überwachungszeiten über einen längeren Zeitraum studiert?
Wir wissen, dass professionelle Einbrecher über längere Zeit ein Einbruchsobjekt erkunden. Deshalb bauen wir natürlich Wechsel der Zeiten ein, die die Kalkulierbarkeit einschränken. Stark zunehmend sind jedoch die technischen Überwachungsmittel. Auch wenn wir im Augenblick eventuell nicht durch eine Sicherheitskraft präsent sind, wird sichergestellt, dass in- und ausserhalb des Gebäudes Überwachung vorhanden ist. Falls etwas Verdächtiges geschieht, bekommen wir unmittelbar eine Alarmmeldung und die Einsatzkräfte sind sofort vor Ort. Am Abend und  in der Nacht sind bis zu 25 Einheiten gleichzeitig unterwegs. Die technische Sicherheit nimmt immer mehr zu. Aber es braucht meiner Meinung nach auch in Zukunft das Zusammenspiel von Mensch und Technik. Der Mensch mit seinen Sinnen bleibt unverzichtbar.   

In Liechtenstein gibt es drei etablierte Sicherheitsunternehmen. Ist die Konkurrenz in unserem Land nicht längst zu gross und das Wachstumspotenzial somit eingeschränkt? 
Wir stellen fest, dass die Spezialisierung dieser Unternehmen zunimmt. Aktuell kann man schon von einem gesunden Markt sprechen. Ja, es ist ein Mitbewerb vorhanden, aber jeder sucht sich seine Nische und versucht, sie auszubauen. Vor allem technische Lösungen werden immer gefragter, weshalb wir stark in die Weiterentwicklung unserer Alarmzentrale investieren. 

Wie halten Sie sich «up to date»?
Wir haben enorm viel Technologie im Einsatz. Gerade die Alarmzentrale bedeutet eine Vielfalt an Systemen, die verwendet werden. Gemeinsam mit einem Provider-Partner betreiben wir ein eigenes Rechenzentrum. Die technologische  Strategieplanung treibt uns alltäglich an. Ohne Weiterbildung und Offenheit für neue Entwicklungen könnten wir langfristig nicht erfolgreich sein. 

Werden in Liechtenstein bald schon «Pre-Crime»-Technologien eingesetzt?
Prävention ist unsere Mission. Wir möchten vorbeugen und nicht heilen. «Pre-Crime» ist nicht Zukunft, sondern Realität. Ich denke an Videointelligenz und -software, die den Alarm präventiv auslöst, nicht erst, wenn es zu spät ist. Solche Szenarien erleben wir tagtäglich. Die Tendenz geht weiter in diese Richtung, wird gefördert und ist auch Teil unserer Strategie. 

Sie verdienen Ihr Geld mit der Angst in der Bevölkerung. Wäre eine angstfreie Gesellschaft aus Ihrer Sicht überhaupt wünschenswert?
Bei uns geht es nicht um Angst. Angst ist generell ein schlechter Ratgeber. Ich ziehe gerne den Vergleich mit einer Bergbesteigung heran: Der eine fürchtet sich schon beim Blick auf den Gipfel, der andere blickt vom Gipfel herunter und freut sich. Das Sicherheitsgefühl ist ein ungemein individuelles Gut. 

Wie wird sich Argus in Zukunft weiterentwickeln?
Wir investieren mehr als 80 Prozent unseres Budgets in den IT-Bereich: eigene Software-Lösungen, neue Server-Landschaften. Wer hinter die Kulissen unseres Unternehmens blickt, stellt fest, dass wir ein bereits stark technologielastiges Unternehmen sind. Das ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil. Auf der anderen Ebene wird aber auch der Mensch ein fester Bestandteil der Arbeit bleiben. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik ist unsere Zukunft. Wir sehen die Technik nicht als Bedrohung, sondern als Chance,­ und müssen uns um die richtige Balance bemühen. (rpm)

17. Mai 2019 / 19:39
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