• Fasnachtszeitungen 2020
    Vier Fasnachtszeitungen sorgen dieses Jahr für gute Laune während der fünften Jahreszeit. An den Vaduzer «Residenzler» erinnert (fürs Erste) nur eine Todesanzeige.  (Daniel Schwendener)

Wenn «Narren» die Nachrichten machen

Die diesjährigen Fasnachtszeitungen des Landes setzen sich mit der Politik, Entwicklungshilfe und persönlichen Fauxpas auseinander.

Dass fast alle «Wandervögel» des Alpenvereins im vergangenen Jahr den Weg zur Generalversammlung auf der Pfälzerhütte mit dem Auto angetreten sind, erfährt man nicht aus den Tageszeitungen. Genauso wenig stellt dort eine Thai-Masseurin aus Triesenberg klar, dass sie kein Bordell betreibt. Für solche Exklusivmeldungen sind die Fasnachtszeitungen des Landes zuständig. Zwar arbeiten ihre Redaktionen nicht aktuell, dafür tauchen sie aber umso tiefer ins Dorfgeschehen ein. Zusätzlich ist es ihnen vorbehalten, die unterhaltsamsten Fehler der «seriösen» Medien rauszusuchen.

Auf insgesamt 100 Seiten blicken die vier Fasnachtszeitungen auf jene Themen zurück, welche die Einwohner im vergangenen Jahr beschäftigt haben. Dazu gehören unter anderem das «Casinoland Liechtenstein», die Werbung auf den Liemobil-Bussen und die geplante Rasenheizung im Rheinpark Stadion, welche das Aufwärmen der Vaduzer Fussballer obsolet mache – so die Karika­tur des «Muurer Räbahobels». 

«Vogelkacke» habe Kaiser zurück zur FBP geführt

Bei den politischen Themen wird das Misstrauensvotum der ehemaligen Regierungsrätin Aurelia Frick von allen Fasnachtszeitungen aufgegriffen. Die Neinstimme des Landtagsabgeordneten Herbert Elkuch wird im «Räbahobel» als «Retourkutsche» dafür interpretiert, dass sie ihm nicht die ­Adresse ihrer Stylistin geben wollte. Der «Wildmandli» katapultiert Frick zum Mond, während der «Wingertesel» sie mit einem Gedicht verabschiedet. In diesem erinnert der Herausgeber FC Schaan an die «kecke» Aufforderung von Regierungschef Adrian Hasler, dass die ehemalige Regierungsrätin die Hosen runterlassen müsse. «Geschichten rund ums Hosenbein, traurig derbes Liechtenstein! Leider nicht zum Lachen! Berichten drum von andren Sachen», lauten die folgenden Zeilen. Ebenso Thema war die Rückkehr des «verlorenen Sohnes» Johannes Kaisers zur FBP. Wie es überhaupt erst zur Ver­söhnung gekommen ist, weiss der «Räbahobel». Ihm zufolge hätten die Fäkalien einer «Friedenstaube» den «Abtrünnigen» dazu bewegt, im Regierungsgebäude auf die Knie zu gehen. Das Fazit der Geschichte: «A ganzes Volk schtaunt, weli Kraft din schteckt i somna Vogelsaft.» Laut Recherchen des Triesner «Moschtbölli» prüfe die FBP nun, ob sie den Namen «Black Friday» für weitere «Politik-Rochaden» schützen kann.

Vier Casinos hat das Land, über mindestens drei weitere wird diskutiert. Der «Räba­hobel» formuliert den Staatsfeiertags-Schriftzug unter dem Schloss deshalb um: «Für Gott, Fürst und Casinoland». Eine Spielhalle soll beim Bauprojekt «Riitgeishütta» auf Kulm für den fehlenden Businessplan herhalten, empfiehlt der «Wildmandli». Genauso könne damit ein Scheitern des geplanten Landesspitals kompensiert werden – als Vorbild wird die ehemalige Medicnova in Bendern genannt.

Probleme am Flughafen und feuchtfröhliche Nächte

Wer für «Ausrutscher» und einzigartige Geschichten berüchtigt ist, blättert die Seiten an­gespannt durch. Was die Nacherzählungen der persönlichen Eskapaden über die Einwohner Liechtensteins verrät: Manche haben Schwierigkeiten mit Verkehrsmittel, die es hierzulande nicht gibt. Sowohl im «Wildmandli» als auch im «Räbahobel» werden Vorfälle erwähnt, in denen der Flug verpasst wurde. Demzufolge habe sich FBP-Fraktionssprecher Daniel Oehry «schwarz geärgert», dass er beim Antrag für sein US-Visum die Nummer seines alten Pas­ses eingetragen habe. 

Einige Themenvorschläge sind während Feiern entstanden, bei denen der eine oder die andere zu tief ins Glas geschaut hat. Niemals vergessen wird «Kevin» seine Reise mit dem Liemobil nach einer durchzechten Nacht. Auf dem Weg von Triesenberg nach Triesen ist er dreimal in verschiedenen Bussen eingeschlafen. Es gibt aber auch andere Geschichten, die für ein Schmunzeln sorgten: Ohne mit der Wimper zu zucken, habe ein Polizist die E-Mail seiner Frau als Spam identifiziert und gelöscht.

Schaan möchte bis 2023 das Land übernehmen

Schon im Vorjahr informierte der «Wingertesel» über das Projekt «Gross-Schaan 2023». Dessen Ziel lautet, die Mehrheit in der Vorsteherkonferenz zu erhalten. Der jüngste Zwischenbericht stimmt mit «Häuptlingen» in Schaan, Vaduz, Eschen und «irgendwie auch» Planken zuversichtlich. Für die restlichen Gemeinden werden weitere Schaaner gesucht, die freiwillig «Entwicklungshilfe» leisten. «Ein einmaliger Misserfolg in Schaan spricht dabei nicht gegen eine grosse Karriere», woran die Karriere des Bürgermeisters erinnere. Im Unterland greife Leander Marxer aus Mauren den Eschnern unter die Arme. Eine Zeichnung im «Räba­hobel» zeigt ihn im «Maronihüsli». Neben ihm steht Vorsteher Freddy Kaiser und sagt: «Irgend epert muas ja schliesslich Kultur uf Escha bringa.» 

Eine solche Hilfe benötigt der «Moschtbölli» für seine Umsetzung der «Vision Tresa 2040» nicht. Zusätzlich zum im Vorjahr angekündigten ­Disneyland wurde dieses ­Konzept – passend zur Eröffnung des Casinos – um «Las Tresas» und ein Windrad erweitert. Auch zwei Vorschläge für das neue Hallenbad wurden veröffentlicht: Entweder komme eine Wiederbelebung des «Bad Vogelsang» als Therme oder ein «Freibad Spoerry-Weiher» mit Rutschen sowie 10-Meter-Turm in Frage. Wenn mit dem «Schmotzigen Donnerstag» die Schlussphase der fünften Jahreszeit eingeläutet wird, sollte es angesichts der Fasnachtszeitungen an Gesprächsstoff nicht mangeln.  (gk)

18. Feb 2020 / 22:16
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