• Philatelisten Treff Schaan
    Dem Liechtensteiner Philatelisten-Verband droht die Auflösung.  (Daniel Ospelt)

Philatelisten-Verband vor dem Aus

Der Liechtensteiner Philatelisten-Verband (LPHV) hält am 12. März seine 85. ordentliche Generalversammlung ab. Es könnte seine letzte sein.
Vaduz. 

Gut 120 Mitglieder zählt der 1934 gegründete Liechtensteiner Philatelisten-Verband. Daraus, möchte man meinen, müsste sich doch ein dreiköpfiger Vorstand rekrutieren lassen. Doch dem ist nicht so, wie Peter Marxer weiss. Ganz und gar nicht. Seit vielen Monaten ist bekannt, dass der Präsident und seine beiden Vorstandskollegen Rosmarie Oehri (Kassierin und Aktuarin) und Hans-Peter Rheinberger (Vizepräsident) ihre Ämter niederlegen werden. «Wir haben vor 15 Jahren zusammen angefangen und hören nun auch zusammen auf», sagt Marxer. Eigentlich, schiebt er nach, hätten sie diesen Schritt bereits vor fünf Jahren machen wollen. «Als ich und Rosmarie 70 Jahre alt waren». Allerdings war ihre Suche nach Nachfolgern schon damals erfolglos verlaufen. Weshalb die drei letztlich beschlossen, ihre Tätigkeit fortzusetzen.

Ein weiteres Mal wird das nicht geschehen. Der Schlussstrich wird kommen, definitiv. Die Mitglieder wissen das. Und sie wissen auch, dass der Verband ohne neuen Vorstand seinem Ende entgegenblickt. Darauf hat Marxer zur Genüge hingewiesen. Und trotzdem: Bis auf einen möglichen Präsidentenkandidaten aus Vorarlberg sind keine Personen in Sicht, welche die bevorstehende Vakanz ausfüllen könnten.

Nur 20 Prozent der Mitglieder unter 70 Jahre
Die Erklärung hierfür liegt für Peter Marxer auf der Hand. Einerseits bedinge das Ausfüllen eines Vorstandsamts eine Begeisterung, die über das Normalmass hinausgehe. Ein Kriterium, das längst nicht jeder Sammler erfülle. «Wir haben einige Mitglieder, die brav ihre Beiträge zahlen, aber ich habe sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Sie sind an der Sache einfach nicht genügend interessiert.»

Andererseits sind die Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung auch ein Ausdruck des hohen Durchschnittsalters im Verband. Höchstens 20 Prozent der Mitglieder, von denen früher bereits einige Vorstandsaufgaben wahrgenommen haben, sind unter 70 Jahre alt, schätzt Marxer. «Viele befinden sich in einer Lebensphase, in der man keinen Posten annimmt, sondern ihn allenfalls abgibt.» Ausserdem seien EDV-Kenntnisse als Präsident oder Aktuar heutzutage unabdingbar, betont er. «Doch nicht alle älteren Menschen wissen, wie sie einen Computer bedienen müssen.»

Eine Blutauffrischung täte also Not. Aber wie soll das gehen? Der Rahmen, in den diese Aufgabe eingebettet ist, könnte herausfordernder kaum sein. Die Vereine, sagt Marxer, hätten je länger, je mehr einen schweren Stand – «jedenfalls, wenn es sich dabei nicht um einen Fussballclub oder den Musikverein handelt». Spätestens mit 14 Jahren sprängen die meisten ab, weil ihnen schlicht die Zeit fehle. Was nicht zuletzt mit der Vielfalt an Aktivitäten zusammenhänge, aus denen Jugendliche bei der Freizeitgestaltung mittlerweile wählen könnten.

«Das Thema spricht die Menschen nicht mehr an»
Marxer weiss aber auch, dass die Philatelie beim ganz grossen Teil der Bevölkerung nicht unbedingt den Ruf eines aufregenden, kurzweiligen Hobbys geniesst. Erst recht, seit Briefmarken im Zeitalter der Digitalisierung immer mehr aus dem Alltag verschwunden sind. «Das Thema spricht die Menschen nicht mehr an.» Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Faszination erst dann so richtig eröffnet, wenn die Marken nicht mehr als einzelne ästhetisch-bunte Bildchen gesehen werden, sondern die durchaus komplexe Systematik dahinter verstanden ist. «Das zu vermitteln», sagt Marxer, «ist nicht einfach und braucht eine gewisse Zeit.»

An eine Trendwende, das ist beim abtretenden Präsidenten herauszuhören, glaubt er nicht mehr wirklich. Der letzte Jugend-Kurs des LPHV liegt fünf Jahre zurück. «Die Jungen kaufen Panini-Bildchen, Briefmarken sammeln sie nicht. Selbst wenn man sie ihnen schenkt.» Für den Philatelisten-Verband sind das keine guten Aussichten. Die Luft wird dünner und dünner. Selbst wenn an der Generalversammlung am 12. März oder in den Wochen danach doch noch eine Vereinsspitze finden lassen sollte.

Ausserordentliche GV am 30. April
So richtig vorstellen kann sich Peter Marxer indes auch das nicht. Er glaube, dass am kommenden Dienstag kein Vorstand gewählt werden könne, allenfalls ein Präsident, sagt er. Aber selbst das werde schwierig. Als letzte Chance bleibt dann noch die ausserordentliche Generalversammlung, die Marxer vorsorglich bereits auf den 30. April angesetzt hat. «Bleiben die Ämter auch dann vakant, werden wir den Verband auflösen.» (bo)

07. Mär 2019 / 17:41
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