• Landesspital Vaduz
    22 Verdachtsfälle von Corona sind im Landesspital bislang aufgetreten.  (Daniel Ospelt)

Verdachtsfälle negativ getestet

Die Zahl der bestätigten Corona-Virus-Fälle in der Schweiz hat sich auf mindestens neun erhöht. Erste Verdachtsfälle gibt es nun auch in Liechtenstein. Das Landesspital in Vaduz hat gestern drei Personen auf den Virus getestet. Nach einer Laboruntersuchung konnte der Erreger bei zwei Patienten allerdings nicht nachgewiesen werden. Sie konnten entlassen werden. Weil das Laborergebnis für den dritten Verdachtsfall noch aussteht, muss der Patient mindestens bis zum Vorliegen des Ergebnisses im Landesspital in Isolation bleiben.
Vaduz. 

Die drei Personen kamen gerade aus Italien zurück und haben sich nach ihren Ferien ins Landesspital begeben, weil sie grippeähnliche Symptome aufwiesen, wie Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini auf Anfrage erklärte. Da sich die dritte Person erst am Nachmittag ins Spital begab, konnten die Proben bis Redaktionsschluss am Abend noch nicht ausgewertet wer­den. Pedrazzini erwartet, dass die Resultate des Labors bis zu den frühen Morgenstunden zur Verfügung stehen. Das zuständige Labor Risch fahre die Kapazitäten hoch und erhöhe auch die Geschwindigkeit. Das Landesspital hat bereits Massnahmen getroffen, um womöglich Infizierte bereits am Eingang abzufangen. Ein Zelt wurde aufgebaut. Mitarbeiter mit der nötigen Schutzausrüstung nehmen die Patienten laut Pedrazzini in Empfang und isolieren jene sofort in einem eigenen Raum. Ein Rachenabstrich, der ins Labor geschickt wird, soll Aufschluss darüber geben, ob sich der Patient mit dem Coronavirus angesteckt hat oder lediglich an einer Grippe erkrankt ist.

Gesundheitsminister Pedrazzini warnte, das sich Personen, welche sich in den Risikogebieten aufgehalten haben und Symptome zeigen, nicht auf eigene Faust ins Landesspital begeben, sondern zuerst im Krankenhaus anrufen sollen. Das sei sehr wichtig, um zu verhindern, dass ungeschützte Mitarbeiter oder Patienten möglicherweise infiziert werden. Pedrazzini konnte keine Auskunft darüber geben, wie hoch die Kapazitäten im Landesspital sind, um Patienten zu isolieren. Nur Patienten, die den Erreger tatsächlich in sich tragen, werden laut Pedrazzini im Spital isoliert. Wenn die Kapa­zitäten nicht ausreichen sollten, müssten Alternativen gesucht werden. Personen mit «nur» nachweislichem Kontakt zu Erkrankten ohne Symptome werden zu Hause 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt. Sie sollen das Haus nicht verlassen – weder um einzukaufen noch um ins Büro zu gehen. (dal)

 

Auch wenn es nun die ersten Verdachtsfälle in Liechtenstein gibt, setzt die Regierung weiterhin auf eine Strategie der Eingrenzung und auf Hygienemassnahmen.

Ende der Schulferien: Keine Sondermassnahmen

An diesem Wochenende gehen die Schulferien in Liechtenstein zu Ende. Das Amt für Gesundheit hat ein leicht verständliches Merkblatt für die Schulen erstellt, welches den Kindern mit nach Hause gegeben wird. Derzeit werden weder Schulschliessungen verfügt noch werden Kinder, welche aus Risikogebieten zurückkehren und keine Symptome aufweisen, vom Unterricht ausgeschlos­sen. Kinder und Erwachsene, welche aus Risikogebieten zurückkehren, gelten nur dann als Verdachtsfälle, wenn sie Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen.

Vorläufige Strategie der Regierung

Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern oder gegebenenfalls möglichst zu verlangsamen, wird eine Strategie der Eingrenzung umgesetzt. Das heisst, dass alle Infektionen entdeckt und nachverfolgt werden sollen. Infizierte werden im Landesspital isoliert und Kontaktpersonen werden zu Hause in Quarantäne geschickt. Sollte sich das Virus zu schnell verbreiten, geraten die Kapazitäten an die Grenzen und diese Strategie kann nicht mehr fortgesetzt werden. Das Gesundheitswesen muss sich dann auf die schweren Fälle konzentrieren. Die meisten Erkrankungen verlaufen bekanntlich mild, benötigen keinen Spitalaufenthalt aus medizinischen Gründen und heilen von selbst ab. Wann die Kapazitätsgrenze erreicht wird, welche zu einem Strategiewechsel zwingt, kann nicht mit Bestimmtheit festgelegt werden, das hängt vor allem von der Geschwindigkeit der Ausbreitung ab.

Hygieneempfehlungen beachten

Äusserst wichtig zur Verhinderung der Ausbreitung sind gute Hygienemassnahmen, welche diszipliniert umgesetzt werden müssen. Eine Übertragung des Virus erfolgt durch Tröpfcheninfektion (also beim Husten oder Niesen) und dies bei einem sogenannten «engen Kontakt». Bei diesem Virus gilt als enger Kontakt ein Abstand von weniger als 2 Metern während einer Dauer von mehr als 15 Minuten. Die Übertragung geschieht, wie bei einem Grippevirus, sehr häufig über die Hände. Daher sollte auf eine gute Handhygiene geachtet werden, welche ausreichend durch gutes Waschen mit Seife sichergestellt ist. Dennoch sollte als Vorsichtsmassnahme vorläufig auf Händeschütteln verzichtet werden und auch Berührungen des Gesichts sollten möglichst vermieden werden.

Landesspital ist keine Abgabestelle

Desinfektionsmittel und Masken im freien Verkauf sind knapp beziehungsweise nicht mehr erhältlich. Daher wenden sich immer wieder Personen an das Landesspital mit dem Wunsch, dort Material zu bekommen. Das Material im Landesspital ist für die Patienten und das eingesetzte Personal im Spital vorgesehen. Es findet keine Abgabe an Private statt. (ikr)

 

Was ist ein Verdachtsfall?

Mindestens eines der folgenden Kriterien innerhalb der letzten 14 Tage vor Symptombeginn:

• Reise oder Aufenthalt in betroffenem Gebiet oder

• enger Kontakt zu einem laborbestätigten Fall

Und folgende Symptome:

• Symptome einer akuten Erkrankung der Atemwege (z. B. Husten, Atemnot)

• Fieber von mindestens 38 °C

Was ist bei einem Verdachtsfall zu tun?

Bleiben Sie zu Hause. Gehen Sie nicht mehr in die Öffentlichkeit. Kontaktieren Sie umgehend das Landesspital. Sagen Sie, dass Sie kürzlich in einem vom neuen Coronavirus betroffenen Gebiet waren und Beschwerden haben. Telefonnummer Landesspital: +423 235 45 32. (ikr)

27. Feb 2020 / 22:40
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