• Eine Baumrinde mit deutlichen Spuren von Borkenkäferbefall.

Trockenstress hält noch immer an

Die Borkenkäfer-Population in Liechtensteins Wäldern dürfte 2020 auf einem hohen Niveau verbleiben. Viele Bäume sind geschwächt.

Das Jahr 2020 hielt für die Liechtensteiner Wälder bis dato stürmische Zeiten bereit. Zu stürmische, wie sich an manchen Stellen zeigt, wo Streuschäden die Szenerie bestimmen und die Wucht erahnen lassen, mit welcher die Naturgewalten in den in den zurückliegenden Monaten bisweilen auf die Bäume einwirkten. Insgesamt, sagt Daniel Oertig vom Amt für Umwelt, rechne man mit Schadholzmenge von circa 1600 Kubikmetern.

Schadholz bis im Frühsommer aufarbeiten
Gerade vor Ort mag sich der Eindruck extremer Schädigungen manifestieren. Doch in Summe ist der Wald in Liechtenstein «glimpflich davongekommen», wie Oertig sagt. Was freilich nicht bedeutet, dass die Sturmschäden keine problematischen Effekte haben können. Neben einer Minderung der Schutzwaldfunktion bestehen diese zuvorderst in einem erhöhten Risiko für wachsende Borkenkäfer-Populationen. Denn Sturmholz oder geschwächte Bäume sind für den Schädling besonders «leichte Beute».
Entsprechend sind Massnahmen angezeigt, dieses Risiko bestmöglich zu minimieren. Will heissen: Es bedarf einer «Aufarbeitung der Fichtenstreuschäden in allen Höhenlagen», so Oertig. Allerdings, ergänzt der Amtsmitarbeiter, sei man diesbezüglich derzeit nicht unter Zeitdruck. «Ziel ist es, dass das Schadholz im Frühsommer geräumt oder so bearbeitet ist, dass es nicht als Brutmaterial für den Borkenkäfer zur Verfügung steht.»

Dass das gelingen wird, steht für Oertig ausser Frage. «Die Forstdienste und Forstunternehmer sind in der Schadholzaufbearbeitung ein eingespieltes Team», betont er. Stärker ins Gewicht fallen dürften bezüglich des Borkenkäfer-Aufkkommens ohnehin die ausgedehnten Trocken- und Wärmeperioden der jüngeren Vergangenheit, die der Wald noch immer nicht verdaut hat. «Nachdem 2018 und 2019 markant zu trocken ausfielen und überdurchschnittlich hohe Temperaturen zu verzeichnen waren, leiden viele Bäume unter Trockenstress», so Oertig. Das beeinträchtige die Widerstandsfähigkeit des Waldes. Auch der Start ins neue Jahr verlief mit einem Winter mit Temperaturen von 3 °C über dem langjährigen Durchschnitt wieder alles andere als wunschgemäss. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Witterungen zuletzt wieder etwas kühler waren.

Die Lage ist ernst, Aktionismus aber verfehlt
Vor diesem Hintergrund rechnet der Experte für das Jahr 2020 mit einer Buchdruckerpopulation, die «auf hohem Niveau» verbleiben wird. Gerade die Fichten unterlägen unverändert starkem Stress. Es müsse daher insbesondere in Regionen mit jetzt schon hohen Befallsraten mit einem neuerlich grossen Anfall an Käferholz gerechnet werden. «Die Lage ist ernst.»
Trotzdem ist Oertig guter Hoffnung. Aktionismus, sagt der Amtsmitarbeiter, sei definititv fehl am Platz. «Sollte sich die Witterung im Jahr 2020 wieder einigermassen normalisieren, dürfte der Höhepunkt der Massenvermehrung des Käfers erreicht sein.» Bedeutet im Klartext: «Ausreichend Niederschlag und nicht zu hohe Temperaturen.» Dessen ungeachtet sieht er konsequente waldbauliche Eingriffe als wirskames Instrument – und deshalb unverzichtbares – an. Es gehe darum, stabile Bestände zu haben, die während und nach einer Trockenperiode eine hohe Widerstandsfähigkeit aufweisen. Gerade auch gegenüber dem Borkenkäfer. (bo)

30. Mär 2020 / 20:11
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