«Seien Sie vorsichtig mit Ihren Daten»

Ein Jahr nachdem die DSGVO in Kraft getreten ist, lockte die vierte Ausgabe des Ligital-Events mit folgender Empfehlung in den Technopark Liechtenstein: «Lass Dich nicht vom Datenschutz eiskalt erwischen».

Als scherzhafte Betonung des Leitmotivs trug Gregor Meier, Geschäftsführer von Netpulse Liechtenstein, den ganzen Nachmittag lang eine schwarze Datenschutzbrille – das Tochterunternehmen des Vaduzer Medienhauses führte die Veranstaltung zum ersten Mal durch. Obwohl das Thema inzwischen ausgelutscht sei, werde immer noch darüber gesprochen und habe keinesfalls an Bedeutung verloren.

Was die vier Referate der Veranstaltung miteinander verbindet, ist der Appell für ein Bewusstsein gewesen, welchen  öffentlichen Fussabdruck man im World Wide Web hinterlässt. «Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben», meinte IT-Experte Mark Semmler. Unter anderem hat er Richtlinien zu «Cyber-Security für KMU» und zur «Umsetzung der DSGVO» ausgearbeitet. Im gestrigen Workshop zeichnete er den Teilnehmern ein Informationssicherheitsmanagement für Unternehmen auf. Auf seine Frage hin, bei wem diese Aufgabe im Arbeitsvertrag festgehalten ist, hebten lediglich zwei Personen die Hand. Semmler applaudierte allen anderen: «Gratulation. Sie kümmern sich um etwas, ohne eine Ahnung oder die notwendigen Ressourcen zu haben.»

Fotostrecke: Ligital-Event in Vaduz
Ligital Event in Vaduz
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Für Behörden noch keinen Datenschutzbeauftragen

Michael Valersi, stellvertretende Leiter der Datenschutzstelle (DSS), betonte in seinem Referat, dass der Datenschutz jeden betreffe und man sich am besten schon hätte gestern damit auseinandersetzen sollen. «Jeder, der uns eine Frage stellt, bekommt eine Antwort», ergänzte er. Mit der DSGVO würden hauptsächlich die persönlichen Daten der Personen geschützt, unter anderem durch Informations- wie Rechenschaftspflichten. Die Unternehmen sollten dem Risiko seiner Meinung nach mit einem angemessenen Schutzniveau begegnen. Nicht jede IT-Lösung halte das, was ihr Marketing verspreche. «Nur weil X draufsteht, ist noch lange kein X drinnen», mahnte er zur Vorsicht.

Anschliessend stellte sich Valersi den Fragen von Daniel Bargetze, Geschäftsleiter des Vaduzer Medienhauses. Dabei erfuhren die Teilnehmer, dass der stellvertretende Leiter der Datenschutzstelle privat nicht alle Seiten einer Geschäftsbedingung durchliest. Allerdings werfe er durchaus einen Blick darauf, was er da akzeptiere. Viele Unternehmen hätten nach Inkrafttreten der DSGVO eine paradoxe Gewichtung vorgenommen, meint Valersi. «Als ob ein Newsletter das grösste Risiko darstellt», nannte er als Beispiel. Ein «anderes Thema» sei der Datenschutz bei der Landesverwaltung. Die Stelle für ihren Datenschutzbeauftragen war zwar ausgeschrieben, angetreten habe die Stelle gemäss Wissensstand der DSS aber  noch niemand. «Dann können sich die Unternehmen ja beruhigen, wenn nicht einmal der Staat so weit ist», schlussfolgerte Bargetze.

Datenschutzbeauftragte bilden neuen Verein

Relativ kurzfristig schaffte es Martina Glatthaar, Sekretärin des Datenschutzvereins in Liechtenstein (DSV), auf die Bühne. Ihr Name fehlte auf der Ausschreibung, denn der Zusammenschluss von Datenschutzbeauftragen wurde erst am 3. April gegründet. «Wir möchten wirklich alle Branchen abdecken», lautete ihr Anliegen. Die Idee für den Verein sei nach einem dreitägigen Kurs an der Universität Liechtenstein aufgekommen. «Wir hatten daraufhin keine Ahnung, wie wir in der Praxis mit dem Datenschutz umgehen sollten», erklärte Glatthaar. Deshalb möchte der DSV bei ihren Veranstaltungen den Schwerpunkt auf konkrete Fragen setzen, wie etwa den Umgang mit Fotos, auf denen Kunden abgebildet sind.

Erfahrungen aus der Praxis lieferte Siegfried Herzog, Compliance Officer und Datenschutzbeauftragter einer Anwaltskanzlei in Vaduz. «Bis diese Gedanken im Unternehmen gereift sind, dauerte es eine Weile», erinnerte er sich an die Anfänge der DSGVO zurück. Angesichts der vielen Vorgaben müsse ihm zufolge ein «vernünftiger Mittelweg» gefunden werden. «Es gibt nicht überall so eine nette Datenschutzstelle wie in Liechtenstein», so Herzog. Seine Empfehlung: Der Datenschutz sollte nicht nur eine Pflicht, sondern Bestandteil der Corporate Governance sein.

Bloss keine Androiden oder Smart-Dildos

Bei seinem zweiten Auftritt, dem Live Hacking, nahm Mark Semmler erneut kein Blatt vor dem Mund. Seine Ausführungen über Schadprogramme dürfte manchem Teilnehmer die Augen geöffnet haben, was für Gefahren einen eigentlich beim Surfen erwarten. Ein Cookie hier, ein Iframe da und dann noch ein Blick auf die E-Mails – schon habe «Mama Google» alle Daten über einen gesammelt. «Android hat im geschäftlichen Umfeld nichts zu suchen», lautete sein Urteil. Auf iPhones sehe die Situation jedoch nicht viel besser aus, wie Semmler den Teilnehmern anhand ihrer eigenen Endgeräte demonstrierte.

Auch das sogenannte Internet der Dinge habe seine Schwachstellen. Als anschauliches Beispiel zückte der IT-Experte einen Smart-Dildo, der mittels eingebauter  HD-Kamera und einer App «sehr persönliche Selfies» ermöglicht. Das Blöde ist nur, dass sich bei den ersten Produktionen des Geräts weder der Name des Access-Points noch das voreingestellte Passwort (acht Mal «8») ändern lässt. Dies betreffe auch den Admin-Zugang (vier mal «0»), sodass im Grunde genommen jeder darauf zugreifen könne. «Wenn Sie Glück haben, ist das Fernsehprogramm für den Abend erledigt», scherzte Mark Semmler.

Monty Metzger von LCX Liechtenstein, der letzte Referent, bot einen Einblick in die Blockchain-Technologie. Indem sie die Informationen auf mehrere Rechner verteilt und einem nur die tatsächlich benötigten Daten herausgebe, könnte sie Transparenz und Datensicherheit miteinander verknüpfen. Bevor Gregor Meier die Teilnehmer nach Hause schickte, fasste er noch einmal die Kernaussage des Nachmittags zusammen: «Seien Sie vorsichtig mit Ihren Daten.» (gk)

06. Jun 2019 / 23:00
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