• Im Mütterzentrum «müze» treffen sich Mamas für den Austausch. Denn jede Mutter macht eigene Erfahrungen.  (Manuela Schaedler)

Plötzlich Mama und alles ist anders

Kinderbetreuerin, Ehefrau, Hausfrau und Arbeitnehmerin: Mütter haben mehrere Hüte auf und es ist nicht immer einfach, allem gerecht zu werden. Trotzdem lieben sie es, Mama zu sein, würden sich aber manchmal mehr Unterstützung wünschen.

Die Geburt des eigenen Kindes ist etwas Aussergewöhnliches – für viele Eltern der schönste Moment im Leben. Doch das Ereignis bringt auch eine grosse Veränderung mit sich. Plötzlich ist man Mama und Papa – trägt Verantwortung für ein kleines Lebewesen und nichts ist mehr wie früher. Meistens ist die Umstellung für die Frau grösser, als für ihren Partner. Gerade zu Beginn ist sie die Hauptbezugsperson des Kindes und auch später ist sie oft die Hauptverantwortliche in der Kinderbetreuung. Neben der grossen Verantwortung kommen auch oft finanzielle Sorgen und Zukunftsängste hinzu.

Das «Vaterland» hat sich im Mütterzentrum, kurz «müze», in Schaan mit Müttern unterhalten und dabei mehr über ihre Herausforderungen, Wünsche und Familienmodelle erfahren. Das Resümee: Jede lebt ein anderes Familienmodell und die Kinderbetreuung wird unterschiedlich organisiert. Doch in einem sind sich alle einig: Gerade im ersten Lebensjahr sollte es der Mutter ermöglich werden, beim Kind zu sein. Sie wünschen sich auch eine grössere Wertschätzung gegenüber der Arbeit, die Mamas leisten.

Mütter möchten das erste Jahr beim Kind sein

Der Verlust der gewohnten Freiheit ist für die meisten frischgebackenen Mamas die grösste Umstellung. «Plötzlich ist man rund um die Uhr für ein Kind verantwortlich. Das stellt das ganze Leben auf den Kopf», sagt Isabel Marxer, Mutter von zwei Kindern. Auch die grosse Verantwortung, die Eltern haben, beeinflusst das Familienleben wesentlich. Schliesslich ist man dafür verantwortlich, dass sich das Kind gut entwickelt. Auch die anderen Mamas, die mit ihren Kindern im «müze» sind, bestätigen dies. Umso wichtiger ist es für sie, dass sie vom Vater gerade zu Beginn so gut wie möglich unterstützt werden. «Ein Vaterschaftsurlaub würde Sinn machen», ist Claudia Winkler, Mama von zwei Kindern überzeugt. 

Aber auch was den Mutterschaftsurlaub betrifft, gibt es für die Mütter Handlungsbedarf. 
«Es ist wichtig, dass die Mama im ersten Lebensjahr vorwiegend für das Kind da sein kann», ist Claudia Winkler überzeugt. Das sehen auch die anderen Mütter so und die Bedeutung der Entwicklung und der Mutterbindung im ersten Lebensjahr wird wissenschaftlich unterstrichen. 

Die Diskussion um die Kinderbetreuung im ersten Lebensjahr hat es mittlerweile auf das politische Parkett geschafft. Der Erbprinz setzt sich schon seit längerem dafür ein, dass die Mutter bis zum ersten Geburtstag beim Kind sein kann. Weiters gibt es immer wieder politische Vorstösse zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie beispielsweise die Initiative der Wirtschaftskammer im Jahr 2016. «Langsam geht etwas vorwärts», sagt Luzia Beck, Mutter von drei Kindern. Dabei sind sich die Mamas bewusst, dass es eine praktikable Lösung benötigt. Dass ein zweijähriger Mutterschaftsurlaub, wie es in Österreich der Fall ist, nicht möglich ist, können sie nachvollziehen. «Es braucht einen Mittelweg», sagt Luzia Beck. 

Mehr Wertschätzung gewünscht

In Liechtenstein werden sehr unterschiedliche Familienmodelle gelebt. Der Wunsch, dass alle gleich gefördert werden, ist gross und wurde schon mehrfach geäussert. Dies geht auch aus einer Umfrage heraus, deren Ergebnisse das Gesellschaftsministerium vor einem Jahr veröffentlichte. Vor allem Mütter, die nicht arbeiten gehen und zu hundert Prozent für die Kinderbetreuung zuständig sind, wünschen sich mehr Wertschätzung gegen über ihrer Arbeit. 

Das sehen übrigens auch Väter so. «Es muss ein Umdenken statt finden. Jeder Mutter sollte es ermöglicht werden, dass sie bei den Kindern bleiben kann, wenn sie das denn möchte», sagt Frederik Retuga, der mit seiner Frau Juliana und seiner kleinen Tochter zum Spielen ins «müze» gekommen ist. Denn nicht jede Mama hat diese Möglichkeit. Viele gehen auch aus finanziellen Gründen arbeiten. Das Leben in Liechtenstein sei nicht billig und nicht immer reicht ein Einkommen. «Für mich ist es ein Glücksfall, dass ich Zuhause bei den Kindern sein kann. Alle haben diese Möglichkeit nicht», sagt Luzia Beck.
Mehr Teilzeitjobs für Mütter und Väter ermöglichen

Es gibt auch jene Mütter, die nach dem Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten möchten . Ob im Teilzeitpensum oder auch voll berufstätig. Die meisten Mütter, die diesen Vormittag im «müze» sind, arbeiten Teilzeit. Der Job sei ein Ausgleich zur Arbeit zu Hause und in der Arbeitsstelle seien nicht dauernd die Kinder das Thema. «Heute ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Denn es ist nicht einfach, wieder einzusteigen», sagt Jasmin Matt, Mutter von zwei Kinder. Ihr Arbeitgeber sei ihr sehr entgegengekommen und habe ihr ein Teilzeitpensum ermöglicht. Doch nicht immer ist dies der Fall. «Da muss auch in der Wirtschaft ein Umdenken stattfinden», sind die Mütter überzeugt. Denn oft werde unterschätzt, wie wertvoll eine Mama für ein Unternehmen sein kann. Und ein weiteres grosses Thema: Auch Väter sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Part in der Kinderbetreuung zu übernehmen und ihr Arbeitspensum reduzieren zu können. 

Grundsätzlich sind sich die Mamas im «müze» sicher: Das perfekte Familienmodell gibt es nicht, da alle eine andere Vorstellung von Kinderbetreuung haben. Wichtig sei jedoch, dass die Eltern jenes Modell leben können, welches für sie passt. «Und das ist heute nicht immer möglich» so die Mamas. (manu)

 

08. Mär 2019 / 11:18
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