• SKIMUSEUM VADUZ
    Die Skisammlung von Noldi Beck ist einzigartig. Trotzdem war sie für eine liechtensteinische Lösung zu umfangreich.  (EDDY RISCH)

Nachlassfrage bei Sammler oft schwierig

Die Skisammlung von Noldi Beck bleibt weiterhin unter Verschluss, auch wenn sich eine Lösung abzeichnen könnte. Doch weshalb konnte nach dem Ableben des Sammlers keine liechtensteinische Lösung gefunden werden? Das «Vaterland» hat nachgefragt.

Die Ski- und Wintersportsammlung von Noldi Beck war weit über die Grenze hinaus bekannt. Der leidenschaftliche Sammler besass über 15 000 Objekte, die er oft per Handschlag bekommen hatte: Ob von Olympiasiegern, Skilegenden oder auch vom Skifahrer nebenan. «So eine umfassende Sammlung aus dem Ski- und Wintersport gibt es in Europa wohl keine zweite», sagt Thomas Büchel, Leiter vom Amt für Kultur. Ein Gutachten aus dem Jahr schätze den Wert der Sammlung auf 1,2 Millionen Franken. Doch zu beziffern, wie wertvoll die Sammlung wirklich ist, ist laut Büchel schwierig: «Hier überwiegt der ideelle Wert.» Denn wie es bei einer Sammlung oft der Fall ist, hat der Sammler einen persönlichen Bezug zu den Exponaten, er kennt die Geschichte hinter jedem Gegenstand und erzählt diese leidenschaftlich weiter. So auch Noldi Beck. Seine Erzählungen im Skimuseum in Vaduz sind legendär. Wie er zu den Objekten gekommen ist auch. Oft ging er persönlich auf die Skirennfahrer zu, pflegte Freundschaften mit ihnen und stellte ihre Errungenschaften aus. 

Der Staat förderte die Sammlung grosszügig
Der Staat erkannte den Wert der umfangreichen Sammlung und hatte Noldi Beck bereits anfangs 90er-Jahre ideell und finanziell unterstützt. «Noldi Beck und seine Skisammlung hat uns oft beschäftigt. Er war wirklich ein aussergewöhnlicher Sammler», so Büchel. 2001 konnte Beck das Skimuseum neben der Spörryhalle in Vaduz eröffnen. Nach einer Gesetzesänderung war ab 2008 die Kulturstiftung für Fördergelder zuständig. Die ersten zwei Jahre flossen je 240 000 Franken in das Skimuseum, wie aus dem Jahresbericht der Stiftung ersichtlich ist. Auch 2010 war der Betrag mit 210 000 Franken hoch. 
Der Grund für die grosszügigen Fördergelder: Noldi Beck soll Hilfe für die Inventarisierung der umfangreichen Sammlung bekommen. «Es waren auch Ansätze da, ein Inventar zu erstellen. Doch dann ging es nicht weiter», sagt Elisabeth Stöckl, Geschäftsleiterin der Kulturstiftung auf Anfrage. So wurden die Gelder schliesslich um 100 000 Franken gekürzt. Wo genau die Probleme lagen, kommt aus der Beantwortung der Fragen nicht heraus. Aber wie Thomas Büchel sagt, wäre es eine Mammutaufgabe gewesen, die Sammlung zu dokumentieren.

Ein Sammler hat alles im Kopf
Eine vollständige Inventarisierung der Sammlung fehlt also. «Für ein Museum ist dies jedoch existentiell», sagt Thomas Büchel, der aber auch weiss, dass dies bei so einer umfangreichen Sammlung nicht einfach ist. «Was Noldi Beck auf die Beine gestellt hatte, verdient grossen Respekt. Die Sammlung war seine Lebensaufgabe und er hatte es auch nicht immer einfach.» Trotzdem habe er sich durchgebissen, das Museum lebte durch ihn und seine Erzählungen.
So lange Noldi Beck lebte, konnte dieser Missstand mit seinem Wissen kompensiert werden. Er hatte auch im Kopf, wem welcher Gegenstand gehört, was ein Geschenk und was eine Leihgabe war. «Das ist ein Problem bei vielen Sammlern», so Büchel. Und gerade bei Becks Sammlung führte dieser Umstand auch nach dem Verkauf zu Problemen.

«Wird alles verstaatlicht, geht die Vielfalt verloren»
Nach dem plötzlichen Tod von Noldi Beck im Jahr 2014 stand ein grosses Fragezeichen hinter dem Skimuseum und der Sammlung. Es gab keinen Nachfolger oder starken Partner, der das Museum hätte übernehmen können. «Das wäre ideal gewesen», so Büchel. 
Das Thema Nachlass sei bei Sammlern generell ein schwieriges Thema. «Und der Staat kann nicht jede private Sammlung übernehmen. Das würde den Rahmen sprengen.» Liechtenstein lebe von der Vielfalt, die es auch dank privater Initiativen gibt. «Wird alles verstaatlicht, würde diese Vielfalt verloren gehen.»

Kulturstiftung bemühte sich um eine Lösung
Trotzdem wollte das Land Liechtenstein den Hinterlassenen von Noldi Beck Hand bieten. «Die Kulturstiftung war darum bemüht, dass die Sammlung bzw. ein für das Land bedeutsamer Kernbestand in Liechtenstein bleibt», so Elisabeth Stöckler. Doch die Voraussetzung war, dass die geforderte Inventarisierung vorgenommen wird. «So hat sich die Kulturstiftung gegenüber den Erben und deren Rechtsvertretern für eine aktuelle Einschätzung von Experten über die Sammlung eingesetzt, damit der Staat in Folge eine seriöse Grundlage für eine Entscheidung über einen Ankauf gehabt hätte.» Dazu seien verschiedene Fachleute kontaktiert und der Familie Beck empfohlen worden. «Es bestand bei der Familie kein Interesse an einem solchen Weg. Deshalb war dann die Kulturstiftung, die ohnehin keine finanziellen Ressourcen für einen Ankauf hatte, nicht mehr weiter Ansprechpartner für die Familie Beck», so die Stellungnahme der Kulturstiftung. 
Aber auch wenn eine professionelle Katalogisierung statt gefunden hätte, wäre es fraglich gewesen, ob das Land die komplette Sammlung gekauft hätte. Wie Thomas Büchel sagt, wäre dies über den Leistungsauftrag des Staats hinausgegangen. Der Staat hätte vielleicht nur jene Objekte übernehmen können, welche einen direkten Liechtensteinbezug haben. Aber die Noldi-Beck-Sammlung hatte Objekte aus aller Welt. «Und es wäre bestimmt auch nicht im Sinne des Sammlers Noldi Beck gewesen, die Sammlung auseinanderzureissen.» Schliesslich wurde die Sammlung komplett nach Kitzbühel verkauft. Unstimmigkeiten dort haben jedoch dazu geführt, dass die Sammlung in einer Lagerhalle verschwunden ist. 
Grundsätzlich ist für Thomas Büchel auch nicht alleine bedeutend, wo die Sammlung ist. «Aber sie sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Alles andere ist einfach schade. (manu)
 

09. Feb 2019 / 10:00
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