• Liechtensteiner Landtag in Vaduz
    Der Landtag entscheidet heute über einen Kredit zur Sanierung des «Chemiwegs».  (Daniel Schwendener)

LGU empfiehlt, Alp Garsälli aufzugeben

Der Landtag entscheidet heute über einen Kredit über 220 000 Franken für die Sanierung des «Chemiwegs». Die LGU empfiehlt den Abgeordneten eine Ablehnung.
Triesenberg. 

Um die Triesenberger Alp Garsälli mit Vieh zu bestossen, ist der Gang über den «Chemiweg» unabdingbar. Im August 2018 wurde der Weg durch ein Sommergewitter zerstört. Der Alpabtrieb konnte nur dank einer provisorischen Instandsetzung durchgeführt werden. Schon damals war aber klar, dass umfassende Sanierungsarbeiten nötig werden.
Da diese im ordentlichen Planungsprozess für das laufende Jahr nicht mehr berücksichtigt werden konnten, stellt die Regierung einen Antrag für einen Nachtragskredit in der Höhe von 
220 000 Franken. Stimmt der Landtag zu, dann kann die Alp auch in diesem Sommer mit etwas Verzögerung bestossen werden.


Seit mehr als 600 Jahren alpwirtschaftlich genutzt
Das Gärsälli wird als Kulturlandschaft seit mehr als 600 Jahren alpwirtschaftlich genutzt und gepflegt. Erstmals wurde sie im Jahr 1516 als Alpe der Triesenberger urkundlich erwähnt. Aus diesem Grund war bisher unumstritten, dass dies weiterhin geschieht. Gerade für die Gemeinde Triesenberg gehört das abgelegene Gebiet auch zum kulturellen Erbe. 

Chance für Erhöhung des «Wildnisfaktors»
Dies sieht die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) und die Botanisch-Zoologische Gesellschaft (BZG) anders. Sie haben sich mit einem Schreiben an die Landtagsabgeordneten gewendet und bitten sie, den Kredit abzulehnen. Sie fordern mehr Wildnisgebiete, um damit den Erhalt der Biodiversität zu verbessern. Diese komme durch die vielfältigen menschlichen Nutzungsansprüche, dem steigenden Konsum und den klimatischen Veränderungen immer stärker unter Druck. Die beiden Organisationen schreiben: «Das Gebiet des Samina- und Galinatals ist aufgrund seiner Geologie nur sehr eingeschränkt zugänglich und damit weitgehend unbehelligt. Ein Grossteil der im Gebiet vorhandenen Lebensräume ist als schützenswert einzustufen. Das untere Saminatal ist in Liechtenstein als Biotopinventar als Relikt einer wenig berührten Gebirgslandschaft mit seltenen Arten erfasst. Das Gebiet, der westliche Teil des Rätikons, am Übergang zwischen Ost- und Westalpen, ist insgesamt ein biogeografisch höchst interessanter Raum. Aus diesem Grund plädieren BZG und LGU für die Entlassung der Alp Garsälli aus der menschlichen Nutzung und für die damit verbundene Erhöhung des Wildnisfaktors im Gebiet. Hier haben wir eine Chance – die einzige Möglichkeit in Liechtenstein –, die Natur ihre ureigene Dynamik leben zu lassen.» Diese Empfehlung der beiden Naturschutzorganisationen überrascht. Würde die Alp Garsälli nicht mehr bewirtschaftet, würde das Gebiet in kurzer Zeit mit Wald zuwachsen. Damit ginge auch ein relativ ungestörter Wildlebensraum abseits von Schutzwäldern verloren.

Im Widerspruch zur Alpenkonvention
Zudem würde ein solcher Schritt auch der Alpenkonvention widersprechen. Darin hat sich Liechtenstein verpflichtet, die Berglandwirtschaft unter anderem mit dem Ziel «die Bewirtschaftung der traditionellen Kulturlandschaften» zu fördern. (sap)

05. Jun 2019 / 07:00
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Ist das so?
- Damit ginge auch ein relativ ungestörter Wildlebensraum abseits von Schutzwäldern verloren. -
Stimmt diese Aussage, wenn über den gesamten Sommer 'Väh' auf der Alp ist? Da kann wohl kaum von 'ungestört' die Rede sein?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 05.06.2019 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Andreas Bourani
Zu gewinnen 7 Gutscheine für alle Bars im Nightlife-Special dieser Ausgabe
06.06.2019
Facebook
Top