• Eröffnung HPZ Werkstätten in Schaan
    Die rund 200 betreuten Mitarbeitenden des HPZ sind seit Montag vergangener Woche nach Hause geschickt worden. Die Fachangestellten stellen sicher, dass die Aufträge erfüllt und Liefertermine eingehalten werden.  (Daniel Schwendener)

Herausforderung für HPZ und Lukashaus

Die sozialen Dienstleistungsunternehmen HPZ und Lukashaus erklären, mit welchen Mitteln sie die Corona-Krise bewältigen.
 
Die Corona-Krise stellt die Gesellschaft vor immense Herausforderungen. Das gilt insbesondere auch für Menschen mit Behinderungen. Die Werkstätten des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) sind zwar nach wie vor geöffnet, die rund 200 betreuten Mitarbeitenden sind jedoch seit Montag vergangener Woche vorsorglich nach Hause geschickt worden. Viele der Betreuten weisen Vorerkrankungen auf und sind hinsichtlich schwerwiegender Folgen der Corona-Krankheit anfälliger als Menschen ohne Behinderung. Die Fachangestellten des HPZ stellen nun sicher, dass die Aufträge dennoch abgearbeitet werden und damit die zugesagten Liefertermine eingehalten werden können.
 
«Courant normal» so gut wie möglich aufrechterhalten
Die Wohnhäuser, in denen erwachsene sowie ältere Menschen mit Behinderung leben, sind mittlerweile komplett abgeschottet worden. «Dies bedeutet für das Betreuungspersonal eine grosse Herausforderung: Tagesstrukturen, Betreuung und Pflege müssen in den eigenen vier Wänden für die nächsten Wochen sichergestellt werden», erklärt Geschäftsführer Christian Hausmann. Es gelte in diesen Zeiten so gut wie möglich einen «Courant normal» aufrechtzuerhalten.
 
In der Geschäftsleitung habe man sich schon vor einigen Wochen mit der Corona-Thematik befasst und verschiedene Szenarien vorsorglich durchgespielt sowie entsprechende Hygienemassnahmen und Verhaltensregeln konsequent umgesetzt», sagt Hausmann. Orientiert habe man sich dabei an den eingeleiteten Massnahmen von Italien, wo der Virus sehr heftig ausgebrochen sei. Die aktuelle Situation sei dennoch für alle herausfordernd, da man einen sozialen Betrieb nicht schliessen könne, sondern gerade im Bereich Wohnen die Betreuung rund um die Uhr sichergestellt werden müsse. «Es gibt keinen Plan B diesbezüglich», hält er fest. 
 
An den heilpädagogischen Schulen werde derzeit nach besten Kräften Fernunterricht angeboten. Oftmals benötige man aber auch die aktive Mithilfe und Unterstützung der Eltern, welche wiederum durch die Lehrpersonen und Therapeuten instruiert und angeleitet würden. «Wir können auch nicht einfach auf die gängigen digitalen Medien zurückgreifen und faktisch einen Online-Fernunterricht anbieten, da dies unsere Schüler überfordern würde», sagt Hausmann. Aus diesem Grund seien zusätzlich Lernboxen erstellt und diese mit den entsprechenden Anweisungen an die Eltern übergeben 
oder geliefert worden. Die Eltern würden in der Regel wöchentlich kontaktiert und die Aufgaben dem Lernstand der Schüler angepasst. Dies benötige nicht nur die Kreativität der Lehr- und Therapiepersonen, sondern ebenso die der Eltern und Schüler. Auf die Gesamtleistung beim HPZ könne man derzeit stolz sein: Es herrsche eine berührende Loyalität und Solidarität.   
 
Corona-Krise ist für alle anstrengend und fordernd
 
Im Lukashaus in Grabs werden rund 80 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Beeinträchtigung von 180 Personen betreut. Hier finden sie Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Bildungsangebote vor. Doch die Beschäftigungsbereiche der sozialen Institution sind nun wegen der Corona-Gefahr bereits seit zwei Wochen geschlossen. Die Betreuten leisten zu Hause kleinere Arbeiten. Mit den Tieren sowie im hauseigenen Garten wird – unter Berücksichtigung aller Hygiene- und Schutzvorschriften – weiterhin gearbeitet. Mitarbeitende, die sich in Pflegesituationen befinden, wo sie den nötigen Abstand nicht einhalten können, tragen Mundschutz und Schutzmäntel. «Die Corona-Krise ist für alle äusserst anstrengend und fordernd», erklärt Hubert Hürlimann, Geschäftsleiter der Lukashaus-Stiftung. Die Betreuung von Menschen könne nicht einfach im Homeoffice erledigt werden. «Die Begleitung läuft auf dem normalen, hohen Niveau weiter. Da alle in ihren Wohnungen bleiben müssen und bloss sporadisch einen kleinen Spaziergang zu zweit machen können, ist die Belastung sehr hoch», schildert Hürlimann die Lage. «Was jetzt in der Gesellschaft abläuft, kann den Betreuten nicht in wenigen einfachen Worten erklärt werden.» Videos, Bilder und Gebärden dienten hier oftmals als Unterstützung, um den Sachverhalt verständlich zu machen. «Wir selber haben ja schon Mühe, das alles nachzuvollziehen», so Hürlimann. Orientierung im Alltag und die Beziehungsgestaltung seien besonders wichtig, um die erlebbaren Veränderungen in der Umwelt zu verarbeiten. Das sieht auch HPZ- Geschäftsführer Christian Haus-mann so: «Betreuung von Menschen mit Behinderungen geschieht auf Beziehungsebene und hat vor Ort zu erfolgen.»
 
Ausgangssperren hätten fatale Folgen für das HPZ
 
Die grösste Herausforderung besteht laut Hausmann darin, den Mitarbeiterstab in seiner Gesamtheit zur Verfügung zu haben. Sorgen bereiten ihm in diesem Zusammenhang auch mögliche Ausgangssperren seitens der Nachbarstaaten. «Falls Österreich beispielsweise die Sperren dahingehend ausweitet, dass Arbeitnehmer nicht mehr zur Arbeit nach Liechtenstein fahren dürfen, hätte das fatale Folgen, vor allem für unseren Bereich Wohnen mit den vier Wohnhäusern. Wir sind – wie alle Betriebe in Liechtenstein – stark auf Grenzgänger angewiesen.» 
 
Das Lukashaus sei in dieser schwierigen Zeit dankbar für die Dienste der Zivilschutzorganisation, die unter dem Leitbild «Miteinander und Füreinander» hervorragende Arbeit in der Region verrichten. «Wir haben immer schnelle und unbürokratische Hilfe erhalten. Die Anforderungen an alle steigen an, wenn Mitarbeiter aufgrund von Erkrankungen ausfallen. So muss dann auch über Nacht der Betrieb sichergestellt sein. Mit der Zivilschutzorganisation im Rücken schaffen wir das», so Hürlimann. Weniger freut ihn aber, dass man von Ämtern des Bundes oder des Kantons 
St. Gallen mit Weisungen, Hinweisen und Informationen fast überschüttet werde. «Gegen das Coronavirus arbeiten wir toll. Gegen die Bürokratie ist leider noch kein Kraut gewachsen», fasst Hürlimann zusammen. (rpm)
26. Mär 2020 / 07:00
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