• Erdbeben
    2018 hat die Erde über 900-mal in der Schweiz und im angrenzenden Ausland gebebt.

Grosse Erdbeben nicht auszuschliessen

Gestern um 18.30 Uhr erzitterte die Erde für wenige Sekunden. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 2,2 mit Epizentrum in Balzers. Ein Erdbeben ist in unserer Region keine Seltenheit, 2018 wurden in Liechtenstein sieben Erdbeben verzeichnet. Und grosse Erdbeben können nicht ausgeschlossen werden.

Über 900-mal bebte die Erde in der Schweiz und im angrenzenden Ausland im vergangenen Jahr. Das geht aus der Erdbebenstatistik 2018 hervor, die am Montag vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) der ETH Zürich publiziert wurde. Auch Liechtenstein erschütterte mehrmals –  schliesslich gehört das gesamte St.Galler Rheintal zu den Regionen mit einer erhöhten Erdbe­bengefährdung. «Daher ist in der Nähe des Fürstentums sowie im Land selbst immer wieder mit teils auch grösseren Erdbeben zu rechnen», erklärt Michèle Marti, Leiterin Kommunikation des SED auf Anfrage.

An der Zahl waren es sieben. Allerdings hätten sich laut Marti weitere Erdbeben im grenznahen Österreich und in der Schweiz ­ereignet, die teilweise auch in Liechtenstein spürbar waren. Ein Blick auf die SED-Tabelle der «lokalen Erdbeben», zeigt, dass erst gestern Abend eines der Stärke 2,2 mit Epizentrum in Balzers den Boden in Teilen Liechtensteins und dem benachbarten Ausland kurz zum Beben brachte. Am 5. Januar dieses Jahres ereignete sich bereits ein Beben in Sargans. Jedoch hatte dieses lediglich die Magnitude 0,9, weshalb es im Fürstentum nicht bemerkt wurde. Schon fünf Tage zuvor, am 31. Dezember 2018, erschütterte Sargans wegen eines Erdbebens derselben Stärke leicht. Grund zur Panik besteht jedoch nicht. In der Regel sind Erdbeben erst ab einer Stärke von 2,5 für die Bevölkerung spürbar. In der Schweiz gab es davon im vergangenen Jahr 25 Stück und damit geht 2018 als durchschnittliches Erdbebenjahr in die Geschichte ein. «Das gilt grundsätzlich auch für Liechtenstein. Wirft man einen Blick zurück», so die Mitarbeiterin des SED, «finden sich durchaus Jahre mit grösserer seismischer Aktivität.»

Stärkstes Beben mit einer Magnitude von 1,8

Das stärkste Beben im Durchschnittsjahr 2018 innerhalb der Landesgrenzen ereignete sich am 5. Oktober. Es wies eine Magni­tude von 1,8 auf. Laut Marti gingen hierzu aber keine Verspürtmeldungen ein. Anders war es bei den beiden Beben vom 17. Januar und 1. Februar im österreichi­schen Klostertal bei Montafon. Sowohl die liechtensteinische wie auch die Schweizer Bevölkerung nahmen die Erschütterungen deutlich wahr. Sie hatten je eine Stärke von 4,1 und galten schweiz­weit als stärkste und weiträumigste aufgezeichneten Erdbeben im Jahr 2018. Sie waren auch die einzigen, die zu kleineren Schäden und Rissen in Fassaden führten. Das mit einer Magnitude von 3,2 grösste Beben innerhalb der Schweiz ereignete sich am 23. August nahe der Dents de Morcles im Kanton Wallis. Beim SED gingen damals an die 400 Verspürtmeldungen ein. Aus Liechtenstein erreichte den SED im vergangenen Jahr nur noch eine weitere Meldung. Ein Blick auf die Aufzeichnungen bestätigte, dass es am 24. April ein leichtes Beben der Magnitude 1,6 gab. Es war im Jahr 2018 das zweitstärkste, dessen Epizentrum in Liechtenstein lag. Schäden sind dabei keine entstanden. 

Rheintal wird eher von Erdbeben heimgesucht

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern besteht in Liechtenstein wie auch in der Schweiz eine mittlere Erdbebengefährdung. Das ist hauptsächlich dem Aufeinanderprallen der europäischen und afrikanischen Lithosphärenplatten zuzuschreiben. Jedoch gibt es innerhalb dieser beiden Länder wiederum regionale Unterschiede, die zu beachten sind: Das Wallis ist die Region mit der höchsten Gefährdung, gefolgt von Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal, der Zentralschweiz und der übrigen Schweiz.

«Allgemein betrachtet», erklärt die Mitarbeiterin des SED, «sind Erdbeben das Resultat ­tektonischer Spannungen. Das St.Galler Rheintal markiert einen Bereich der nördlichen Alpenfront, der durch erhöhte kompressive Spannung charakterisiert ist.» Diese Spannung wiederum steht im Zusammenhang mit tektonischen Prozessen der Gebirgsbildung. «Aufgrund der kom­plexen plattentektonischen Geschichte der Alpen und der damit verbundenen Heterogenität der Erdkruste sind die Spannungen sehr ungleichmässig verteilt», sagt Marti. Das führt zu den beobachteten lateralen Unterschieden in der Erdbebenhäufigkeit und damit auch in der Gefährdung im Alpenraum.

Die stärksten Beben der Geschichte

«Das grösste Beben innerhalb Liechtensteins ereignete sich am 8. Mai 1992 in Vaduz mit einer Magnitude von 4,7», sagt Marti. Wird der Blick weiter in die Vergangenheit gerichtet, gibt es zwei Beben in der unmittelbaren Umgebung, die eine Stärke von 5 oder mehr aufwiesen: 1681 in der Region Ostschweiz-Liechtenstein und 1796 in Grabs.

Das stärkste Beben überhaupt, das die Schweiz bisher erzittern liess, liegt auch schon einige Jahrhunderte zurück. Es hatte ungefähr eine Stärke von 6,6 und konnte auf das Jahr 1356 mit Epizentrum in Basel zurückgeführt werden. Die Wahrscheinlichkeit eines derart katastrophalen Erdbebens mit einer Stärke von etwa 6 oder mehr liegt bei einem Prozent in diesem Jahr. Dennoch ist im Schnitt alle 50 bis 150 Jahre damit zu rechnen. Zum vorerst letzten Mal suchte ein Beben dieser Stärke 1946 die Ortschaft Sierre im Wallis heim. Trotzdem kann es überall und jederzeit in der Schweiz wie auch in Liechtenstein auftreten. Zudem ist etwa alle acht bis 15 Jahre mit einem Beben von ungefähr der Stärke 5 zu rechnen. Davon gab es das letzte 1991 in Vaz, Graubünden.

30. Jan 2019 / 15:17
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