• Interview Fürst Hans-Adam
    Hätte er seinen Beruf selbst wählen können, wäre er wohl Physiker oder Archäologe geworden, wie er selbst sagt. Doch als Erstgeborener in einer Erbmonarchie ist die spätere Aufgabe vorgegeben. So studierte er Wirtschaft und Recht.  (Daniel Schwendener)

Fürst Hans-Adam II. – 30 Jahre Staatsoberhaupt

Seit dem 13. November 1989 ist Fürst Hans-Adam II. das Staatsoberhaupt Liechtensteins – eine bewegte Zeit.
Vaduz. 

Seit 30 Jahren ist Hans-Adam II. Fürst von Liechtenstein. Hätte er seinen Beruf selbst wählen können, wäre er wohl Physiker oder Archäologe geworden, wie er selbst sagt. Doch als Erstgeborener in einer Erbmonarchie ist die spätere Aufgabe vorgegeben. So studierte er Wirtschaft und Recht. 
«Wirtschaft, um das Vermögen der Familie neu aufzubauen. Recht, um die Aufgaben des Staatsoberhauptes übernehmen zu können. Also wählte ich diese beiden Studienrichtungen in St. Gallen. Ich glaube, dieser Entscheid war sehr gut», erklärte Fürst Hans-Adam II. in einem «Vaterland»-Interview 2016. Die Reorganisation des Familienvermögens hatte ihm sein Vater Fürst Franz Josef II. bereits 1970, noch während seines Studiums, übertragen.   «Viele der wichtigsten Betriebe befanden sich in einer finanziellen Notlage und das Rechnungswesen in einem katastrophalen Zustand», so Fürst Hans-Adam II. im Rückblick auf die da­malige Zeit (Vaterland, 11. 11. 2014). Doch mit teilweise einschneidenden Massnahmen gelang es ihm, das fürstliche Vermögen zu reorganisieren – und dies äusserst erfolgreich. Heute zählt die Familie Liechtenstein gemäss «Bilanz» mit einem geschätzten Vermögen zwischen 9 und 10 Milliarden zu den reichsten Fürstenhäusern.

Auch politisch war er lieber Unternehmer statt Unterlasser
Auch im politischen Bereich war er früh aktiv und nahm schon als Erbprinz immer wieder in öffentlichen Ansprachen Stellung zur liechtensteinischen Aussenpolitik. Schon damals zeigte sich, dass er weniger Zurückhaltung als sein Vater Fürst Franz Josef II. an den Tag legte. Für Aufsehen sorgte seine «Rucksackrede» 1970. Darin beleuchtete er die Stellung zur Schweiz kritisch und forderte, Liechtenstein müsse aus dem Rucksack der Schweiz aussteigen und die Aussenpolitik in die eigene Hand nehmen. Damals stiess diese Rede im Inland auf Empörung und Ablehnung – für viele war es reine Provokation.
Am 26. August 1984 setzte ihn Fürst Franz Josef II. als seinen Stellvertreter ein und übertrug ihm sämtliche Regierungsgeschäfte sowie die Ausübung der fürstlichen Hoheitsrechte, jedoch ohne ihm die Stellung als Staatsoberhaupt zu überlassen.   Dieser Schritt sei nicht von allen gerne gesehen worden, erklärte Hans-Adam II. einmal in einem Gespräch mit dem «Vaterland».

Sein damals vordringliches Ziel war der UNO-Beitritt. «Wir müssen hinausgehen und der Welt beweisen, dass wir ein vollwertiger Staat mit dem gleichen Existenzrecht wie ein grosser Staat sind», sagte er bei der Landtagseröffnung am 27. März 1985. Die Begeisterung in der Politik hielt sich weiterhin in Grenzen. Doch der damalige Erbprinz Hans-Adam II. blieb bei diesem Thema unnachgiebig und sah im UNO-Beitritt die beste Möglichkeit, die Souveränität Liechtensteins abzusichern. Schliesslich wurde Liechtenstein 1990 als 160. Mitglied in den Kreis der Vereinten Nationen aufgenommen. Zweifellos ein Verdienst der jahrelangen Beharrlichkeit von Hans-Adam II. 

1989: Ende eines wichtigen Geschichtsabschnitts 
1989 war nicht nur für Liechtenstein, sondern für ganz Europa das Ende eines wichtigen Geschichtsabschnittes. Die Ordnung der Nachkriegszeit, die Zweiteilung Europas, brach zusammen. Für Liechtenstein war es ein Jahr der Trauer. Am 18. Oktober 1989 starb Fürstin Gina. Nur 26 Tage später, am 13. November 1989, starb Fürst Fanz Josef II. Er war der erste Fürst, der seinen Wohnsitz nach Liechtenstein verlegte. Die Bevölkerung sah ihn als gütigen Landesvater. Mit dem Tod seines Vaters wurde Hans-Adam als Fürst Hans-Adam II. Staatsoberhaupt und Regent des Hauses Liechtenstein. Und es war klar, dass er eine aktivere politische Rolle als sein Vater einnehmen wird. Dazu sagte Fürst Hans-Adam II. am 11. November 2014 in einem «Vaterland»-Interview: «Ich bin vom Typus her weniger Landesvater, sondern der Manager, der gerne Probleme löst, und das möglichst schnell.»

Und bei seinem Amtsantritt sah er die Integration Liechtensteins in die Europäische Gemeinschaft als vordringliche Aufgabe. Sein erklärtes Ziel war der Beitritt Liechtensteins zum EWR. Die Diskussion über den Abstimmungstermin über den Beitritt führte aber im Oktober 1992 zur sogenannten «Staatskrise». Regierung und Landtag hatten beschlossen, erst nach der Abstimmung in der Schweiz über den EWR-Beitritt abstimmen zu las­sen. Fürst Hans-Adam II. wollte die Abstimmung aber unabhängig und vor der Schweiz abhalten. Er drohte deshalb mit der Auflösung des Landtags und der Entlassung der Regierung Hans Brunhart. Aufgrund dieser Androhung gab es am 28. Oktober 1992 eine Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern vor dem Regierungsgebäude. Schlussendlich kam es zu einen Kompromiss. Doch die in diesem Konflikt offenbar gewordenen Unklarheiten über die Kompetenzen verschie­dener Staatsorgane hatten eine rund zehnjährige Verfassungsdiskussion zur Folge. Das Historische Lexikon schreibt dazu: «Darin betonte Hans-Adam II. die fürstlichen Rechte, was zu Differenzen zwischen ihm und Teilen des Landtags sowie Teilen der Bevölkerung führte. 2002 reichten Fürst Hans-Adam II. und Erbprinz Alois eine Initiative zur Abänderung der Verfassung ein, welche im März 2003 in einer Volksabstimmung mit 64 Prozent Jastimmen angenommen wurde. Im Vorfeld hatte Hans-Adam II. angekündigt, im Fall einer Niederlage seinen Wohnsitz nach Wien zu verlegen.»

Fürst Hans-Adam II: «Ich bin jeden Tag im Büro»
Nach dem Abschluss der Verfassungsdiskussion zog sich Fürst Hans-Adam II. aus dem politischen Tagesgeschäft zurück. Am 15. August 2004 übergab er die Regierungsgeschäfte an Erbprinz Alois. Und dass er sich seither politisch zurückhalte, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. Rückblickend erklärte er im Geburtstagsinterview zu seinem 74. Geburtstag am 14. Februar 2019, dass er eigentlich mehr erreicht habe, als er sich realistischerweise erwarten durfte. Aber er lässt es deshalb nicht ruhiger angehen: «Ich bin jeden Tag im Büro. Ich bin zwar weniger in die Politik involviert, aber ich bin immer noch Vorsitzender der verschiedenen Stiftungen und zum Teil in der Vermögensverwaltung aktiv. Aber auch hier habe ich einen grossen Teil an meine jüngeren Söhne abgegeben. Ich betreue aber noch das eine oder andere Projekt.»
Deshalb wird Fürst Hans-Adam II. wohl auch am heutigen Tag in seinem Büro sein. Zum 30. Thronjubiläum wünschte er sich ausdrücklich keine besonderen Feierlichkeiten. (sap)

13. Nov 2019 / 07:00
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