• Die Rinderseuche Bovine Virus-Diarrhoe (BVD) tritt in der Schweiz wieder vermehrt auf, nachdem sie im Rahmen eines Bundesprogramms fast ausgerottet worden war. (Archivbild)
    Das hochansteckende Rindervirus BVD wird durch Kälber auf andere Kühe übertragen.  (KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

Einige Liechtensteiner Rinder von Seuchen befallen

2019 gab es hierzulande drei Kühe mit zwei unterschiedlichen Seuchen. Eine weitere Kuh musste mit Verdacht auf BVD getötet werden.

Obwohl eher selten, stecken sich auch in Liechtenstein Rinder mit Seuchen an. In diesem Jahr gab es bei hiesigen Rindern zwei Fälle von Paratuberkulose und einen Fall von Coxiellose. Daneben stand ein Verdachtsfall auf BVD (Bovine Virus-­Diarrhoe) im Raum. Drei unterschiedliche Seuchenarten mit unterschiedlicher Gefahr für den Menschen. BVD ist ein Virus, das vor allem von infizierten Kälbern übertragen wird. Für den Menschen geht davon keine Gefahr aus. Gefährlich wird es aber für ungeborene Kälbchen. Infizieren sie sich, kann ihr Immunsystem die Viren nicht bekämpfen, die Kälber bleiben infiziert. 

Die jungen Kühe würden oft nicht lange überleben, erklärt Werner Brunhart, Leiter des Amts für Lebensmittel­kontrolle und Veterinärwesen (ALKVW). Sie stecken in der Folge auch die anderen träch­tigen Kühe oder Rinder an, und das könne vor allem auf der Alp zu einem Problem werden, da die Rinder dort oftmals von vielen verschiedenen Land­wirten stammen. Erkennt man die In­fek­tion auf der Alp nicht, wird sie nach Ende des Sommers in viele Höfe verschleppt. Beim diesjährigen BVD-Verdachtsfall in Liechtenstein handelt sich laut Brunhart um eine Kuh, die von einem ausländischen Betrieb stammt. Erst später wurde festgestellt, dass sich im ausländischen Bauernhof infizierte Tiere aufhalten. Die zugekaufte Kuh musste laut Brunhart schliesslich geschlachtet werden. «Verdachtsfällen müssen wir von Amts wegen nachgehen, um Sicherheit zu schaffen», erklärt er. 

In Liechtenstein gibt es ab und zu kleinere Ausbrüche mit BVD, weil über den Viehhandel möglicherweise infizierte Tiere zugekauft werden. Einen grösseren Ausbruch hätte es seit 2008 nicht mehr ge­geben. Damals wurde in der Schweiz wie auch in Liechtenstein ein Ausrottungsprogramm gegen die Virusinfektion eingeführt – dieses wurde aber in den vergangenen Jahren angepasst und gelockert. 
Seit einigen Jahren muss demnach nicht mehr jedes neugeborene Kälbchen auf das Virus untersucht werden, neu wurde dann jährlich jeder dritte Betrieb unter die Lupe genommen. Auch gibt es eine neue Nachweismethode, die über die Analyse der Milch funktioniert. Dies ist laut Brunhart kostengünstiger und einfacher in der Umsetzung.

Weil das Virus jedoch nicht gänzlich ausgerottet werden konnte und regelmässig vereinzelte Fälle auftreten, werden immer wieder kritische Stimmen von Schweizer Experten laut, die meinen, dass man die höheren Kosten des ersten Programms für einen längeren Zeitraum hätte in Kauf nehmen sollen. Laut Brunhart werden  die Kontrollen in diesem Jahr erstmals wieder bei allen Tierhaltungen durchgeführt. Der Amtsleiter stellt aber auch klar, dass die Häufung der Virusinfektion tendenziell eher sinke. 

Paratuberkulose oft über längere Zeit unerkannt 
Die Paratuberkulose ist eine infektiöse Durchfallerkrankung, von der häufig ältere Rinder betroffen sind. Sie steht in Ver­dacht, eine sogenannte Zoonose zu sein. Sprich eine Krankheit, die zwischen Mensch und Tier übertragen werden kann. Beim Menschen könnte sie die chronische Durchfallerkrankung Morbus Crohn auslösen. Nur ein kleiner Teil der infizierten Tiere entwickelt sichtbare Symptome. Deshalb bleibt die Paratuberkulose oft über längere Zeit unerkannt. Die Kühe magern laut Brunhart jedoch zunehmend ab, weil der Darm die Nährstoffe nicht mehr aufnehmen kann. Sie können nicht mehr so viel leisten wie zuvor. Deshalb werden die Kühe am Ende erlöst, so Brunhart. 

Die Paratuberkulose ist  als eine «zu bekämpfende Tierseuche» eingestuft, ein Ausrottungsprogramm dafür gibt es jedoch nicht, da es sich laut dem Amtsleiter lediglich um Einzelfälle handelt. Bei dieser Krankheit werde auf die Sensibilisierung der Bauern und Tier­ärzte gesetzt. Nach der durch das Labor bestätigten  Seuchenmeldung des Bauern wird der Tod des Tieres von Amts wegen verlangt, dafür erhalte der Landwirt eine Entschädigung.

Ansteckung löst beim Mensch Q-Fieber aus
Die Coxiellose befällt neben Rindern auch Schafe, Ziegen, Katzen, Hunde, Kaninchen und Nager. Sie gehört zu den Zoonosen und wird durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub übertragen. Der Mensch leidet in der Folge an einer akuten grippeähnlichen Krankheit (Q-Fieber). Auch sind Komplikationen wie Lungenentzündungen möglich. Eine Ansteckung des Q-Fiebers von Mensch zu Mensch ist hingegen äusserst selten. Bei den Tieren verläuft die Coxiellose oft ohne Symptome, jedoch kann sie bei den Kühen zu Fruchtbarkeitsstörungen und Fehlgeburten führen. Häuft sich Letzteres beim Rind, muss der Bauer dies melden. (qus)

15. Okt 2019 / 21:34
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