• Baumwanze
    Die marmorierte Baumwanze saugt am liebsten Früchte aus und richtet damit grosse Schäden in der Landwirtschaft.  (Miyuki-3)

Ein Profiteur des Klimawandels

Die marmorierte Baumwanze wurde in Europa zum ersten Mal im Jahr 2004 in Liechtenstein entdeckt. Die Wanze verursacht vor allem in der Landwirtschaft grosse Verluste. Hierzulande wurden bisher noch keine Schäden festgestellt.

In der Schweiz hat sich die marmorierte Baumwanze – auch Stinkwanze genannt – im vergangenen Sommer explosionsartig ausgebreitet. Die invasive Art sorgt vor allem in der Landwirtschaft für Probleme, da sie haupstächlich Früchte, manchmal auch Gemüse(Aubergine, Blumenkohl, Broccoli, Bohne, Gurke, Peperoni) aussaugt und damit grosse Schäden anrichtet. Denn die befallenen Lebensmittel können aufgrund von Deformationen und Verfärbungen oft nicht mehr vermarktet werden. Das bestätigt auch Helmut Kindle, Leiter des Amts für Umwelt: «Der Hauptschaden dürfte in Form von Qualitätseinbussen verursacht werden, weshalb schon kleinere Schäden einen grossen wirtschaftlichen Verlust für den Landwirt bedeuten können.»

Erwerbsmässigen Obstanbau gibt es in Liechtenstein nicht, das bevorzugte Gemüse der Wanzen wird aber von den Landwirten angebaut. Florian Bernardi von der Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) teilt auf Anfrage mit, dass nicht gesagt werden könne, ob es bei den Liechtensteiner Bauern bisher zu Schäden gekommen sei und dementsprechend auch die Höhe der Schäden nicht beziffert werden könne. Auch Kindle hat dazu keine Angaben für Liechtenstein. Die Bauern kontrollieren ihre Felder aber laufend auf Schädlinge.  

Wanzenplage in der Schweiz

In der Schweiz gehen Experten davon aus, dass es auch in diesem Jahr wieder zu einer Wanzenplage kommen könnte. Denn der Schädling bevorzugt lange und trockene Sommer für die Eiablage. So erklärt Kindle, dass das Insekt ein Profiteur des Klimawandels sei. Mit den nun steigenden Temperaturen folgt die nächste Eiablage auf die bereits grossen Populationen, die sich in den vergangenen zwei Jahren gebildet haben. Bleibt der Sommer warm und trocken, könnte sich in diesem Jahr noch eine zweite Generation entwickeln. Dann wäre die Wanzenpopulation riesig. Bernardi erklärt für Liechtenstein: «Von einer Massenplage kann zum jetzigen Zeitpunkt hierzulande nicht gesprochen werden.»  Amtsleiter Helmut Kindle fügt an, dass über die Populationsdynamik dieses Insekts in Mitteleuropa beziehungsweise Liechtenstein noch wenig bekannt sei.

Ein grosses Problem bei diesem Insekt stellt die Bekämpfung dar, denn die Tiere sind nicht nur robust und befallen viele unterschiedliche Pflanzen, sie sind auch sehr mobil. Mit chemischen Mitteln ist die marmorierte Baumwanze also nur schwer zu bekämpfen. «Derzeit werden weltweit verschiedene Bekämpfungsstrategien – Netze, Lichtfallen, Abblasen, Pflanzenschutzmittel – getestet», sagt Bernardi. Bis anhin konnte aber noch kein wirklich effektives Mittel gegen die Wanzen gefunden werden – auch weil Erfahrungen zur Regulierung des neuen Schädlings fehlen. «Langfristig wird vermutlich jedoch nur das Zusammenspiel verschiedener Massnahmen die Kulturen nachhaltig schützen», führt Bernardi aus. Um die Wanzen von den eigenen vier Wänden fernzuhalten, können Fliegengitter installiert werden. Zudem

sollten die Eier eingesammelt werden. Laut eines Berichts

der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) setzt eine Forschergruppe des Forschungsinstituts Cabi Europe Switzerland in Delsberg  Hoffnungen in die Samurai-Wespe. Auch sie stammt ursprünglich aus Asien und konnte 2017 erstmals im Kanton Tessin festgestellt werden. Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Wanze ist die Wespe ihr natürlicher Feind. Sie legt ihre Eier in jene der Wanzen. In der Folge fressen die Wespenlarven die Wanzeneier von innen auf. Damit könnte die Ausbreitung der invasiven Art gestoppt werden. Am Institut finden nun Forschungen zur Wespe statt. Ein Ergebnis liegt aber noch nicht vor. «Auch ist nicht bekannt, ob sich diese Wespe schon in Liechtenstein angesiedelt hat und ob diese Wespenart heimische Arten gefährden könnte», sagt Kindle.

Sondern stinkendes Sekret aus

Die Baumwanzenart wird im Volksmund Stinkwanze genannt, weil sie ein übelriechendes Sekret absondert, wenn sie sich bedroht fühlt oder zerdrückt wird. Vor allem aus porösen Wänden und Böden lässt sich der Gestank nur sehr schlecht beseitigen. Die Insekten kommen  nicht selten in Wohnungen vor, da sie zur Winterzeit oder bei kühler Witterung dort Unterschlupf finden. (qus)

10. Jun 2019 / 06:00
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