• Corona Teststation in Vaduz
    Die Corona-Teststation in der Marktplatzgarage in Vaduz.  (Daniel Schwendener)

Nur 13 Prozent haben Angst vor Corona

Umfrage: Die Liechtensteiner machen sich weniger Sorgen um die gesundheitlichen als um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise.

Die Sorge um eine Ansteckung durch das Coronavirus ist in der liechtensteinischen Bevölkerung relativ gering. Nur gerade 13 Prozent sehen darin eine Gefahr für ihre Gesundheit. Die Mehrheit macht sich diesbezüglich keine Sorgen.

Ganz anders sieht dies bezüglich der Sorgen über die Auswirkungen der Coronakrise auf die liechtensteinische Wirtschaft aus. Ingesamt 65 Prozent der Befragten bei der Umfrage «Öffentliche Meinung zur Coronapandemie in Liechtenstein» zeigen sich hier eher oder sehr besorgt. Der Anteil der Besorgten in der Altersklasse 65+ ist diesbezüglich mit 75 Prozent am grössten – dies im Gegensatz zur Sorge dieser Altersgruppe über die eigene Gesundheit.

Eine eindeutige Begründung gibt es dafür auch von Christian Frommelt, Direktor des Liechtenstein-Instituts,  nicht. «Eine Erklärung für die geringe Sorge der Altersgruppe 65+ ist, dass man mit einer solchen Onlineumfrage wohl vor allem die besonders ‹rüstigen› Personen der Altersgruppe erreicht», so Frommelt.

33 Prozent glauben, dass die Wirtschaft lange leidet
Auf die Frage, wie lange die Coronakrise die liechtensteinische Wirtschaft beeinträchtigen wird, glauben nur gerade 10 Prozent, dass die Krise in ein paar Monaten auch wirtschaftlich vorbei ist. 30 Prozent der 1626 Umfrageteilnehmern glaubt, dass die Krise für die Wirtschaft im Sommer 2021 überstanden ist. Der grösste Anteil, nämlich 33 Prozent, gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise länger als bis zum Sommer 2021 spürbar sein werden. 

Bei den konkreten Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft gibt es nur ein eindeutiges Resultat in der Umfrage: 69 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten zwölf Monaten steigen wird.  Diese Meinung wird auch von Christian Frommelt geteilt. Auch er glaubt, dass sich der bereits eingesetzte Trend fortsetzen wird, «vor allem, wenn die Kurzarbeit ausläuft und die internationale Nachfrage anhaltend schwach bleibt.»

Im internationalen Vergleich werde die Arbeitslosigkeit in Liechtenstein aber auch in den nächsten zwölf Monaten tief bleiben, so der Direktor des Liechtenstein-Instituts. Bei der Entwicklung des Preisniveaus ist die Bevölkerung Liechtensteins gespalten. 46 Prozent gehen davon aus, dass die Preise in den nächsten zwölf Monaten steigen werden. 40 Prozent sind der Meinung, dass sie gleich bleiben. Nur gerade sechs Prozent gehen von sinkenden Preisen aus. Die Einschätzung dieser Minderheit wird auch von Frommelt geteilt:  «Dies erscheint mir im Moment doch das wahrscheinlichste Szenario.»

Wie lange wird die Krise die liechtensteinische Wirtschaft beeinträchtigen?

Nur 10 Prozent der befragten Personen gehen davon aus, dass die Coronakrise die liechtensteinische Wirtschaft nur noch die nächsten Monate beschäftigen wird. 33 Prozent sind der Meinung, dass sich die Beeinträchtigungen noch länger als bis Sommer 2021 auswirken werden.

Internationale Kooperation ja, Geld eher nein
Bei den Themen internationale Kooperation und Solidarität zeigt sich ein etwas widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite ist mit 74 Prozent die grosse Mehrheit der Meinung, dass die Coronapandemie eine globale Zusammenarbeit erfordert. Bei der finanziellen Unterstützung von Entwicklungsländern, bei der Bewältigung der Krise, sind nur noch 44 Prozent 
der Meinung, dass dies eine Aufgabe Liechtensteins ist. Hier hat aber die Regierung mit einer zusätzlichen Million Franken bereits ein anderes Signal gesetzt. Wenn es um die Unterstützung Liechtensteins von anderen EWR-Staaten geht, ist die Solidarität dann aber ganz vorbei. Nur gerade 27 Prozent sind der Meinung, dass hier mit Geld geholfen werden sollte. (sap)


Nachgefragt: «Sinkende Preise sind das wahrscheinlichste Szenario»
Christian Frommelt, Direktor des Liechtenstein-Instituts, zeigt sich erfreut über den hohen Rücklauf zur Umfrage «Öffentliche Meinung zur Coronapandemie in Liechtenstein». Die Resultate der Umfrage sind die ersten repräsentativen Angaben darüber, wie die Bevölkerung Liechtensteins die Coronapandemie wahrnimmt. Ein öffentlich zugänglicher Bericht zur Umfrage wird das Liechtenstein-Institut zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Die Sorge um eine Ansteckung durch das Coronavirus ist in Liechtenstein gering. Bei der Risikogruppe 65+ ist sie gar am tiefsten. Woran könnte dies liegen?
Das ist schwer zu sagen. Eva Marie Kessler, eine Alterspsychologin der Medical School Berlin, hat dazu im «Tagesspiegel» kürzlich den Spruch «alt sind immer die anderen» gebracht. Es sind demnach zwei unterschiedliche Dinge, ob ein höheres Lebensalter einen Risikofaktor darstellt oder ob sich eine ältere Person tatsächlich als alt und damit gefährdet fühlt. Eine weitere Erklärung für die geringe Sorge der Altersgruppe 65+ ist, dass man mit einer solchen Umfrage wohl vor allem die besonders «rüstigen» Personen der Altersgruppe erreicht. 

Brexit Bendern Christian Frommelt FL Institut

Christian Frommelt, Direktor des Liechtenstein-Instituts.

Persönlich sind 59 Prozent nicht besorgt, dass ihre finanzielle Situation durch die Krise schlechter wird. Auf der anderen Seite zeigen sich 65 Prozent besorgt über die wirtschaftlichen Folgen für Liechtenstein. Ist dies nicht ein Widerspruch?
Dieses Missverhältnis zwischen einerseits der Sorge um die wirtschaftlichen Folgen insgesamt und der relativ geringen Sorge über die eigene finanzielle Situation andererseits lässt sich auch in anderen Staaten beobachten. Als eine mögliche Erklärung hierfür wird oftmals genannt, dass die Befragten davon ausgehen, dass der Staat in einer Krise durch Finanzpa-kete und andere Massnahmen eine Stabilisierung herbeiführen oder zumindest Ausgleichmassnahmen bereitstellen würde, welche die eigenen finanziellen Folgen abmildern. Mit Blick auf Liechtenstein kann zudem argumentiert werden, dass sowohl Land und Gemeinden als auch viele Unternehmen und Privathaushalte über im internationalen Vergleich hohe Reserven verfügen. Dies mag das Vertrauen stärken, dass die Wirtschaft so stabil bleibt bzw. sich so rasch erholen wird, dass sich noch keine negativen 
Konsequenzen für die eigene finanzielle Situation ergeben werden. Zudem zeigt sich das Missverhältnis zwischen der Sorge um die wirtschaftlichen Folgen insgesamt und der geringen Sorge über die eigene finanzielle Situation nicht für Personen mit einem geringen Haushaltseinkommen und tiefem Bildungsniveau. Diese Personen sorgen sich gleichermassen um die eigene finanzielle Situation als auch um die Wirtschaft insgesamt und sind deshalb deutlich besorgter über die eigene finanzielle Situation als gut ausgebildete Personen und Personen mit einem hohen Haushaltseinkommen. 

33 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Beeinträchtigung der liechtensteinischen Wirtschaft länger als bis Sommer 2021 auswirken wird. Bei dieser Einschätzung gibt es bei den verschiedenen Altersgruppen grosse Unterschiede. Auch hier ist die Gruppe 65+ optimistischer.  Lässt sich diese Gelassenheit mit dem Alter begründen?
Mit Blick auf die Folgen der Coronapandemie für die liechtensteinische Wirtschaft würde ich nicht sagen, dass die Altersgruppe 65+ besonders gelassen ist. Es ist zwar richtig, dass – im Vergleich zu 33 Prozent aus allen Altersgruppen – nur 29 Prozent der Altersgruppe 65+ davon ausgehen, dass die Beeinträchtigungen der liechtensteinischen Wirtschaft länger als bis Sommer 2021 dauern. Umgekehrt glauben aber nur 2 Prozent der Altersgruppe 65+, dass die Beeinträchtigungen nur noch die nächsten Monate andauern werden – im Vergleich zu 10 Prozent als Durchschnitt aller Altersgruppen. Es ist vielmehr die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, welche am wenigsten besorgt ist über die Folgen der Coronapandemie für die liechtensteinische Wirtschaft. So sind in dieser Altersgruppe 57 Prozent eher oder sehr besorgt über die Folgen der Coronapandemie für die liechtensteinische Wirtschaft im Vergleich zu 75 Prozent bei der Altersgruppe 65+. Bezüglich der Dauer der Beeinträchtigungen glauben 29 Prozent der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, dass die Beeinträchtigungen der liechtensteinischen Wirtschaft nur noch die nächsten Monate andauern werden. 

69 Prozent glauben, dass die Arbeitslosigkeit in Liechtenstein in den nächsten zwölf Monaten steigen wird. Teilen Sie diese Ansicht?
Die Daten des Arbeitsmarkt Service Liechtenstein zeigen, dass die Coronapandemie bereits zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Liechtenstein von 1,6 Prozent im 
Februar auf 2,1 Prozent im Mai geführt hat. Im Juni blieb die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Anzahl der Stellensuchenden ist aber auch im Juni leicht gestiegen und die Anzahl der offenen Stellen leicht gesunken. Ich denke, dass sich dieser Trend wahrscheinlich noch fortsetzen wird – vor allem, wenn die Kurzarbeit ausläuft und die internationale Nachfrage anhaltend schwach bleibt. Im internationalen Vergleich wird die Arbeitslosigkeit in Liechtenstein wohl aber auch in den nächsten zwölf Monaten tief bleiben.  

Keine Mehrheit, aber doch 46 Prozent schätzen, dass die Preise steigen werden. Dies wäre aber bei einer wirtschaftlichen Krise eher untypisch, oder?
In der Vergangenheit wurden die meisten Rezessionen nachfrageseitig ausgelöst. Deshalb konnte man in Krisen auch meistens fallende Preise beobachten. Ist eine Wirtschaftskrise jedoch angebotsseitig bedingt, wie zum Beispiel in der Ölkrise der 1970er-Jahre, führt das geringere Güter- und Dienstleistungsangebot tendenziell zu steigenden Preisen. Die aktuelle Krise hat ihre Auslöser sowohl auf der Nachfrageseite, z.B. in Form von niedrigem Konsum, als auch der Angebotsseite wie z. B. durch Betriebsschliessungen. Folglich lassen sich die Effekte der Coronapandemie auf das allgemeine Preisniveau nur schwer einschätzen. Ein weiterer Faktor ist die Geldpolitik der einzelnen Notenbanken. Diese war in den letzten Monaten sehr expansiv, um die Märkte mit Liquidität zu versorgen. Erholt sich die Konjunktur, so werden diese Finanzmittel auch wieder investiert, was dann wiederum zu steigenden Preisen führen würde. Vorerst ist das Preisniveau im Frankenraum aber rückläufig. Die meisten Experten gehen davon aus, dass dies noch das ganze Jahr 2020 und etwas abgeschwächt auch 2021 so sein wird. Obwohl also nur 6 Prozent der in Liechtenstein befragten Personen in den nächsten zwölf Monaten sinkende Preise erwarten, scheint dies im Moment doch das wahrscheinlichste Szenario.  (sap)

21. Jul 2020 / 06:30
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6 KOMMENTARE
Virus
Am Beispiel Israel kann man nur lernen, dass man die Freiheit leider nicht mit einem Schlag zurück bekommt und man mit Einschränkungen leben muss. Das bedeutet keine Diskos, kein Fussball und keine Veranstaltungen.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 03.08.2020 Antworten Melden
Die Welt von Gestern
Wir müssen das Positive an dieser Krise sehen. Corona zeigt uns, dass der grenzenlose, durch Gier getriebene Globalismus keine Zukunft hat. Es zeigt uns, dass wir einen gesellschaftlichen Wandel brauchen. Weg von dieser oberflächlichen, amerikanisierten Spass- und Unterhaltungsgesellschaft zu einer durch gemeinsame Werte und Herkunft verbundenen Schicksalsgemeinschaft. Wir Liechtensteiner müssen wieder das "Eigene" schätzen lernen und zu unseren alten alemannischen Tugenden zurückfinden: Treue, Bescheidenheit, Arbeitsamkeit, Pflichtbewusstsein, Verbundenheit mit und Achtung vor Natur und Tier.
Unsere Ahnen, von denen wir viel lernen können, haben diesen kleinen Flecken Erde, der einst eine Wildnis war, zu einem Garten gemacht. Mit Zähigkeit, Überlebenswillen und harter Arbeit.
Ich bin mir sicher, wir Liechtensteiner, werden auch diese Krise meistern.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 27.07.2020 Antworten Melden
Wer aus lauter Angst stirbt...
ist auch tot.....
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.07.2020 Antworten Melden

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