• Prescription drug abuse, addiction in school setting.
    «Die Lehrpersonen nehmen das Thema sehr ernst», schreibt das Schulamt zum Drogen- und Medikamentenmissbrauch von Jugendlichen in Liechtenstein.  (fstop123)

Das sagt das Schulamt zum Drogenproblem

Das Schulamt nimmt Stellung zum Drogenkonsum der Jugendlichen an den Schulen und betont, dass dieser ein gesellschaftliches Problem sei.

Das «Liechtensteiner Vaterland» hat im Zuge der Berichterstattung über den Drogenkonsum und -handel einen Fragenkatalog an das Schulamt gesendet. Mittels eines Frage-Antwort-Schemas sollen die wichtigsten Punkte aufgegriffen werden.  

Ist der Drogenkonsum an den weiterführenden Schulen ein Problem?

Für den Artikel, der am 4. Februar 2020 im «Liechtensteiner Vaterland» erschienen ist, wurden vier Jugendliche befragt. Insgesamt besuchen in Liechtenstein aber rund 2 000 Schüler und Schülerinnen eine öffentliche Schule der Sekundarstufe I und II. Eine Generalisierung der Thematik ist daher schwierig. Selbstverständlich gilt es, jeden Einzel-fall ernst zu nehmen, weil jeder einer zu viel ist. Nach Einschätzung des Schulamts und des Amts für soziale Dienste weist ein Grossteil dieser Jugendlichen eine gesunde Entwicklung auf und verzichtet auf den Konsum von illegalen Substanzen. Bei Alkohol oder Tabak gibt es bei älteren Jugendlichen sicher mehr, welche diese schon konsumiert haben. Bei den Jüngeren bildet das Thema «Zocken» während der Freizeit eine grössere Herausforderung. Der Drogenkonsum von Heroin, Kokain, usw. ist an den Schulen nicht feststellbar. Hingegen dringt mit dem Missbrauch von Medikamenten und weiteren Substanzen ein komplexes ­gesellschaftliches Problem auch in die Schule ein. Fakt ist zudem, dass Jugendliche ihre Grenzen ausloten wollen und oft überfordert von den vielfältigen ­Erwartungen sind, die die Gesellschaft an sie heranträgt. Für Eltern und die Schulen ist die Erkennbarkeit allerdings schwierig, da der Konsum im Verborgenen stattfindet. 

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Wurden Schüler von der Schule suspendiert, weil sie illegale Substanzen bei sich trugen? 

Dem Schulamt ist ein einziger Fall bekannt, bei dem infolge einer «schulischen Fördermassnahme» die Zuweisung in die Timeout-Schule notwendig war. Schulausschlüsse (Art. 89 Schulgesetz) hat es bislang keine gegeben. Der Schulausschluss ist die schärfste Massnahme, die bei ausserordentlich schwerwiegenden Disziplinarverstössen ergriffen werden kann. Sie ist allenfalls mit dem Verbot verbunden, das Schulhausareal zu betreten. Daneben gibt es den Massnahmenkatalog. Darin sind unter anderem der mündliche oder schriftliche Verweis, das beaufsichtigte Nachsitzen, das Ultimatum, der zeitweise Ausschluss vom regulären Unterricht oder vom Besuch einzelner Fächer aufgeführt. 

Wie stehen Sie zu Aussagen von Eltern, dass in den Schulen zu wenig Prävention betrieben wird?

Aufgrund der Berichterstattung in den Medien sind die Eltern derzeit spürbar sensibilisiert und machen sich auch vermehrt Sorgen um ihre Kinder. Die Schule hat ihrerseits einen klaren Auftrag, Präventionsarbeit zu leisten. So bietet die Schulsozialarbeit den Klassen der ­Sekundarstufe I verschiedene Workshops an. Diese können breit angelegt sein oder sich auf einzelne Substanzen wie Alkohol, Cannabis oder den Mischkonsum fokussieren. Je nach Situation werden externe Fachstellen einbezogen. Aktuell führt die Schulsozialarbeit an verschiedenen Schulen Informationsveranstaltungen zur Sensibilisierung von Lehrpersonen durch. Bei der Weiterbildung für Lehrpersonen gibt es zudem regelmässig Angebote. Inhalte zur Prävention gibt auch der neue Lehrplan vor, der auf neuere Phänomene wie den Medikamentenmissbrauch und den Mischkonsum aufmerksam macht. 

Hinken die Schulleitungen und Lehrpersonen der Realität hinterher?

Nein. Ein altes afrikanisches Sprichwort besagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Es ist wichtig, dass sich die Gesellschaft um das Wohl der Kinder und Jugendlichen sorgt. Die Schule ist lediglich ein Akteur. Hier sind auch Eltern, die Jugendarbeit, Vereine, soziale Dienste gefordert. Die Schule hat einen Präventionsauftrag und kann in begrenztem Masse individuelle Probleme einzelner Schüler sofort erkennen. Falsch wäre es jedoch, zu erwarten, dass sie die vorhandenen gesellschaftlichen Probleme lösen kann. 

Haben Sie aufgrund der Berichterstattung Reaktionen erhalten?

Beim Schulamt sind noch keine direkten Rückmeldungen eingegangen. Wir wissen aber von Schulleitern wie auch Lehrpersonen, dass es direkte Rückmeldungen gegeben hat. Teilweise haben Schüler Mühe damit, unter Generalverdacht gestellt zu werden.

Können Eltern mit Schulsozialarbeitern in Kontakt treten?

Eltern sollen sich an die Schulsozialarbeit wenden. Die Schulsozialarbeit bietet den Eltern gezielte Informationen, Aufklärung und Beratung zu legalen und illegalen Substanzen. Zudem verfügt die Schulsozialarbeit über spezifische Erziehungstipps im Umgang mit konsumierenden Kindern. So ist es sehr wichtig, dass Eltern Position beziehen und ihre Haltung klar kommunizieren. Generell wird empfohlen, dass sich Eltern von Ärzten, Psychologen oder dem Amt für soziale Dienste begleiten lassen. Diese Weiterempfehlung an entsprechende Fachstellen wird von der Schulsozialarbeit bei Be-darf umgehend eingeleitet.

Worin liegt der Ursprung des Problems?

Der Ursprung liegt in negativen Facetten unserer heutigen leistungsorientierten Gesellschaft. Dazu gehört etwa der verschwenderische Konsum und hohe Erwartungsdruck bezüglich Karriere, Schönheit und Einzigartigkeit. Hinzu kommt die Neigung, Problemen durch Ersatzhandlungen eher aus dem Weg zu gehen. Verstärkt wird der Missbrauch durch die erleichterte Zugänglichkeit über soziale Medien und das Internet.

Ein Vorwurf lautet, dass die Lehrpersonen die Augen vor dem Problem verschliessen.

Dieser Vorwurf trifft nicht zu. Die Lehrpersonen nehmen das Thema sehr ernst. Letztlich gilt auch hier, dass es die ganze Gesellschaft braucht. Für Lehrpersonen wie auch Eltern ist der Konsum gerade im Bereich des Medikamentenmissbrauchs oft sehr schwer erkennbar. Pubertäre Herausforderungen, schwierige Situationen im Familien- oder Freundeskreis sowie Verhaltenssüchte und klassische Suchtmittel (z. B. Alkohol, Tabak, Cannabis) können Faktoren für eine Verhaltensänderung oder eine Krisensituation sein. Es spielen insbesondere eine gute Beziehung, offene Kommunikation sowie ein entsprechendes Vorbildverhalten der Erwachsenen eine zentrale Rolle. 

Was muss zusätzlich unternommen werden, um dem Problem zu begegnen?

Gefordert sind alle! Das Hauptaugenmerk soll auf Prävention, Früherkennung, Information und Öffentlichkeitsarbeit gelegt werden. Die Suche nach nachhaltigen Lösungen wird intensiviert: Wie können Druck und Stress von den Schülern reduziert oder genommen werden? Wie werden diese Probleme gesellschaftlich angegangen? Wie bekommen wir die Schüler vom negativen Verhalten in der Freizeit weg, und bestärken sie in einem positiven Verhalten? Aufschlüsse erwartet sich das Schulamt auch aus den Ergebnissen der in den vergangenen beiden Jahren durchgeführten Befragung von Schülern der dritten, fünften und achten Klassen. Hier wurden sie zu Stress in der Schule befragt. Mit der Auswertung ist im kommenden März zu rechnen. (qus/jka)

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06. Feb 2020 / 07:00
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