• Figures as a symbol for family
    Der Verein für betreutes Wohnen bietet eine sozialpädagogische Begleitung für Familien in schwierigen Situationen an. Allerdings erreicht die Hilfe viele betroffene Familien nicht.  (Denise Hasse)

Die Kompetenz der Eltern stärken

Medienkonsum und fehlende Zeit sind Gründe, weshalb immer mehr Kinder und Jugendliche eine schwierige Entwicklung durchmachen.

Recht auf eine gesunde Entwicklung – die Kinderlobby Liechtenstein hat dieses Thema im Jahr 2019 in den Mittelpunkt gestellt. Ein Thema, das aktueller ist denn je. Wie eine Studie der Sophie von Liechtenstein-Stiftung aufzeigt, sind circa 100 bis 130 Familien mit Kleinkindern in Liechtenstein stark belastet. Für diese Kinder besteht ein deutlich höheres Risiko für Beeinträchtigungen der Entwicklung mit lebenslangen gesundheitlichen, sozialen, schulischen und beruflichen Nachteilen. Betroffen davon sind rund 200 Kinder im Alter von null bis drei Jahren. An der Schlussveranstaltung der Kinderlobby vom 20. November soll deshalb vor allem das Thema «Frühe Hilfen für belastete Familien» im Vordergrund stehen. Denn wie die Studie aufzeigt, liegt hier der Hund begraben: Es wird in der Phase der frühen Kindheit keine systematische flächendeckende Früherkennung von sogenannten belasteten Risikofamilien betrieben. So bleiben diese Familien und deren Nöte unerkannt, bis ihre Kinder im Schulalter auffällig werden. Es gibt zwar viele Organisationen, die sich in diesem Bereich engagieren. Doch es fehlt an einer Koordinationsstelle, sodass gerade jene Familien, die Hilfe nötig hätten, durch das Raster fallen. In der Veranstaltung soll dieses Problem aufgezeigt und mögliche Lösungswege diskutiert werden.

Schulprobleme kommen oft nicht von ungefähr
Federführend in der Organisation der Veranstaltung ist neben der Kinderlobby dieses Jahr auch der Verein für betreutes Wohnen (VBW), der in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Denn mit seinem Angebot «Sozialpädagogische Familienbegleitung» ist er mit diesem Thema konfrontiert. Pro Jahr werden rund 45 Familien in schwierigen Situation begleitet und betreut. Ursula Beraus, Leiterin der Sozialpädagogischen Dienste des VBW, erzählt im neuen Haus an der Meierhofstrasse, wo die Jugendwohngruppe, aber auch die Dienststelle der Sozialpädagogischen Familienbegleitung untergebracht ist, womit diese Familien zu kämpfen haben. «Oft sind es Schulprobleme», sagt sie. Doch diese Probleme kommen nicht von ungefähr. Kann sich ein Kind zu Hause nicht optimal entfalten, wirkt sich das auf die gesamte Entwicklung aus. «Unser Ziel ist es deshalb, die Kompetenzen und Fähigkeiten der Eltern zu stärken und sie auf den richtigen Weg zu bringen», erklärt Ursula Beraus. 

Die Hemmschwelle ist für viele Familien zu gross
Das Bedürfnis für eine sozialpädagogische Familienbegleitung ist laut Beraus eindeutig da. In den Anfängen wurde von der Dienststelle eine Familie pro Jahr begleitet – heute kümmern sich vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen jeweils um sechs bis acht sogenannte Familiensysteme. Das heisst, nicht nur die Eltern, sondern auch Grosseltern, Geschwister, Schule und Ärzte werden einbezogen, um dem Hauptproblem auf den Grund zu gehen. 
Das Angebot der Sozialpädagogischen Familienbegleitung setzt jedoch oft zu spät an und ist zu hochschwellig an­gelegt, weil Familien den Weg über das Amt für Soziale Dienste machen müssen, wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen möchten. «Sozialpädagogi­­sche Familienbegleitung sollte leicht zugänglich sein. Frühe Hilfen sollten möglichst un­bürokratisch, offen und lebensweltennah geschaffen werden. Viel Leid, aber auch viel Geld und Zeit könnte gespart werden, wenn Hilfen früher ansetzen», ist Ursula Beraus überzeugt.
Werte sollten wieder mehr an Bedeutung gewinnen
Dass sich die sozialpädagogischen Schwierigkeiten häufen, sieht Ursula Beraus auch im Wandel der Gesellschaft: «Die Freizeitgestaltung hat sich verändert. Es fehlt an der gemeinsamen Zeit als Familie. Und auch die Medien haben ihren Einfluss. Denn wer oft ins Handy schaut, kann sich nicht mehr genügend mit seinen Kindern auseinandersetzen.»
Medien und Spielsucht spielen auch bei den Jugendlichen eine grosse Rolle, welche in der Jugendwohngruppe des VBW untergebracht sind. Oft bekommen sie dieses Problem alleine nicht mehr in den Griff. Die Gründe, weshalb sie in der Jugendwohngruppe und nicht bei ihrer Familie leben, sind indes sehr unterschiedlich: Vernachlässigung, Probleme und im­mer höhere Anforderungen in der Schule, Verhaltensprobleme, Krisen in der Familie etc. «Auffallend ist aber, dass die Jugendlichen immer mehr unter psychischen Problemen leiden», so Ursula Beraus. 
Der Medienkonsum, aber auch der Gesellschaftswandel könnte damit zusammenhängen. Zum Tag der Kinderrechte wünscht sich Ursula Beraus deshalb zum einen, dass wieder mehr Werte gelebt und diese den Kindern auch vermittelt werden. Zum anderen wünscht sie sich einen Austausch zwischen der Politik und den Anbietern von frühen Hilfen. «Familien und Jugendliche sollten gehört und die Bedürfnisse wahrgenommen werden. Das ist mein grosser Wunsch», so die Leiterin der Sozialpädagogischen Dienste des VBW. (manu)

03. Nov 2019 / 19:02
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
27. November 2019 / 21:19
19. November 2019 / 05:00
Aktuell
13. Dezember 2019 / 17:25
13. Dezember 2019 / 16:36
13. Dezember 2019 / 16:28
13. Dezember 2019 / 16:11
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
13.11.2019
Facebook
Top