• Als die Segler von einer unerwarteten Wetterfront überrascht wurden, musste Dominique Marxer das Segel auch schon mal im Pyjama reffen.

Dem ersten grösseren Sturm entkommen

Seit etwas mehr als drei Monaten sind Dominique Marxer und Maja Sanchez auf ihrer Segeljacht Yemaya unterwegs mit dem ersten Zwischenziel Karibik. Derzeit bereiten sie noch die letzten Dinge für die bevorstehende Atlantiküberquerung vor.
Eschen. 

Seit Mitte September befinden sich die Zürcherin Maja Sanchez und der Eschner Dominique Marxer auf einer Segelreise rund um die Welt. Nach einem stürmischen Start in Südfrankreich erreichten sie bereits nach wenigen Tagen Korsika, später Sardinien, wo sie einige Zeit verbrachten, um sich langsam an das Abenteuer Weltreise heranzutasten. 

Leuchtendes Plankton und Delfine
Auf ihrer ersten längeren Fahrt von Sardinien auf die Balearen hatten sie während zwei Tagen und zwei Nächten Zeit, diverse Manöver zu üben. Dabei nahmen sie erstmals auch die schwedische Windfahne in Betrieb, die das Schiff selbstständig lenken kann. Auf dieser Überfahrt sahen sie auch schon die ersten Delfine am Boot vorbeischwimmen. «Leider waren sie meistens schon weg, bis ich aus dem Boot herausgekommen bin», bedauert Sanchez. Als beeindruckendstes Erlebnis bei den nächtlichen Fahrten bezeichnet die Hobby-Seglerin aber die leuchtenden Planktonansammlungen (= winzig kleine Organismen), die an ihnen vorbeizogen: «Ich hätte nie gedacht, dass es in der Realität wirklich so kitschig schön aussieht wie im Film ‹Life of Pi›. Das schäumende Kielwasser verwandelte sich in einen weiss-blau leuchtenden Schweif von Plankton und zwischendurch tauchten immer wieder Lichtbälle auf bis an die Oberfläche.» 
In Menorca angekommen, mieteten sie für sechs Tage ein Auto, um sich die Insel mit den vielen historischen Festungen anzuschauen. Doch auch in dieser Zeit liess sie das Segel-Gen nicht los. Bereits am ersten Tag stiessen sie von der Küste aus auf einen Schiffsnotfall. Mithilfe eines Rettungsbootes versuchte Dominique, einem weiteren Segler zu helfen, das Boot aus der gefährlichen Küstenzone wegzubringen. Doch durch mehrfaches Fehlverhalten des offenbar verwirrten Kapitäns landete das Boot schliesslich doch in den Klippen. «Es war sehr verstörend, bei diesem Vorfall zuzuschauen, da sich sowohl die Polizei wie auch die Seerettung für den Fall nicht zuständig fühlte und der verwirrte Kapitän mehr oder weniger in Stich gelassen wurde», so Sanchez. Die freien Tage nutzten die beiden auch, um diverse Schiffsläden nach fehlendem Equipment abzuklappern. «Hier haben wir endlich jemanden gefunden, der uns den Motor des Beiboots reparieren konnte», erklärt Dominique Marxer.

Verschworene Seglergemeinschaft
Über Mallorca segelte das Paar nach Ibiza, wo sie in einer traumhaften Bucht ankerten, bevor es weiter zum spanischen Festland ging. Anstatt der geplanten 24 Stunden waren die beiden eineinhalb Tage unterwegs, da sie aufgrund des Gegenwindes aufkreuzen mussten. Wie schon in Menorca verbrachten sie in Cartagena eine ganze Woche, um weitere Besorgungen zu machen und die Stadt anzuschauen. Dort lernten sie mehrere Segler kennen, die sie mittlerweile immer wieder trafen. «Egal ob reich oder arm, ob grosses oder kleines Boot, als Segler ist man auf der gleichen Augenhöhe. Man hilft sich, tauscht Wetterdaten wie auch Seekarten aus», schwärmt Maja Sanchez von der Verschworenheit der Seglergemeinschaft. Bei ihrem nächsten Stopp in Almerimar erledigten die Segler ihren ersten Grosseinkauf für die Atlantiküberfahrt. Vier volle Einkaufswagen mussten auf dem 9 m2 kleinen Schiff verstaut werden. Doch die Liste der Besorgungen war damit noch lange nicht abgearbeitet. Obwohl sie gut vorbereitet starteten, standen weiterhin noch zahllose Kleinigkeiten an: Der Mast musste neu ausgerichtet, Dichtungen ersetzt, das Material befestigt oder Reservematerialien bestellt werden. «Bis auf vier bis fünf Tage in zwei Monaten hatten wir immer etwas zu tun wie zum Beispiel Bestellungen zu tätigen, Sachen zu reparieren oder Ersatzteile zu besorgen», sagt Marxer. 

Mit der Überquerung der Strasse von Gibraltar stand nach einem Monat die erste grössere Herausforderung an: «Wir sind mit anderen Seglern zusammengesessen und haben stundenlang diskutiert, wann die günstigste Zeit ist, die Meerenge zu passieren», erzählt Marxer. Die Gegenströmung wie auch der Einfluss von Ebbe und Flut erschweren das Vorhaben, von Gibraltar auf den Atlantik hinauszukommen. «Es war beruhigend zu sehen, dass auch viel erfahrenere Segler die gleichen Sorgen wie wir haben», gesteht Sanchez. Schliesslich hatten sie den richtigen Zeitpunkt erwischt und wurden von den sich in den Atlantik zurückziehenden Wassermassen durch die Meerenge von Gibraltar nach draussen geschoben.  

Im Pyjama die Segel gerefft
Auf dem Atlantik angekommen, ging es herausfordernd weiter. «Dort hatten wir aufgrund eines Sturmes weit draussen auf dem Meer mit drei bis vier Meter hohen Wellen zu kämpfen», so Marxer. Dabei seien nicht unbedingt die grossen Wellen das Problem, sondern eher die kleinen, auf die das Boot sehr empfindlich reagiere. «Beim Öffnen einer Schranktür muss man den Schrank möglichst schnell wieder schliessen, damit einem nicht alles entgegenfällt.» Auch haben sie auf der ersten sechstägigen Überfahrt erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man von einer kleinen Wetterfront überrascht wird. «Dann kann es schon passieren, dass man mal im Pyjama die Segel reffen (= Segelfläche verkleinern) muss», sagt Marxer aus eigener Erfahrung. Innert kurzer Zeit steige dabei die Windstärke – begleitet von Starkregen – um 10 bis 15 Knoten an. Dem einzigen grossen Sturm, der vor Kurzem auf Teneriffa grosse Schäden anrichtete, sind sie knapp entkommen. «Weil wir wussten, dass ein Sturm aufzieht, haben wir zusätzlich den Motor eingesetzt», so Marxer. Da sie das Wetter aber anders einschätzten, mussten sie schliesslich bei schwerem Wellengang nachtanken, was sich verständlicherweise als kompliziert herausstellte. Jedenfalls liefen sie ein paar Stunden vor dem grossen Sturm in Lanzarote ein, wo sie seither im Hafen liegen. Eine Gruppe Liechtensteiner, die sie unterwegs kennenlernten und die wenige Stunden nach ihnen startete, hatte weniger Glück und ist von dem Sturm erwischt worden. 
Wenn die letzten Vorbereitungen getätigt sind und das Wetter sich günstig zeigt, starten die beiden Abenteurer mit ihrer Segeljacht demnächst in den Atlantik Richtung Karibik. Für diese Etappe werden sie drei bis vier Wochen auf hoher See sein. (mk)

Die Reise mit dem aktuellen Standort kann online live unter www.sy-yemaya.com/de/standort 
mitverfolgt werden. 

04. Jan 2019 / 19:10
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