• Schloss Vaduz
    So sah das Schloss Vaduz früher einmal aus.

Burg und Schloss in Liechtenstein

Um das 12. und 13. Jahrhundert wurden zwei heute noch das Bild der Landschaft Liechtensteins dominierende Bauten errichtet, nämlich die Burg Gutenberg und das Schloss Vaduz, das im Übrigen auch als Burg errichtet wurde. Ihre Geschichte ist spannend.

Burgen wurden bereits seit der Antike errichtet. Allerdings erreichten sie erst im Mittelalter ihre herausragende Stellung in der Architektur.

Was ist eine Burg im Unterschied zu einem Schloss?

Bei einer Burg handelt es sich um einen bewohnbaren Bau, der vorrangig zur Verteidigung, aber auch zur Demonstration von Macht diente. Das ist auch der Grund, warum Burgen meistens an wichtigen, herausragenden geografischen Standpunkten errichtet wurden, und zwar als Fluchtstätte für die umliegende Bevölkerung, wenn Feinde durch das Land streiften und plünderten, und als wichtige Verteidigungsstätten. Diese Funktion verloren sie jedoch zu Beginn der Neuzeit. Das lag entscheidend an den neuen Waffentechniken wie der Kanone, der die Burgmauern nicht mehr standhalten konnten.

Burg des 13. Jahrhunderts als Neubau in Frankreich

Ein einmaliges und interessantes Projekt unserer Zeit ist der Bau einer Burg im französischen Guédelon auf dem Gebiet der französischen Gemeinde Treigny, etwa 30 Kilometer westlich der französischen Autoroute A 77, mit den Mitteln der damaligen Zeit. Nach den Prinzipien der experimentellen Archäologie werden bei diesem Rekonstruktionsprojekt nur Techniken aus dem 13. Jahrhundert angewandt, der Baubeginn war 1997. Die Fertigstellung der Burg ist für das Jahr 2023 geplant.

Burg Baustelle

«Archäologische Baustelle»: Im französischen Guédelon entsteht eine Burg aus dem 13. Jahrhundert mit damaligen Mitteln.

Dabei kommen Methoden des 13. Jahrhunderts zur Anwendung. Es wird, soweit wie möglich, auf moderne Technik wie Kräne, Baumaschinen und Wasserwaagen verzichtet. Das Projekt wird unter möglichst authentischen Bedingungen durchgeführt. Daher tragen die Handwerker und Mitarbeiter mittelalterliche Gewänder, auf der Baustelle finden sich keine modernen Werkzeuge oder Hilfsmittel, abgesehen von persönlicher Schutzausrüstung wie Schutzbrille und Stahlkappenschuhen. Sämtliche Werkzeuge und Hilfsmittel wie Tretkräne, Lehrgerüste und Gewölbeschalungen werden auf der Baustelle selbst hergestellt. Transportarbeiten werden mit grossrädrigen Pferdekarren bewerkstelligt. Um die Baustelle herum ist mittlerweile eine ganze Siedlung von Zulieferern entstanden, in der Handwerker unter anderem Dachschindeln, Körbe, Töpferwaren, Fliesen, Nägel, Werkzeuge, Seile, Balken, Wolle und Kleidung herstellen; ausserdem werden Pferde, Schafe, Schweine, Gänse, Hühner und Enten gehalten. Ein Besuch lohnt sich also unbedingt und bietet, gerade auch für Schülerinnen und Schüler, einen hervorragenden Anschauungsunterricht.

… was ist bei einem Schloss anders als bei einer Burg?

Ein Schloss diente im Gegensatz zu einer Burg als Wohnstätte, nicht zur Verteidigung, und zur Repräsentation. Schlossherren empfingen ihre Gäste und stellten ihren Reichtum zur Schau. Auch pflegte man um die Schlösser

herum grosse Gärten anzulegen, die ebenfalls den Reichtum und den guten Geschmack des Besitzers bezeugen sollten. Die Schlösser lösten die Burgen in ihrer Bedeutung zu Beginn der Neuzeit ab. Auch wurden ehemalige Burgen häufig zu pompösen Schlössern umgebaut. Das Schlosszeitalter dauerte etwa bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts an.

Burghügel von Gutenberg war schon früh besiedelt

Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass der Burghügel in Balzers seit der Jungsteinzeit besiedelt ist und wahrscheinlich schon zu dieser Zeit als Kultplatz genutzt wurde. Bei Grabungen 1982 wurden in den Fundamenten der Burg Teile einer Trockenmauer aus der jüngeren Eisenzeit entdeckt. Auf ihnen stehen wiederum Mauerwerke römischen Ursprungs. Mehrere Münzfunde (geprägt etwa 350 n. Chr.) deuten auch auf einen möglichen römischen Wachposten hin. Vor dem Bau der Trutzburg wurden der Platz des Burginnenhofes und andere Flächen des Burgareals als Bestattungsstellen genutzt.

Burg Gutenberg

Die hochmittelalterliche Burg Gutenberg thront auf einem rund 70 Meter hohen und auf allen Seiten freistehenden Felshügel im Zentrum der Gemeinde Balzers.

Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass dem Burgbau ein Kirchenbau mit einem Friedhof vorausgegangen ist. Dieser wurde im 12. Jahrhundert aufgegeben und stattdessen eine Ringmauer erstellt. In einer weiteren Bauphase wurde ein Burgturm gebaut. Unter dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. fand wiederum eine grössere Bautätigkeit statt, um wohl Schäden aus einer Belagerung im Schwabenkrieg von 1499 zu beseitigen und um weitere Sicherungsmassnahmen zu treffen. Die Burg Gutenberg besass bis mindestens 1537 eine Zugbrücke, die aber bei einem Sturm zerstört wurde.

Seit dem 13. Jahrhundert lebten auf der Burg die Herren von Frauenberg. 1314 ging die Burg in den Besitz der Habsburger über. Diese nutzten sie als Wachposten gegen die Eidgenossen, die beim St. Luzisteig lagerten. Von zahlreichen Kämpfen und Belagerungen zeugen verschiedene Einschusslöcher in der Burg. Im Alten Zürichkrieg gingen weite Teile von Balzers in Flammen auf. In der folgenden Zeit verfiel die Burg zunehmend, und nach einem Dorfbrand im Jahr 1795 wurde sie schliesslich auch als Lieferant von Baumaterial zum Wiederaufbau des Dorfes genutzt, sodass die Burg zur Ruine wurde. 1824 erwarb die Gemeinde Balzers die Ruine und die Güter und 1905 wurde sie dem Maler, Bildhauer und Architekten Egon Rheinberger verkauft. Bis 1912 wurde die verfallene Burg von ihm möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. Als zusätzliche Bauten wurden u. a. eine Kapelle, eine Kaplanei und eine Schmiede hinzugefügt. Beim Ausbau der Innenräume und der Gestaltung der Innenräume hatte er aber völlig freie Hand, da nichts vom ehemaligen Bestand erhalten geblieben war. Die Ausstattung der Burg wurde von Egon Rheinberger zum grössten Teil im Kunsthandel erworben und zum Teil auch neu erstellt. Diese Stücke wurden u. a. in der Erbgemeinschaft aufgeteilt, aber einige wurden auch ins Liechtensteinische Landesmuseum überführt. 1979 hat das Land Liechtenstein die Burg erworben.

Die Geschichte von Schloss Vaduz ist sehr spannend

Die Entstehungszeit der Vaduzer Burganlage ist nicht sicher belegt. Heute wird aber davon ausgegangen, dass die ersten Gebäudeteile im 12. Jahrhundert erbaut worden sind. Der Bergfried wurde wahrscheinlich als einer der ersten Bauten errichtet und später durch einen Wohnturm ergänzt, der auf das Jahr 1287 datiert werden kann. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage sukzessive ausgebaut und erweitert. 1322 wurde das Schloss zum ersten Mal erwähnt: Die Anlage wurde samt Bau und Baumgarten bei der Burg und samt Leuten in Vaduz und Triesen für 400 Mark Silber an Vogt Ulrich von Matsch verpfändet. 1338 erhielt Ulrich von Montfort die Burg als Leibgeding. Bei der Teilung der Sarganser Grafschaft erhielt am 3. Mai 1342 Graf Hartmann III. von Werdenberg die Burg und das Gebiet. Als Graf Hartmann I. nahm er Sitz auf seiner Burg und benannte seine Linie nach dem Herrschaftssitz.

Schloss Vaduz

Schloss Vaduz ist heute das Wahrzeichen des Hauptortes und Sitz des Fürstenhauses.

Von 1416 bis 1507 waren Burg und Gebiet Vaduz im Besitz der Freiherren von Brandis. Im Schwabenkrieg brannten die Eidgenossen das Schloss am 12. Februar 1499 nieder. Burgherr Ludwig von Brandis sorgte nach dem Friedensschluss und seiner Freilassung für die Wiederherstellung der Burg. 1507 bis 1613 waren die Grafen von Sulz Besitzer. Sie liessen die Burg erweitern und in festungstechnischer Hinsicht verbessern. So wurden u. a. eine Kapelle und zwei Rondelle mit einer Mauerstärke von rund fünf Metern errichtet, die sowohl als Geschützbastion als auch als Wohnstätten dienten. Heute enthalten sie das Depot für die fürstliche Kunstsammlung. Ihnen folgten als Besitzer die Grafen von Hohenems, die das Schloss bis 1712 vervollständigten. Seit 1712 befindet sich das Schloss im Besitz der Fürsten von Liechtenstein. In der Zeit von 1712 bis 1732 diente es, nun Hohenliechtenstein genannt, als Sitz der Landvogtei mit Dienstwohnungen im Westtrakt. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten verfiel die Burg zunehmend. Fürst Johann II. unternahm von 1905 bis 1912 schliesslich eine durchgreifende Wiederherstellung. Fürst Franz Josef II. liess es wohnlich ausbauen und nahm 1939 mit seiner Familie ständigen Wohnsitz im Schloss. Die Schlosskapelle im Erdgeschoss des Südtraktes geht auf das Hochmittelalter zurück und bestand wahrscheinlich bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung. In ihrer jetzigen Gestalt geht sie auf die Freiherren von Brandis zurück und ist der heiligen Anna geweiht. Zeitgleich mit den beiden Burgen entstand übrigens in Mäls die St.-Peter-Kapelle. (vv)

Schloss Werdenberg

Schloss Werdenberg: Der Bau des Bergfrieds begann um 1228 unter Graf Rudolf von Montfort.

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Das Liechtensteiner «Vaterland» veröffentlicht in loser Folge Berichte zu historischen Ereignissen und weiteren Besonderheiten in der Geschichte Liechtensteins

02. Jun 2019 / 06:00
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