• Vor dem Anzünden der bengalischen Feuer genoss Egon Schurte immer die abendliche Stimmung auf dem Gipfel.

Bengalische Feuer auf 2562 m ü. M.

Am 15. August werden auf den hiesigen Bergspitzen 90 Höhenfeuer leuchten. Die Familie Schurte kümmert sich seit 1966 um den Falknis.

Mit der Absage des Volksfestes  in Vaduz stehen dieses Jahr die Höhenfeuer, die Krone auf Tuass und der Fackelzug über den Fürstensteig im Fokus. Während in vorangegangenen Jahren jeweils etwa 60 Höhenfeuer brannten, werden laut Constantin Frommelt von der Bergrettung am kommenden Staatsfeiertag knapp 90 Bergspitzen mit bengalischen Feuern erleuchtet werden. Auf vielen Gipfeln ist das Höhenfeuer bereits eine lange Familientradition, die von Generation zu Generation weitergeführt wird. Das Höhenfeuer auf dem Falknis (2562 m ü. M) wird seit 50 Jahren von der Familie Schurte aus Triesen angezündet. Egon Schurte und seine Kinder Nicole und Reto Schurte können darüber so einige Geschichte erzählen.

Im Jahr 1966 beginnt die Familientradition

Am Nachmittag mit den schweren Fackeln auf die Bergspitze wandern, mit einem Schlückchen Rotwein den Abend geniessen, um 21.15 Uhr die Höhenfeuer anzünden und danach im Dunkeln über Stein und Fels zur Lawena absteigen und dort mit den anderen «Höhenfeurern» zu einem Abendessen zusammenkommen. Dieser Ablauf steht bei der Familie Schurte

seit 1966 jedes Jahr am Staatsfeiertag auf dem Programm. In jenem Jahr übernahm Egon Schurte von Josef «Pepi» Frommelt (2019 †) die Aufgabe, jährlich am Staatsfeiertag auf den Falknis zu wandern und dort das Höhenfeuer zu zünden. «Ich hatte einen Riesenstolz, als Pepi mich fragte, ob ich die Aufgabe übernehmen kann», erzählt Schurte. Er war seither an 38 Staatsfeiertagen dort oben – und das bei jeder Witterung: «Bei schönem Wetter ist es da oben ein Traum. Man kann dort immer viele Steinböcke beobachten. Doch auch bei Gewitter und Hagel waren wir schon oben. Nur wenn die Höhenfeuer allgemein abgesagt wurden, ging auch ich nicht hinauf.»

Bei Wind und Wetter auf dem Falknisgipfel

Während der vielen Abende, die  Schurte am Staatsfeiertag auf dem Falknis verbrachte, hat der Triesner so einiges erlebt. «Ich nahm immer wieder ein paar Leute mit hoch, die die Höhenfeuer einmal miterleben woll-ten. Oft blieb ich nach dem Feuer auch gerade über Nacht dort. Einmal, als ich mit meinem Schwager, den Kindern und einem italienischen Bekannten dort übernachtete, zog in der Nacht ein Gewitter mit Blitz, Donner und Hagel auf. Aus dem Zelt des Italieners hörte man nur ‹Mamma, Mamma Mia› und die Kinder hatten eine Riesengaudi. Mit mir im Zelt fürchteten sie sich nicht und kicherten jedes Mal wieder los, wenn man Geräusche aus dem anderen Zelt hörte. Auch der Abstieg über die Enderlinhütte am nächsten Tag war nicht einfach. Es war ein grosses Drama, bis wir mit den Kindern und dem Italiener endlich unten waren. Solche besonderen Erlebnisse habe ich viele gemacht. Besonders schöne und auch manchmal weniger gute.»

Drei Generationen des Falknis-Höhenfeuers

Schurtes Kinder Nicole und Reto erlebten bereits mit fünf Jahren das erste Höhenfeuer. Vor etwa acht Jahren traten sie die Nachfolge ihres Vaters an, da er altersbedingt bei Nacht nicht mehr vom Falknis herunter wandern kann. Auch Schurtes Enkelin, Noele Schurte, gefällt die Familientradition. Sie war mit zehn Jahren zum ersten Mal beim Höhenfeuer auf dem Falknis dabei und war auch schon vorher einige Male auf dem Gipfel. Die heute 20-Jährige kann sich auch gut vorstellen, irgendwann die Nachfolge anzutreten: «Das Höhenfeuer auf dem Falknis ist eine sehr schöne Sache, die ich auch in Zukunft bewahren möchte.»

Seit Egon Schurtes ersten Jahren auf dem Falknis hat sich in Sachen Höhenfeuer mittlerweile einiges geändert, erzählt der Triesner: «Die ersten Höhenfeuer auf dem Falknis haben damals Gabriel Negele (1994 †) und Alexander Frick (1991 †) mit Holz entzündet. Als ich zum ersten Mal dabei war, verwendeten wir aber schon zusammengebundene Fackeln. Die waren aber noch um einiges schwerer als die heutigen, etwa 2 Kilogramm schweren bengalischen Feuer.» Auch der Abstieg hat sich seither ein wenig erleichtert, sagt Schurte: «Heute sind die Wanderwege viel besser als früher und mit den Stirnlampen hat man auch die Hände frei, um sich festzuhalten. Zu Beginn wanderten wir  noch mit Fackel in der Hand zurück. Man konnte sich nicht gut festhalten und die Fackeln tropften ständig und brannten Löcher in die Kleidung.»

Der besondere Reiz und ein bisschen Pflichtgefühl

Doch auch heute ist der Auf- und Abstieg am Falknis vor allem bei schlechtem Wetter nicht ungefährlich. «Letztes Jahr hat es so stark gewindet und geregnet, dass ich, oben angekommen, nicht einmal schaffte, die sonst wasserfesten bengalischen Feuer anzuzünden», erzählt Reto Schurte. Bei solchen Wetterbedingungen verfluche man die Tradition schon auch manchmal, gesteht Nicole Schurte: «Der Abstieg im Dunkeln ist stellenweise sehr heikel und wir hatten schon einige Schutzengel. Trotzdem geht man immer wieder.»

Die Geschwister sind sich einig, dass es doch auch seinen bestimmten Reiz hat, unter so extremen Bedingungen in die Berge zu gehen, «und man weiss vorher nie, ob die Wolken bis 21.15 Uhr doch noch auftun», meint Reto Schurte. Es ist auch ein bisschen das Pflichtgefühl der Familientradition gegenüber, das die Familie auch bei schlechtem Wetter auf den Falknis zieht. Zudem kompensieren die schönen Abende auf dem Falknis alle verregneten Höhenfeuer-Erlebnisse, meint Egon Schurte. «Es ist ein sehr besonderes Erlebnis, beim Eindunkeln auf dem Gipfel zu sitzen und zuzusehen, wie rundherum auf den anderen Bergspitzen die Fackeln angehen.»

Grauspitz-Höhenfeuer ist dieses Jahr das Höchste

Der Falknis war mit 2562 m ü. M. bisher der höchste Berg, auf dem Höhenfeuer gezündet wurden. «Deshalb haben wir auch das Privileg, dass wir vier bengalische Fackeln anzünden dürfen, während auf den anderen Bergspitzen jeweils nur eine brennt», sagt Egon Schurte. Dieses Jahr soll neben etwa dreissig anderen zusätzlichen Bergspitzen auch der Grauspitz  beleuchtet werden. Der Grauspitz ist mit 2599 m ü. M. noch etwas höher und schwieriger zu erreichen. Zudem kommen viele weitere Spitzen hinzu, die man dann von Malbun und Steg aus gut sehen kann, sagt Constantin Frommelt von der Bergrettung.

Mit den zusätzlichen Höhenfeuern und der Erhöhung der Teilnehmerzahl am Fackelzug über den Fürstensteig werden am 15. August gesamthaft etwa 400 Personen daran beteiligt sein, die einheimischen Berge zu beleuchten. «Die Anzahl an Leuten, die den Staatsfeiertag auf diese Weise zu etwas Besonderem machen, ist dieses Jahr somit noch grösser. Es ist schön, dass nun die Aufmerksamkeit wieder einmal auf dieser schon über 75 Jahre alten Tradition liegt», so Frommelt. (ak)

30. Jul 2020 / 07:00
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1 KOMMENTAR
Keine Krone, sondern Fürstenhut auf Tuass
Die im Artikel erwähnte "Krone" auf Tuass ist ein "Fürstenhut". Siehe Wappengesetz von 1982.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 30.07.2020 Antworten Melden

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