• Dank dem guten Mix aus Regen und Wärme sind diese Steinpilze in der Nähe von Altstätten sehr gross geworden. Bild: zvg

Achtung beim Pilzsammeln – 95 Prozent sind ungeniessbar

Regelmässiger Regen bei warmen Temperaturen lassen die Pilze derzeit nur so aus dem Boden schiessen. Wo es Pilze gibt, sind auch ihre Sammler nicht weit entfernt. Doch Unwissenheit kann zum Tod führen. Daher ist der Gang zur Kontrollstelle unumgänglich.

Der Sommer war zu trocken. Pilze gab es kaum welche. Aber nun stehen die Wanderschuhe im Flur wieder bereit, daneben das Körbchen, der Rucksack oder die Tasche. Sammler aus der Region sind bereit für die Pilzhochsaison. Sie dauert von September bis Oktober. Und die Wetterbedingungen sind derzeit optimal – nicht zu trocken, aber auch nicht zu nass.
Die Pilzkontrolleurin Sabine Gahr hatte in den vergangenen Tagen sehr viele Pilzarten bei ihr auf dem Untersuchungstisch liegen. Doch nicht alle, welche von den fleissigen Sammlern gepflückt wurden, sind tatsächlich auch zum Verzehr geeignet. «In Liechtenstein kommen rund 2000 verschiedene Pilzarten vor. Nur ungefähr 90 davon stehen auf der Liste der geniessbaren Pilze», sagt Oliver Müller, Abteilung Wald und Landschaft beim Amt für Umwelt. Alle anderen sind entweder ungeniessbar oder giftig.

Die Ähnlichkeit ist eine grosse Gefahr
«Seit Beginn der Pilzhochsaison habe ich einen giftigen Pilz aussortiert. Es hatte bei den Kontrollen aber auch einige darunter, die nicht geniessbar, verdorben oder bereits zu alt waren», erklärt die Pilzkontrolleurin Sabine Gahr. Die meisten Pilzsammler sind erfahren, deshalb ist die Zahl der gesammelten giftigen Pilze relativ gering. Auch die Expertin in Sachen Pilze rät, sich vor dem Sammeln mit einem Pilzverein oder mit Bekannten in Verbindung zu setzen, die bereits über Wissen verfügen. «Ein allgemeines Pilzbuch hilft beim Sammeln nicht weiter. Es gibt viel zu viele Arten, die sich zu sehr ähneln», so Gahr. Wenn überhaupt solche Fachbücher zu konsultieren seien, dann nur jene, die sich auf spezifische Regionen beziehen. «Dadurch kann die Verwechslungsgefahr bereits etwas reduziert werden», sagt die Pilzkontrolleurin. 
Nicht umsonst warnt Sabine Gahr vor Giftpilzen, denn diese können unter Umständen sogar tödlich sein. «Die harmloseren Giftpilze verursachen eine Magenverstimmung. Durchfall und Erbrechen sind klare Anzeichen», so die Expertin. Die tödlichen Pilze hingegen greifen die Organe des Menschen an. Der Grüne Knollenblätterpilz gilt als der bekannteste und gefürchtetste Giftpilz Europas. Er wächst auch in Liechtenstein. Das Gefährliche: Die Symptome treten erst nach 14 Tagen auf – doch dann ist es bereits zu spät. Der Knollenblätterpilz greift Leber, Niere oder die Lunge an. Er kann zu Atmungslähmung oder Herzstillstand führen. «Daher ist es sehr wichtig, die Pilze immer kontrollieren zu lassen», sagt Gahr. Der Expertin können Pilze selbstverständlich auch zur Artenbestimmung vorgelegt werden. Dabei sei aber wichtig, dass die Sammler nicht gleich mehrere Dutzend dieser unbekannten Sorte pflücken und mitnehmen, sondern lediglich ein bis zwei Stück, mitsamt Hut und Stil.
«Da es stets möglich ist, dass diese Pilzarten nicht zum Verzehr geeignet sind, wäre es sehr schade, wenn so viele von ihnen weggeworfen werden müssten», erklärt die Kontrolleurin. Denn Pilze nehmen eine wichtige Stellung im Ökosystem ein. «Sie bauen totes, organisches Material ab und sorgen dafür, dass die im toten Material gebundenen Nährstoffe im Boden wieder zur Verfügung stehen», erklärt Oliver Müller vom Amt für Umwelt. Oftmals gehen Pilze auch Symbiosen mit Bäumen ein. Dabei würden laut Müller beide von der Partnerschaft profitieren: «Sehr vereinfacht gesagt, versorgt der Pilz den Baum mit Nährstoffen und Wasser. Im Gegenzug erhält er vom Baum Zucker, der bei der Photosynthese anfällt», so Müller.

Beim Sammeln und Lagern gibt es Regeln
Der beste Ort, um in Liechtenstein Pilze zu sammeln, muss jeder «Pilzler» für sich selbst finden. «Es gibt Pilzarten, die Wiesen bevorzugen, ebenso wie solche, die im Nadel-, Misch- oder Laubwald am Boden oder sogar auf Bäumen oder Baumstümpfen wachsen», sagt Müller. Somit kann jeder Pilzsammler seinen eigenen Lieblingsplatz für sich ausfindig machen. Diese bleiben meist aber ein gut gehütetes Geheimnis. Die Pilzkontrolleurin verrät aber: «Schellenberg ist sicher einer dieser Geheimtipps.» 
Beim Sammeln der Pilze gilt es, einige Regeln zu beachten. So darf während des ganzen Jahres nur jeweils vom 11. bis zum letzten Tag des Monats in der Zeit zwischen 8 Uhr und 20 Uhr gesammelt werden. «Zudem dürfen an diesen Tagen pro Person und Tag insgesamt höchstens ein Kilo Steinpilze, Eierschwämme und Morcheln gesammelt werden», sagt Müller. Von den übrigen Speisepilzen dürfen insgesamt zwei Kilo mitgenommen werden. Ausserdem ist das Sammeln in Gruppen von mehr als drei Personen, ausgenommen Familien, verboten. 
Während und vor allem auch nach der Jagd nach den besten und schönsten Pilzen ist die richtige Lagerung entscheidend: Wildpilze sollten nie in Plastiksäcken aufbewahrt werden. Ansonsten bilden sich giftige Gase. «Zu empfehlen ist eine Papier- oder Stofftüte», so die Expertin. Sie rät auch, die Pilze noch am gleichen Tag zu verarbeiten. «Daher nehme ich auch sehr kurzfristige Termine zur Pilzkontrolle an», sagt Gahr. (jka)

20. Sep 2018 / 08:00
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