• Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen
    In diesen blauen Fässern wartet der Schnaps darauf, von Andreas Steinauer redestilliert zu werden.  (Daniel Schwendener)

750 Liter hochprozentigen Alkohol gebrannt

Andreas Steinauer brennt heute die letzten Schnäpse der Landesverwaltungsmitarbeiter zu Ethanol um. Stolze Ausbeute: 750 Liter.

Warum alte Schnapsbestände im Keller verstauben lassen, wenn sich daraus auch Alkohol zur Herstellung von Desinfek­tionsmitteln gewinnen lässt? Also rief Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini vergangene Woche, als der Mangel an Desinfektionsmittel in der Landesverwaltung akut wurde, deren Mitarbeiter zum grossen «Fusel»-Sammeln auf.

Mit Erfolg: Weit über 1000 Liter wurden in Summe vom Landeswerkhof in die Destillerie Steinauer in Eschen überführt. Dort arbeitet Inhaber Andreas Steinauer seit vergangenem Samstag auf Hochtouren. Sein Arbeitgeber, die LGT, hat den Informatiker vorübergehend freigestellt, um ihm die Verarbeitung der Schnäpse zu hochprozentigem, desinfektionsmitteltauglichem Alkohol innert sinnvoller Frist zu ermöglichen. «In den zurückliegenden Tagen habe ich jeweils von morgens zwischen 6 und 6.30 Uhr bis abends zwischen 17 und 18 Uhr durchgehend gebrannt», berichtet er.

Fotostrecke: Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen
Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen
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Eine leichte Kräuternote ist wahrnehmbar
Gut 120 Liter werden pro Arbeitsgang in die Anlage gepumpt (Bild unten). Daraufhin wird das Gemisch auf gut 80 °C erhitzt und während drei bis vier Stunden destilliert.

Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen

Im Anschluss an den Umbrand werden die Reste in einen grossen Tank entsorgt und die Anlage gespült, um die nächste Destillationsrunde einläuten zu können. Die gut 35 bis 45 Liter Alkohol, die jeder Arbeitsgang einbringt, werden derweil in bereitstehende Kanister (Bild unten) abgefüllt.

Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen

Mit nunmehr gut 85 Volumenprozent eignet sich das Produkt hervorragend zur Herstellung des dringend benötigten Desinfektionsmittels. Ob das Ethanol die anvisierten 85 Volumenprozent aufweist, verrät die blaue Skala. (Bild)

Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen

Daran ändern auch die in der Nase noch immer wahrnehmbaren «aber nie penetranten» Grüsse des Ausgangsmaterials nichts, die Steinauer festgestellt hat: «Es riecht wie ein dezenter Kräuterschnaps. Das kommt daher, dass ein grosser Teil des abgegebenen Schnapses mit Kräutern versetzt war.» 

Voraussichtlich heute dürfte nach seiner Kalkulation aller Schnaps redestilliert sein. «Der Gesamtertrag wird etwa bei fantastischen 750 Litern liegen», meint Steinauer. Die schrittweise Belieferung von fünf Liechtensteiner Apotheken – St. Martins Apotheke, Eschen, Apo­theke am Postplatz, Schaan, Topwell Apotheke Laurentius, Schaan, Schlossapotheke, Va­duz, und Toppharm Engel, Balzers – nahm er dagegen schon gestern auf. Er hätte damit sogar noch früher, ab Montag, loslegen können, ergänzt Steinauer – «aber rechtliche Abklärungen mit dem Schweizer Zoll verzögerten eine Auslieferung». Während in den Apotheken nun eifrig Desinfektionsmittel für die Landesverwaltung hergestellt wird, rückt beim Betreiber der Eschner Destillerie die Rückkehr in den beruflichen Alltag näher. Ab der kommenden Woche plane er, sein 80-Prozent-Pensum wieder aufzunehmen, so Steinauer.

Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen

Kooperation mit Brauhaus soll starten
Ganz loslassen wird ihn die Herstellung von Alkohol als Inhaltsstoff von Desinfektionsmitteln aber wohl auch künftig nicht. Wie gestern bekannt wurde, hat die Eidgenössische Zollverwaltung die Produktion von denaturiertem, nicht der Alkoholsteuer unterliegendem Alkohol zur Desinfektionsmittelherstellung auch für Lohnbrennereien freigegeben. Ein Umstand, den Steinauer nutzen möchte. In Zusammenarbeit mit der Liechtensteiner Brauhaus AG plane er, freitags und samstags fortan Teile von deren Bier zu redestillieren, berichtet er. Eine Bedarfsanalyse, vorgenommen durch den Liechtensteiner Apothekerverein, soll aufzeigen, wie das genaue Vorgehen auszusehen hat. Dass eine Nach­frage da sein wird, steht für Steinauer aber ausser Frage: «Die Alkoholknappheit wird noch länger andauern.» (bo)

Herstellung Desinfektionsmittel Destillerie Steinauer Eschen

27. Mär 2020 / 10:14
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