• Themenbild K.O. Tropfen
    In Liechtenstein gibt es 400 alkoholabhängige Personen.  (Daniel Schwendener)

Nach 20 Jahren neue Suchtpolitik definiert

Die Kommission für Suchtfragen hat ein neues Suchtpolitisches Grundsatzpapier erarbeitet.

Das letzte Grundsatzpapier in diesem Bereich wurde im Jahr 1997 erstellt. Nun erarbeitete die Kommission für Suchtfragen ein neues. Daran beteiligt waren unter anderem aber auch Vertreter des Schulamtes, des Amtes fur Gesundheit, der Landespolizei sowie die Liechtensteinische Ärztekammer. Das Papier soll den neuen Entwicklungen im Drogenbereich sowie den nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten Rechnung tragen. Im Vorwort des Papiers heisst es: «Oberstes Ziel war es, ein Grundsatzpapier zu erhalten, das die Grundpfeiler der liechtensteinischen Suchtpolitik pragnant darstellt.»

Heute sei man mit einem starken Anstieg von Freizeitdrogen sowie sich schnell ändernden neuen psychoaktiven Substanzen konfrontiert, die über das Internet bezogen werden. Auch stünden zunehmend Probleme im Vordergrund, die auf einen exzessiven Gebrauch neuer digitaler Medien zurückzuführen sind oder mit suchthaftem Essverhalten zu tun ­haben. Daneben hat der Cannabiskonsum weiter zugenommen. Der Ruf nach einer Entkriminalisierung werde, so heisst es im Grundsatzpapier, immer lauter. Nun sei der Staat gefordert, die Situation im eigenen Land regelmässig zu überprüfen und die Suchtpolitik den «neuen Begebenheiten» anzupassen – dies jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Fachbereichen. 

53 Alkoholkranke wurden 2018 stationär behandelt
Die Kommission für Suchtfragen hält im Papier fest, dass Suchtkrankheiten nicht nur für Betroffene, sondern auch für die Gesellschaft mit hohen Kosten verbunden sind. Bei den Kosten im Jahr 2018 fur sta­tionare Aufenthalte in Psychiatrien und Spitalern in Zusammenhang mit Substanzkonsum liegt die Ursache «Alkoholkonsum» weit abgeschlagen an ­vorderster Front. 53 Fälle mit Kosten von insgesamt 745 300 Franken wurden für das Jahr 2018 festgehalten. Danach folgt mit fünf Fällen und 92 839 Franken die Ursache «Kokainkonsum». Insgesamt umfassen die Kosten mehr als eine Million Franken. «In den letzten funf Jahren ist es zu einem Anstieg von stationaren Behandlungen infolge des Konsums von Cannabinoiden, multiplen Substanzgebrauchs und Substanzgebrauchs ohne Alkohol gekommen», steht im Papier. 

Die gesetzten Massnahmen beziehen sich auf die drei Grundpfeiler: Prävention, Therapie und gesetzliche Interventionsmassnahmen, die auch erzie­herischer Natur sein können. Diese sollen in den Bereichen Alkohol, Tabak, Medikamente mit psychoaktiver Wirkung, ­illegalen Drogen, Essstörungen, Spielsucht und Suchtuber­grei­fende sowie suchtunspezifische Aspekte zum Einsatz ­kommen. Für jedes Handlungsfeld wurden im Papier Zahlen und Fakten erarbeitet. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass vor allem Alkohol ein beträchtliches Risiko darstellt und es hierzulande 400 alkoholabhängige Personen gibt. Als mögliche Verbesserungen in diesem Bereich wird unter anderem ein Ausbau von Präventionsprojekten angegeben. Hierzulande gibt es aber auch 4400 Personen, die an Adipositas – Fettleibigkeit – leiden und 1200, die Untergewicht aufweisen. (qus)

Hinweis
Das gesamte Grundsatzpapier finden alle Interessierten unter www.regierung.li/ministerien/ministerium-fuer-gesellschaft/downloads

07. Apr 2020 / 22:32
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