• Kammermusikkonzert Erlebe SOL Vaduz
    Das SOL wagte sich mit der «Geschichte vom Soldaten» auf neues Terrain.  (Elma Korac)

Modernes Musiktheater in komprimierter Form

Man dürfe sich ruhig in eine «Radio-Show» aus alten Tagen versetzen. Diesen Tipp des Dirigenten William Maxfield gab der Orchestermanager des SOL, Florian Thierbach, heute Vormittag dem Publikum im Vaduzer Rathaussaal. Dann hob sich beim 3. Abo-Konzert der Reihe «Erlebe SOL» der imaginäre Vorhang zu Igor Strawinskys «Geschichte vom Soldaten».

Eigentlich offeriert das Sinfonieorchester Liechtenstein in dieser Konzertreihe Kammermusik. Das trifft bei einer Besetzung mit sieben Instrumenten durchaus zu. Doch mit Strawinskys Stück wagte sich das SOL auf neues Terrain. Operette spielt das Orchester ja schon länger. Im Vorjahr hat es bewiesen, dass es auch Oper kann. Heute folgte nun das Moderne Musiktheater. Zumindest ansatzweise: Strawinsky wollte, dass sein Stück «gelesen, gespielt und getanzt» wird. Mit drei Sprechern und sieben Musikern konzentrierte sich das SOL heute noch ganz auf die beiden ersten Kategorien. Dabei hat es vor knapp zwei Monaten am Festival Vaduz Classic bereits seine Affinität zum modernen Tanz gezeigt. Immerhin brachte Maximilian Näscher mit seinen locker fliessenden Bewegungsabläufen am Schlagwerk ein tänzerisches Element ein. Die konzertante «Radio-Show» regte dafür umso stärker die Vorstellungskraft der begeisterten Zuhörer im gut gefüllten Rathaussaal an.

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Heimische Sprecher mit Paraderolle als Teufel

Als einfühlsame «Vorleserin», so die Rollenbezeichnung, führte Christiani Wetter durch die Geschichte vom Soldaten, der auf dem Nachhauseweg dem Teufel begegnet. Scharf hämmernd, setzte die Musik mit dem «Marsch des Soldaten» ein. Wetter skandierte straff den rhythmisch exakt in die Musik eingepassten Text: «Zwischen Chur und Walenstadt …». In der recht freien  deutschen Übertragung durch Hans Reinhart spielt sich die Geschichte gleich in der Nachbarschaft ab. Im französischen Original lässt der Dichter Charles Ferdinand Ramuz den Protagonisten durchs Waadtländer Hügelland zwischen Genfer und Neuenburger See ziehen. Dort hat Ramuz – der Mann auf dem alten 200-Franken-Schein – mit Strawinsky 1918 die «Histoire du Soldat» nach einem alten russischen Märchen verfasst. Inzwischen war auch Leander Marxer als Sprecher des Soldaten einmarschiert. Ernst Walch sollte bald in einer Paraderolle als Teufel folgen. Dieser luchst dem Soldaten die Geige gegen ein ominöses Buch ab. Das Buch verspricht dem Leser Reichtum. Doch erst muss der Soldat dem Teufel drei Tage lang das Geigenspiel beibringen.

Virtuose Orchesterrolle – klanglich wandlungsfähig

Diese tragende Rolle in der Erzählung gibt dem Violinpart oft konzertante Aufgaben. Rachel Wieser hat sie mit stupender Bravour und dem gewollten derben Hauch von Jahrmarkt und osteuropäischem Schtetl gemeistert. Dirigent Maxfield ging die vertrackt verschobenen Rhythmen durchwegs in einem zügigen Tempo an. Das Ensemble des SOL setzte sie mit Energie um. Die Klarinette erwies sich klanglich als sehr wandlungsfähig. Durch die Verwendung des eigentlich vorgesehenen weicheren Cornets hätte in dieser Hinsicht auch der souveräne Trompeter noch an Wärme und Subtilität gewonnen. Statt drei Tagen ist der Soldat für drei Jahre beim Teufel. Auf Saus und Braus folgt der Katzenjammer: Zu Hause erkennt ihn niemand mehr. Das Buch macht ihn zwar zum reichen Mann, aber nur mit seiner Geige kann er die Prinzessin heilen. Mit List kann der Soldat dem Teufel die Geige wieder abnehmen und die Hand der Prinzessin gewinnen. Doch zum Schluss triumphiert der Teufel. Hier hatte es heute der Seelenräuber etwas eilig: Noch vor der Ankündigung der Schlusssequenz durch die Erzählerin packte Ernst Walch als «Seelenräuber» den Soldaten am Bart und schleppte ihn aus dem Saal. (hw)

20. Okt 2019 / 22:07
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