• Pop-AMT in Schaan
    Dorit Ehlers, Thomas Beck und Arthur Zgubic (nicht im Bild) machten die Lieblingssongs der Liechtensteiner erlebbar.  (Daniel Schwendener)

Kreativer Erinnerungsgenerator

Mit subjektiven «Pop 10»-Charts brachte das Netzwerk ohnetitel das Publikum im Literaturhaus dazu, in Erinnerungen zu schwelgen.
Schaan. 

Das temporäre Pop-Amt, bestehend aus den Schauspielern Thomas Beck, Dorit Ehlers und Arthur Zgubic, rief vor gut zwei Wochen dazu auf, Geschichten zu Popsongs einzureichen, die für einen in der Jugend eine grosse Rolle spielten. Nach einer gründlichen Klausur präsentierte das Pop-Amt-Personal am Freitag auf kreative Weise die Hitliste der besten eingereichten Songs: die Pop10. 

Lieblingslieder erraten

Top 1: Thomas Beck und Dorit Ehlers ziehen Kopfhörer an, starten das Lied und nicken mit dem Kopf im Takt. «Die Titel und Songs der Top 10 werden nicht genannt oder gespielt», kündigte Thomas Beck schon davor an. Und anstatt der erwarteten Musik gab es lediglich ein paar Liedpassagen zu hören, die die beiden Schauspieler mitsangen. Und schnell war klar: Bei dem Lied handelt es sich um «Sweet Dreams» von Eurythmics. Beim zweiten Song gab es eine filmische Auflösung, die Arthur Zgubic präsentierte. Detailreich beschrieb er den Videoclip der Top 2. Welcher Song könnte das sein, bei dem ein Junge am Rande der Tanzfläche steht und den DJ anschaut? Und dann kam die erwartete musikalische Auflö­sung doch noch. «Freak out» von Chic dröhnte aus den Lautsprechern. Top 3: Thomas Beck schwärmt von seinem Töffli, einem «Hercules Prima», und dass er doch lieber einen «Puch Condor» hätte. Einen Helm habe er getragen – natürlich am Arm. Und der Soundtrack dazu: «TNT» von AC/DC oder «Paradise City» von Guns n’ Roses. Top 4: Auch bei ihrem Amt gäbe es hin und wieder Reklamationen, erklärt der Schalterbeamte Thomas Beck zum vierten Song «What I am» von Edie Brickell & New Bohemians. «Doch was macht man, wenn man als Beamter eine Beschwerde bekommt? Man geht über zur nächsten Akte.» Die Top 5 sei ein Song aus der Popgattung Traurigkeitsverstärker, erklärt Beck und startet das Intro eines sehr bekannten Lieds. Zwischen den Instrumentalparts spricht er den Liedtext rhythmisch auf Deutsch übersetzt, sodass der Klassiker «Love Hurts» von Nazareth doch recht doof klingt. 

«Egal, ob man den Text versteht»

Zwischen dieser Hitlisten-Wiedergabe sorgt Arthur Zgubic humorvoll für die wissenschaftliche Einordnung des Phänomens Popsongs: Top 6, «Azurro» von Adriano Celentano, sei ein gutes Beispiel für das schlechte Textverständnis der Menschen. Er selbst habe lange geglaubt, das Lied heisse «Arturo». Doch damit sei er nicht alleine: 3,7 bis 4,2 Prozent der Menschen würden oftmals nicht verstehen, um was sich ein Song drehe. «Azurro» werde oft mit schönen Ferienerlebnissen verbunden, doch eigentlich handle der Song von einer unerfüllten Sehnsucht. Eigentlich sei es aber egal, ob man den Text verstehe oder nicht. Bei Liedern gehe es schliesslich um die Emotionen und das Klangbild. Top 7: «Do you remember» ist die Geschichte einer Mutter, die ihre Tochter nach dem Lied «Kayleigh» von Marillion benannte und dieser das Lied alles andere als gefiel. Top 8: Ein Metronom, ein Beat­boxer und eine Rapperin. Mit einer improvisierten Musik- und Tanzeinlage präsentierten Beck und Ehlers sehr zur Belustigung des Publikums den Hip-Hop-Song «Ich hab ein Arsch im Gesicht». Top 9: Wie stark bei früheren Songs die Intros in die Länge gezogen wurden, führte Arthur Zgubic anhand von «Locomotive Breath» von Jethro Tull vor. «Dies wäre heute nicht mehr möglich, da beim Streamen bereits nach wenigen Sekunden darüber entschieden wird, ob ein Lied weitergehört wird oder nicht.» Top 10: Als Höhepunkt des Abends studierten Beck und Ehlers den Tanz zu Britney Spears «One more time» ein, der beim Publikum für Gelächter sorgte. 

Fiktives Tagebuch und Intro-Quiz

Nicht nur die «Pop 1» fanden einen Platz im Programm, sondern auch die nicht auserkorenen Songs, welche Dorit Ehlers zu einem fiktiven Tagebuch zusammenfügte und die Passagen zwischen der Hitliste vortrug. Diese reichte von der ersten «Blümchen»-CD über eine Roland-Kaiser-Kassette, eine peinliche Videoaufnahme bis hin zu einem Liebeskummersong und Disco-Erfahrungen zu «Staying alive» («erst tanzen, dann knutschen»). So richtig in Stimmung kam das Publikum aber erst beim Intro-Quiz, das Lieder der 50er- bis 00er-Jahre abdeckte. Während «Walk on the wild side» oder «Billy Jean» von über 90 Prozent der Zuschauer sofort erkannt wurden, waren es bei Songs von Lady Gaga oder Nirvana nur knapp 20 Prozent. Neben statis­tischen Auswertungen gab es entgegen der Ankündigung doch noch einige Musikproben, die das Publikum zum Mitsingen und Schwelgen in Erinnerungen anregte. Genau das, was der Pop-Amt-Schalter erreichen wollte.  (mk)

09. Feb 2020 / 21:47
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