• Vlado Franjevic
    Vlado Franjevic  (Tatjana Schnalzger)

"Ich war der Pionier ‹dieses Unsinns"

Künstler und Grafiker Vlado Franjevic ist schon seit Jahren online unterwegs. Derzeit gestaltet er Plakate und arbeitet an neuen Texten.

Bis vor Kurzem waren ja alle Ausstellungshäuser geschlossen und alle künftigen Anlässe wurden abgesagt bzw. verschoben. Wie geht es Ihnen?
Es ist in der Tat ein schreckli­ches Szenario. Ich habe manchmal das Gefühl, ich vegetiere gerade in einer Parallelwelt. Dazu kommt mir der Titel «We are on way to nowhere, come on inside» in den Sinn, wenn ich ans Leben denke, das uns plötzlich so krass umdefiniert wurde. Unser eigenes Leben. So nicht, bitte.

Trifft auch Sie das Veranstaltungsverbot?
Ja. Ein hyper-turbo-cooler in­ter­nationaler Event («Printemps des poètes» in Luxemburg), in dessen Rahmen ich das Land Liechtenstein vertreten durfte, ging zuerst einmal in die Hose. Diese Einladung war mehr als ein gewöhnliches Kompliment für mein literarisches Schaffen. Das ist ein Kompliment, das ich und sonst keiner gepusht hat. Und so etwas passiert einem vielleicht nur einmal in der Dimension der Wahrnehmung, das wir Leben nennen. Es gab noch etwas, etwas, was mit meinem interdisziplinären Work-in-Progress-Pro­jekt Spiralkanäle zu tun hat.

Haben Sie sich Alternativen überlegt, Ihre Kunst nun vermehrt online zu zeigen? 
Sie können es prüfen, nachfragen … Gerade ich war der Pionier in diesem «Unsinn». Ich erinnere mich, dass mich nicht wenige meiner – gut meinen­den – Kollegen zuerst einmal ausgelacht haben, von wegen der Brutalität meiner Präsenz im Internet. Mit einer unglaublichen Verspätung waren sie dann auch alle drin. In einem System, an dieses sie – heute weiss ich es auch, mit Recht – nicht glaubten. Ich habe viele Jahre in etwas investiert, was mir aus meiner Sicht jetzt plötzlich sehr fragwürdig vorkommt.

Gibt es für Sie vielleicht positive Auswirkungen der Virusverbreitung?
Das ganze Theater finde ich so was von «Shit». Inspirationen gibt es keine. Bzw. ich glaube an keine Inspirationen – aber an Schaffensprozesse, an die kreative Arbeit. Du hast ein ge­wis­ses Etwas in den Adern, oder du hast es nicht. Du bist für etwas geschaffen, oder eben nicht. Die «wahren Künstler» ticken anders. Aber gibt es wahre Künstler? Das ist ein anderes Thema. 

Wie sieht momentan Ihre Zukunftsplanung aus?
Zukunft gibt es keine. Sie starb quasi. Das, was wir hier als Zukunft verstehen wollen, ist im Universum schon längst vorbei. Der Mensch hat eigentlich eine falsche Perzeption, was die Vergangenheit oder Zukunft anbelangt. Der Mensch in denjenigen, die sich hier als Künstler verstanden haben, hat schon längst aufgegeben zu existieren und ist, wie es aussieht, für eine gewaltige Mutation bereit. Ich plane nichts. Ich bin nur ein Stücklein des Plans.

Was sind die derzeitigen Projekte, die Sie verfolgen?
Ich habe auch in dieser Krisenzeit viele neue Originalwerke geschaffen. Die Worldwide Graphic Designers (WGD) luden mich ein, bei dem Video «Graphic Stories aus Zypern» mitzumachen. Darin präsentieren 33 Grafikdesigner aus 21 Ländern ihre Botschaften zu einem Thema. Dieses Video wurde mittlerweile in einigen zypriotischen und griechischen Medien sowie in einer TV-Sendung auf Zypern ausgestrahlt. Zudem habe ich im Auftrag des Internationalen Netzwerks der visuellen Kreativen (RINC) Plakate für den Graphic Designers Day entworfen, der am 27. April in Mexiko stattfand. Für die Calanca Biennale 2021 habe ich ein Plakat zum Thema «Hilfe! I’m burning» erschaffen. Die dreizehnte Ausgabe des Festivals «Printemps des poètes» in Luxemburg, bei dem ich meine Poesie hätte vortragen können, wurde leider auf den Herbst verschoben. 

Gibt es sonst noch neue Projekte?
In Kroatien wurden drei meiner Texte in verschiedene Arien hineinkomponiert. Ein Mal wur­de die Spiralkanäle-Hymne auf mazedonisch für einen Frauenchor arrangiert und zwei Mal auf kroatisch für einen Bariton und Klavier. An dieser Stelle möchte ich mich bei Dražen Domjanic für sein Engagement recht herzlich bedanken. Die zwei genannten Kompositionen sind bei einem sehr bekannten Bariton in Köln, und dieser war damit sehr, sehr zufrieden. Für mich ist all das Neuland und darum bin ich irgendwie besonders aufgeregt. Mal schauen, was daraus später, vielleicht in einer Parallelwelt, einmal wird. Oder eben nicht! 

Serie #49
Das Coronavirus legt derzeit alles still – auch das Kulturleben.  Das «Vater­land» hat sich bei Kulturschaffende erkundigt, wie es ihnen derzeit geht und was die derzeitige Lage für sie bedeutet. Heute mit Künstler Vlado Franjevic, weitere Kulturschaffende folgen.

Mehr dazu: www.vlado.li

22. Mai 2020 / 19:12
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