• 40 Jahre Tangente Eschen Jubiläumsfest 02
    Christian Wallumrød und Björn Meyer standen am Ende gemeinsam auf der Bühne.  (Rudi Schachenhofer)

Die Tangente am Puls der Zeit

Der Verein Tangente beschenkte am Samstag das Publikum und sich selbst zum 40-jährigen Jubiläum mit einem Doppelkonzert.

Es braucht Mut, ein Jubiläumsprogramm zusammenzustellen, das vom Publikum doch 
einiges abverlangt – nämlich gesteigerte Aufmerksamkeit, Offenheit für neue, unge-wöhnliche Töne und die Bereitschaft, sich auf zwei Solisten einzulassen, die sich eher mit den leisen Klängen beschäftigen. Keine Partymusik also, sondern anspruchsvolle Kunst, die sich nicht nach ein paar Takten schon erschliesst. Gute Kunst braucht Zeit und Raum, um seine wahre Schönheit entfalten zu können, um seine Tiefe zu offenbaren, und sie braucht ein Publikum, das bereit ist, ins Unbekannte mitzugehen. 
Eine der vielen Besonderheiten der Tangente ist es, auf ein solches Publikum zählen zu dürfen. Das haben auch die beiden Solisten, der Norweger Pianist Christian Wallumrød und der in der Schweiz wohnhafte schwedische Bassgitarrist Björn Meyer dankbar festgestellt und dieses Publikum im Gegenzug mit zwei Performances verzaubert, die noch lange nachhallen werden. Aber erst noch wollte der offizielle Festakt begangen werden und auch dazu gab es ein paar Gäste, die es sich nicht nehmen lassen wollten, der Tangente und dem Gründervater der Tangente, Karl Gassner, die Reverenz und die Dankbarkeit zu erweisen.

Aus Eschen in die Welt hinaus
Janine Köpfli als Vertreterin des Kulturministeriums zitierte aus dem Geleitwort des Interimskulturministers Mauro Pedrazzini: «Er (Karl Gassner) hat geschafft, was viele auch gerne tun würden, es am Ende aber doch bleiben lassen. Er redete Anfang der 70er-Jahre nicht nur davon, dass es toll wäre, wenn Liechtenstein ein eigenes Jazzlokal hätte. Er machte vielmehr Nägel mit Köpfen und baute kurzerhand in den unteren Teil seines Wohnhauses in Eschen einen Musikclub ein. Er schuf damit zusammen mit seinem Studienfreund Jens Dittmar ein Lokal für Musik und Kunst». Dieses Lokal für Musik und Kunst ist heutzutage, 40 Jahre später, ein Lokal für Jazz und jazznahe Musik, und wie der Eschner Vorsteher in seiner Würdigung feststellte, eine Kulturinstitution, die den Namen Eschen aus dem Dorf heraus und in die Welt hinausträgt, denn längst ist die Tangente zu einem in der internationalen Jazzszene äusserst renommierten Haus geworden. Unter anderem wegen des hervorragenden, wirklich aufmerksamen und wertschätzenden Publikums, wie viele internationale Jazzgrössen immer wieder nach ihren Konzerten lobend anmerken. Zwischen den Reden gab es kurze Videoausschnitte von Uschi Stoff aus dem Konzertprogramm der vergangenen Jahre und dann wurde die obligate neue Tangente Chronik 2009–2019 präsentiert, in einer Qualität, wie sie früher 
aus drucktechnischen Gründen noch nicht möglich war. Erstmals vierfarbig und mit lauter Original-Fotodateien aufbereitet, was das Stöbern in den Artikeln der einheimischen Presse wesentlich lustvoller macht.  

Faszinierende Reise durch die Musikgeschichte
Nach einem köstlichen Apéro riche war es Zeit für das erste Konzertset mit Christian Wallumrød. Wallumrød versteht den Konzertflügel als riesigen Klangraum, den zu erkunden er sich mit hoch konzentriertem Forschungsdrang aufmacht. Er hat dabei eine Spielweise entwickelt, die sich aller Einordnung entzieht. Seine fast minimalistische Musik ist angereichert mit lange nachhallenden Obertönen, mit einem sublimen Groove, der wie im Verborgenen immer mitschwingt, aber selten zur eigentlichen Ausführung kommt und wenn, dann steuert er mit solch einer verqueren Harmonik und Rhythmik durch die musikalischen Lande, dass man zuweilen laut herauslachen möchte. Darin erklingt die ganze 800-jährige Musikgeschichte, komprimiert auf einige wenige Minuten, und leuchtet in unglaublicher, noch nie gehörter Schönheit. 
Von solcher Schönheit ist auch der grandiose musikalische Sololauf auf der sechsaitigen Bassgitarre Björn Meyers. Auf seinem ein Quadratmeter grossen Teppich hat er seine elektronischen Helferchen aufgereiht und bedient diese mit einer Virtuosität, die der Virtuosität seines Saitenspiels in nichts nachsteht. Die Klangräume sind weit und hochkomplex, aber von solch einer spielerischen Leichtigkeit, dass man fast in einen Rausch gerät und darob vergisst, mit was für einer Meisterschaft diese Klänge erzeugt werden. Da klingen nordische Weisen an, klassisches Gitarrenspiel scheint durch, ein funkiger Groove packt unterschwellig zu – es ist ein einziges Fest für die Ohren. Dass diese beiden Ausnahmekönner sich dann spontan zu einer gemeinsamen Improvisation zusammenfanden, setzte dem sensationellen Konzertabend die Krone auf. «Das ist genau das, was am Jazz so spannend ist», kommentierte ein bewegter Karl Gassner zum Schluss, «grossartige Musik, die einfach so aus dem Hier und Jetzt entsteht. Und wo passiert’s? Richtig – in der Tangente!» (aoe)

Fotostrecke: Jubiläumsfest in der Tangente in Eschen
40 Jahre Tangente Eschen Jubiläumsfest
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07. Okt 2019 / 07:00
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