• 20171102 Kellerquiz, Schlösslekeller, Vaduz
    Roger Szedalik liebt es, auf der Bühne zu stehen, und freut sich sehr, endlich wieder spielen zu dürfen.  (Nils Vollmar)

Auftrittsanfragen ziehen langsam an

Nach Monaten des Stillstands lief bei Musiker und Gitarrenlehrer Roger Szedalik in letzter Zeit das Telefon wieder heiss.

Da seine Frau Suzie Candell im Frühling ihr neues Album rausbrachte, hätte Bandmitglied Roger Szedalik im März und April zahlreiche Auftritte gehabt. «Suzie hatte sehr viel Arbeit mit Organisieren und Planen», so der Gitarrist. Alle diese Arbeit war umsonst. «Der Zeitpunkt des Shutdowns hätte für uns nicht blöder kommen können.» Daher habe ihn das Veranstaltungsverbot vor allem psychisch hart getroffen. «Es war wie ein Schlag ins Gesicht», so der Musiker. Diese ruhige Phase habe ihm aber auch gutgetan. Er habe so viel Musik gemacht wie noch nie und sehr viel geübt. «Das Schöne daran ist, dass es mir nie verleidet», so Szedalik. Auch gemeinsam mit seiner Frau habe er viel musiziert. «Wenigstens konnte man uns unser Hobby, das Musizieren, nicht nehmen.» Einmal haben sie eine Probe gefilmt und diese online gestellt. «Wir fanden aber schnell, dass es im Internet ein Overkill an Livevideos gibt», so der Musiker. Manche Kollegen hätten Paypal-Links dazugestellt, um wenigstens ein paar Spenden zu bekommen.

Mitwirkung bei Onlineprojekten
Neben diesen Probenvideos hat Roger Szedalik bei manchen Onlinemusikprojekten mitgemacht, zum Beispiel beim Song «Boat of Souls» vom Eschner Little Big Beat Studio. Wie viele andere habe die Krise durch die viele freie Zeit auch ihn inspiriert. «Die Inspiration kam vielleicht dadurch, dass die Stimmung so speziell war und wir uns in einem Ausnahmezu­stand befanden.» Er sei jeden Tag rausgegangen, wodurch ihm wieder einmal vor Augen geführt wurde, wie schön es hier sei. «Es wurde mir auch bewusst, wie schön es ist, dass wir jede Woche zur Arbeit dürfen.» Und es habe ihm nochmals gezeigt, dass das, was er mache, ihm wirklich Spass bereite und er auf dem richtigen Weg ist.

Videotelefonie-Apps für Musik nicht gut geeignet
Roger Szedalik war froh, dass er in dieser Zeit nicht alleine war. Das ganze Telefonieren und die Videokonferenzen seien natürlich nicht das gleiche wie reale Treffen. Auch seinen Musikunterricht musste er online weiterführen, wobei alle seine Schüler sehr motiviert gewesen seien. «Am Anfang war es noch interessant», so der Musiklehrer. Dabei habe er vieles ausprobiert. Bei denen, die eine gute Internetverbindung hatten, habe es gut geklappt, bei den anderen weniger. Bei manchen sei es beispielsweise schwierig gewesen, Töne zu erkennen. Das Problem sieht er darin, dass viele der Videotelefonie-Apps nur auf Sprache ausgelegt seien und nicht für Musik. «Ich hoffe, dass wenn wir die Übung nochmals machen müssen, die Anwendungen für Musik optimiert werden.» Zum Schluss hätten sich alle wieder sehr gefreut auf den Live-Unterricht. «Man kann schon mehr vermitteln, wenn man im gleichen Raum ist. Es geht ja auch um Gefühle oder Dynamik. Und es ist vor allem wichtig, dass man das Vorgezeigte gut sieht.» Mittlerweile laufe der Unterricht fast wieder normal, einfach mit dem vorgegebenen Sicherheitsabstand. «In meinem Musikzimmer könnte man nun eine Operation durchführen», wie Roger Szedalik lachend erzählt. Er hätte schon zuvor viel Wert auf Sauberkeit und frische Luft gelegt, doch nun sei alles sehr steril. «Von überall her kommen Leute in die Schule, daher müssen wir das Hygienesystem wirklich ernst nehmen, um einen zweiten Ausbruch zu verhindern.»

Hofft auf ein Umdenken bei der Bevölkerung
In den letzten Monaten hätten ihm vor allem seine Kollegen, die fast ausschliesslich von der Musik leben, sehr leid getan. «Künstler, die am längsten vom Stillstand betroffen sind, haben nichts oder nur sehr wenig bekommen», sagt Roger Szedalik. Ausgerechnet für die Kunst, die während des Lockdowns stark konsumiert wurde, hätte man wieder mal kein Geld gehabt. «Ich hoffe, dass bei der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden hat, wie wichtig das Kulturschaffen ist.» Ihn selbst habe der Stillstand finanziell nicht so stark getroffen, weil er weiter an der Musikschule unterrichten konnte. Trotzdem seien es einige Tausend Franken, die ihm durch die abgesagten Auftritte verloren gingen. Bis jetzt habe er noch keine staatliche Unterstützung beantragt, da er von Kolleginnen und Kollegen wusste, dass sie nichts bekommen haben. Wenn man nebenher einen Teilzeitjob habe, habe man meist kein Anrecht auf Unterstützung. «Alle bekamen Hilfe, nur die Künstler wieder nicht», mo­niert der engagierte Musiker.

Zahlreiche Auftritte geplant
Nach den Lockerungen hat Roger Szedalik bereits wieder einige Auftritte gehabt. Einmal spielte er zusammen mit Suzie Candell mit Tobey Lucas und Anna Känzig, einmal im Casino Bad Ragaz und einmal im «B-Smart» in Bendern. «Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder einmal auf der Bühne zu stehen», so der Musiker. Die sozialen Kontakte hätten ihm sehr gefehlt. «Ich hatte richtig Lust, wieder einmal jemand anders zu treffen.» Nun ist Roger Szedalik doch noch fast den ganzen Sommer musikalisch unterwegs. Zusammen mit Suzie Candell und ihrer Countryband hat er ein paar grössere Auftritte geplant, zum Beispiel beim Country und BBQ Festival in Schaan oder dem Poolbarfestival in Feldkirch. Am 11. Juli spielen sie im Duo in der Weinlaube in Schellenberg. «Ich finde es schön, Essen und Musik zu verbinden.» Als weiteren Höhepunkt könne er mit seiner Band Cross Connection an einem «coolen Liechtenstein-Event» im Palais Liechtenstein in Wien mitwirken. «Nach den Lockerungen ist das Telefon bei mir dann doch noch recht heiss gelaufen», freut sich Szedalik. Seine Sommerferien verbringe er in der Region, denn trotz der anstehenden Auftritte gäbe es immer noch eine leichte Unsicherheit, ob man wirklich spielen könne. «Die ganze Situation ist recht surreal.» (mk)

Nächste Auftritte: 
10.7. Schaaner Sommer mit Cross Connection
11.7. Weinlaube Schellenberg mit Suzie Candell
19.7. Barbecue Grand Hotel Bad Ragaz mit Suzie Candell und Beth Wimmer
28.7. Palais Liechtenstein, Wien, mit Cross Connection
31.7. Poolbar Festival mit Suzie Candell & the Screwdrivers und Melting Minds
6.8. Vaduz, Treff im Städtle, mit Suzie Candell
7.8. D' Gass Buchs mit Suzie Candell
22.8. Country und BBQ Festival Schaan mit Suzie Candell & the Screwdrivers

Serie #74: Das «Vater­land» hat sich bei ­FL-Kulturschaffenden über ihre derzeitige Situation erkundigt und sie gefragt, welche aktu­ellen Projekte geplant sind. Heute mit Musiker Roger Szedalik.

07. Jul 2020 / 19:05
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