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Einblick in den Steinbruch Tiergarten

Wie in Mels der Verrucano abgebaut wird

Im Steinbruch Tiergarten in Mels wird seit 170 Jahren von der Familie Ackermann der Melser Verrucano abgebaut. Wie dies genau funktioniert, zeigt ein Besuch vor Ort.
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Seit 170 Jahren betreibt die Familie Ackermann den Steinbruch Tiergarten in Mels. Am 7. und 8. September wird das Jubiläum mit einem besonderen Programm gefeiert. (Bild: Ariane Pochon)
Das Erkennungsmerkmal des Steinbruchs: das verfallene Häuschen. (Bild: Ariane Pochon)
Beim Steinbruch wurden drei Durchstösse gemacht. Dies ist heute nicht mehr erlaubt. (Bild: Mirjam Kaiser)
Der Verrucano zeichnet sich durch seine rötliche Farbe aus. (Bild: Mirjam Kaiser)
Der Verrucano wird in grossen Blöcken abgebaut. (Bild: Mirjam Kaiser)
Aus dem Verrucano werden allerlei Dinge hergestellt, darunter Tische, Brunnen oder auch Grabsteine. (Bild: Mirjam Kaiser)
Geschäftsführer Andreas Ackermann führte im Rahmen des Projekts «Oh Darling, du zerfällst mir sehr» durch den Steinbruch. (Bild: Mirjam Kaiser)
Andreas Ackermann erklärt die einzelnen Verarbeitungsschritte. (Bild: Mirjam Kaiser)
Die grösste Schwierigkeit sei, die Brocken aus der Mulde zu heben, sagt Andreas Ackermann. (Bild: Mirjam Kaiser)
Hinter einem der drei Durchbrüche befindet sich eine Höhle. (Bild: Mirjam Kaiser)
In der Höhle beim Steinbruch findet einmal im Jahr ein Höhlenfest statt. (Bild: Mirjam Kaiser)

In Plons bei Mels hinter dem Fussballplatz und dem Rekrutierungszentrum befindet sich der Steinbruch Tiergarten, in dem der bekannte Melser Stein Verrucano abgebaut wird. Während der Steinbruch selbst vermutlich nicht so vielen bekannt ist, kennen viele das zerfallene Gebäude, das direkt an der Autobahn steht und an dem täglich 41000 Motorfahrzeuge vorbeifahren. Was dieses Häuschen auf sich hat, erklärte Geschäftsführer Andreas Ackermann bei einer Steinbruch-Besichtigung im Rahmen der Kunstaktion «Oh Darling, du zerfällst mir sehr», das dieses Häuschen als Ausgangspunkt genommen hat. 

Viele Anfragen für verfallenes Häuschen
«Für mich war das Häuschen eher wie ein Schandfleck», gesteht Ackermann, doch er bekomme regelmässig Anfragen wegen dem Häuschen; sei es für Fotoshootings von Bands oder für künstlerische Projekte. In dem Häuschen sind bis heute Überbleibsel der Transmissionen untergebracht, die die Maschinen angetrieben haben. Als in den 1970er-Jahren die heutige Halle dahinter gebaut wurde, wurden die Gerätschaften nach und nach gezügelt. «Es gab nie einen konkreter Zügeltag. Deshalb hat es heute noch Ersatzteile drin, die wir ab und zu brauchen.» Andreas Ackermann hat bereits einmal einen Versuch unternommen, das Häuschen abzubrechen, doch damals erfuhr er, dass er mit dem Abbruch das Bestandsrecht verlieren würde. Und für einen Neubau braucht es ein Sondernutzungsrecht, das er derzeit beantragt. «Erst wenn dies geklärt ist, kann das Häuschen abgebrochen werden», erklärt der Geschäftsführer in 6. Generation. 

Abgebaute Blöcke wiegen 16 Tonnen
Der dazugehörige Steinbruch Tiergarten ist ein Teil des Baugeschäfts Ackermann. «Diese beiden Zweige liefen eigentlich von Anfang an nebeneinander her.» Während für den Abbau des Gesteins früher Lose vergeben wurden und deshalb mehrere Firmen am Steinbruch arbeiteten, übernahmen die Vorfahren der Familie Ackermann vor 170 Jahren den alleinigen Betrieb. «Heute sind wir die Einzigen, die offiziell Verrucano abbauen», erklärt Andreas Ackermann. Mittlerweile arbeiten im Steinbruch ein bis zwei Mitarbeiter. «Früher ging jemand jeweils nur in den Steinbruch, wenn es einen Auftrag gab.» Während die Platten in der Vergangenheit direkt aus dem Fels gespitzt wurden, werden die Steine heute als rechteckige, circa 16 Tonnen schwere Blöcke abgebaut. Dazu erfolgen drei Kernbohrungen in den Ecken, worauf Seilsägen auf Umlenkrollen platziert werden. Nachdem das mit industriell gefertigten Diamanten besetzte Drahtseil einen Spalt von 11 Millimeter in den Stein gesägt hat, werden die Blöcke mit hydraulischen Kissen weggeschoben, bevor sie via Kran in die Halle zur Bearbeitung kommen. Anschliessend werden die Blöcke mit einer Steinsäge in Scheiben geschnitten, was mehrere Stunden beanspruchen kann. In einem zweiten Schritt werden die Scheiben mit einer Brückensäge auf die gewünschten Masse zugeschnitten und zum Schluss geschliffen. «Je nach Oberflächenbearbeitung kommt die Farbe ganz anders zur Geltung», weiss Andreas Ackermann.

«Der Verrucano ist kein einfacher Stein»
Das rötliche Sedimentsgestein, das zwischen 250 und 300 Millionen Jahre alt ist, kommt im Steinbruch in den zwei Varianten Schiefer und Fels vor. Während der weichere Schiefer oft für Boden- und Tischplatten, Mauerabdeckplatten oder Fassadenverkleidung verwendet wird, wird der härtere Fels vor allem für Brunnen, Tische und Bänke, Grabsteine, Vogelbäder, Skulpturen, Blockstufen oder Mauersteine eingesetzt. Auch Mühlesteine wurden früher aus dem Fels gehauen, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach ganz Europa exportiert wurden. Der Verrucano sei aufgrund seiner vielen Einschlüsse von Quarzadern kein einfacher Stein. «Einen Brunnen dicht herzubringen, ist eine grosse Herausforderung», sagt Ackermann. Dabei werde jeder Teil vom Stein benutzt: «Bei uns wird alles bis zum Sandkorn verwendet.» 

Abbau vor allem Richtung Chur
Die Gesteine zur Felswand hin sind schon recht gut abgebaut. An drei Stellen gibt es gar Durchbrüche, weil dort früher der Schiefer rausgeschnitten wurde. Der letzte stammt aus den 1960er-Jahren, der in eine Höhle führt und in welcher jährlich das Höhlenfest stattfindet. «Heute dürfen wir nur noch bis zur Felswand abbauen, jedoch nicht mehr in den Fels hinein», erklärt Andreas Ackermann. Derzeit wird weiter Richtung Chur abgebaut, wo noch 20 Meter abgebaut werden dürfen. «Während Corona hätte ich in ein paar Wochen den ganzen Steinbruch verkaufen können, weil der weltweite Steinhandel nicht mehr funktionierte», erklärt Ackermann. Generell habe die Nachfrage nach dem Verrucano in den letzten Jahren konstant zugenommen. Er wolle jedoch das Abbauvolumen nicht weiter vergrössern und nur jene beliefern, die wirklich einen Melser Stein wollen. «Der Verrucano soll auch in Zukunft ein Nischenprodukt bleiben.» 

 
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