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Ein Projekt, bei dem alles zusammenpasste

Durch glückliche Fügung traf der Wunsch nach einem Gesundheitszentrum im Kongo zum richtigen Zeitpunkt aufs Hilfswerk Liechtenstein.
Die Bauarbeiten dauerten von Dezember 2018 bis August 2020.

«Ich bin ein gläubiger Mensch. Daher ist für mich klar, dass es kein Zufall gewesen ist», meint Bettina Pelger-Sprenger, Präsidentin des Hilfswerks Liechtenstein. Keine vier Monate nachdem der ehrenamtliche Verein aus dem Vermächtnis einer wohlhabenden Dame 100 000 Franken erhielt, stellte Marius Simiganovschi – damals Bischöflicher Zeremoniar in Chur, heute Pfarrer in Ruggell – ihr im Februar 2018 einen engagierten Priester­studenten vor. Ohne dass die Geist­lichen etwas von der «aussergewöhnlichen Spende» wussten. Hermann Ngoma Mbuinga hatte seinen Kollegen um Rat gefragt, wer ihn bei seinem Projekt finanziell unterstützen könnte. Es ging um den Bau eines einfachen Gesundheitszentrums zugunsten der armen und benachteiligten Bevölkerung in der Agglomera­tion von Boma, einer Stadt im Westen der Demokratischen Republik Kongo, seiner Heimat. 

Der Zeitpunkt für den Besuch der Geistlichen im Hilfswerk in Triesen hätte wohl nicht besser sein können, erklärt die Präsidentin: «Wir wollten mit dem Vermächtnis etwas Besonderes realisieren, weil 2018 das 30-Jahr-Jubiläum des Hilfswerks war.» Insbesondere sollten von dem Gesundheitszentrum Frauen und Kinder profitieren, was auch im Sinne der Spenderin war. Für die Realisierung von Bauprojekten im Ausland ist ein grosses Vertrauen in die beteiligten Personen notwendig. Dieses war sofort gegebenen, weil es sich beim Ruggeller Pfarrer um den «geistlichen Begleiter» des Hilfswerks handelt. «Wenn der Marius jemanden zu uns bringt, braucht man sich keine Sorgen zu machen.» Hermann Ngoma Mbuinga, der inzwischen als Pfarrer in der Schweiz arbeitet, gab dieses Vertrauen durch regelmässige Berichte sowie zuverlässige Abrechnungen zurück. 

Bevölkerung den Zugang zu Behandlungen ermöglichen
Die Dringlichkeit des Projekts brauchte der Geistliche dem Hilfswerk, zu dessen Hauptaufgaben die Abgabe von Kleidern und Hilfsgütern an Menschen in Liechtenstein und der Region gehört, nicht zu betonen. Kongo weist weltweit eine der geringsten Gesundheitsausgaben pro Kopf aus. Das staatliche Spital in Boma befindet sich in einem desolaten Zustand, wie Mbuinga in den Projektunterlagen berichtet. Diese übersetzte Herbert Kind aus Ruggell aus dem Französischen. Darin ist zu lesen über schlecht ausgebildetes Personal sowie grosse Distanzen, welche die Einwohner der umliegenden Dörfer überwinden müssen. Ausserdem werden «Wucherpreise» verrechnet, weil keine obligatorische Krankenversicherung besteht. Deshalb ist es im Kongo üblich, dass in den Siedlungen kleinere Gesundheitszentren für Basisbehandlungen eingerichtet werden. 

Alle Prozesse spielen ineinander und so entschied das Hilfswerk, den Bau des Gesundheitszentrums mit umgerechnet 45 000 Franken zu unterstützen. Davor gelang Hermann Mbuinga, eine Spende von 14 000 Franken für den Kauf des Grundstücks zu sammeln. Weiter hatte er die Zusage der Stadt Boma, dass diese für die Lohnkosten des achtköpfigen Personals aufkommt, sofern das Bauprojekt erfolgreich abgeschlossen wird. Im Dezember 2018 wurde der Aushub vorgenommen. Im Spätsommer 2019 beschloss das Hilfswerk dann aufgrund der positiven Zusammenarbeit zusätzlich die Inneneinrichtung respektive medizinische Ausstattung zu finanzieren. Diese kostete zusätzlich rund 33 000 Franken. Bezogen wurde das Ganze von der Schweizer Organisation Hiob International in Steffisburg, einer Art Brockenstube für Spitalmaterial.   

Bei den Arbeiten konnte Mbuinga auf tatkräftige Unterstützung vor Ort zählen. Ein befreundeter Priester, der zudem Architekt ist, entwarf das Gebäude und leitete den Bau. Sein Vater kümmerte sich um den «Papierkram», seine Mutter als Juristin um rechtliche Angelegenheiten. Alle drei Helfer verlangten keinen Lohn, sondern wollten nur eine kleine Beteiligung an ihren Spesen. «Nur die Bauarbeiter wurden bezahlt», berichtet Bettina Pelger-Sprenger. Alle verfolgten dasselbe Ziel: Eine Einrichtung, mit der sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessert. Schwerpunkte lauten, die Sterblichkeit sowohl bei Geburten als auch bei Infektionskrankheiten wie Malaria zu verringern.  

Pandemien und Zoll sorgen für Verzögerungen
Vor der Eröffnung des Gesundheitszentrums am 18. August 2020 waren einige Herausforderungen zu bewältigen, die zu Verzögerungen führten. Zum Beispiel musste die medizinische Ausstattung von der Schweiz per Container in den Kongo verschifft werden. Die Verzollung übernahm der Malteserorden. Hermann Ngoma Mbuinga hat Blut und Wasser geschwitzt, damit dieser ohne überteuerte Gebühren am Ziel ankommt. Wegen eines erneuten Ebolaausbruchs im Kongo konnte er nicht wie geplant in seine Heimat reisen, um den Container in Empfang zu nehmen. Bewusst wurde der Rohbau stehengelassen, bis der Lkw mit dem Material ankam. «Die Bevölkerung ist so arm, dass alles gestohlen worden wäre, was nicht niet- und nagelfest ist», erwähnt die Präsidentin. Auch die Covid-19-Pandemie trug dazu bei, dass der Bau etwas länger als geplant dauerte. «Das Gesundheitszentrum ist jetzt umso willkommener, weil Corona nach wie vor präsent ist.»

Erste Geburt das bisherige Highlight 
Seit einem Monat ist das Gesundheitszentrum in Boma in Betrieb. Die Wertschätzung von dessen Arbeit zeigt sich dadurch, dass die Stadt dem kleinen Team bereits behördliche Präventionsarbeit (Familienplanung, Infektions- und Geschlechtskrankheiten) anvertraut. Zudem hat es aus einer zweiten Quelle weitere Subventionen erhalten. Diese reichen sogar aus, damit die arme Bevölkerung kostenlose Behandlungen erhält. Nur bei grösseren Operationen werde ein geringer Beitrag verlangt. Voller Begeisterung informierte Hermann Ngoma Mbuinga, dass am 1. September das erste Kind im neuen Gesundheitszentrum zur Welt gebracht wurde. Auch das Hilfswerk Liechtenstein freut sich über das errichtete Gesundheitszentrum im Kongo. «Ein schöneres Jubiläumsgeschenk an uns selbst könnte ich mir gar nicht vorstellen», meint Bettina Pelger-Sprenger. (gk)

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