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Schaan/Vaduz: Platzverbot wegen Lärm und Alkohol

Jugendlich sein heisst, sich auszuleben und seinen eigenen Weg zu finden. Kein einfacher Prozess. Vor allem dann nicht, wenn junge Menschen sich schwertun, Spielregeln einzuhalten.


Schaan/Vaduz. – «Wir werden von den Erwachsenen oftmals einfach nicht so akzeptiert, wie wir sind», erwähnen die Jugendlichen immer wieder bei Begegnungen. Denn in seiner Sommerserie «Junge Perspektiven» hat das «Vaterland» in den vergangenen Wochen mit rund 80 Jugendlichen zu verschiedensten Themen das Gespräch gesucht. Egal ob es dabei um ihre Zukunftswünsche ging, um Ängste oder darum, was ihnen in ihrer Jugend wichtig ist – die Jugendlichen beklagten immer wieder, sich von den Erwachsenen unverstanden zu fühlen. «Und seit Neustem werden wir von öffentlichen Plätzen auch noch vertrieben», erzählen uns die jungen Menschen.

Tatsächlich gibt es in Schaan und Vaduz jeweils einen öffentlichen Platz, der am Abend für Jugendliche gesperrt wird. Infolge regelmässigen Alkoholmissbrauchs, Lärms und nicht entsorgten Abfalls sahen sich die beiden Gemeinden gezwungen, entsprechende Massnahmen zu ergreifen.

«Nicht mehr tolerierbar»

In Schaan ist es die Walserbündt am Bahnweg neben dem Bahnwärterhäuschen, die für Jugendliche ab 22 Uhr geschlossen ist. Nach wie vor ist der idyllische Ort sehr beliebt und es treffen sich dort während der Ferien oder an den Wochenenden bis zu 50 Jugendliche. «Lärm, Abfall und Alkoholmissbrauch haben ein Ausmass angenommen, das nicht mehr toleriert werden kann», sagt der Schaaner Gemeindevorsteher Daniel Hilti.

Die Problematik sei allerdings nicht beängstigend: «Die Mehrheit dieser Jugendlichen hält sich an die Regeln, will nur Spass, macht wenig Lärm und räumt auch wieder auf», sagt Daniel Hilti. Eigentlich sollten diese Jugendlichen auch ihren Spass haben. «Leider müssen wir aber wegen einzelner Jugendlicher, welche die Grenze immer wieder überschreiten, Massnahmen ergreifen.»
Die Abfallproblematik ist auch Ewald Ospelt nicht unbekannt.

Der Vaduzer Bürgermeister spricht von einer «Saumode»: Obwohl es genügend Abfalleimer gibt, wird Abfall wie leere Flaschen oder Bierkartons an Ort und Stelle einfach liegengelassen. «Die Eimer werden täglich geleert, teilweise auch von Jugendlichen, die sich so ihr Sackgeld verdienen.» Zwar sei mit Schuldzuweisungen niemandem gedient, sagt der Bürgermeister. Er ist dennoch überzeugt, dass solch ein Verhalten zu einem grossen Teil durch die Erziehung des Elternhauses gesteuert werden kann.

Verwarnungen nützten nichts

Allerdings ist es nicht nur die Abfallproblematik, welche auch die Gemeinde Vaduz beschäftig: Jugendliche, die reichlich Alkohol konsumieren, dabei gewalttätig werden und lärmen, sind ebenfalls ein grosses Thema in dieser Gemeinde. Während in Schaan die Walserbündt ein Lieblingsort für Jugendliche ist, treffen sich die jungen Menschen in Vaduz beim Spielplatz neben der Markplatzgarage.

«Regelmässig gingen wegen Lärmbelästigung Beschwerden von Anwohnern ein», sagt Ewald Ospelt. Nach mehrfacher Verwarnung, die bei einem Teil der Jugendlichen keinen Eindruck hinterliess, wurden die Konsequenzen gezogen: Ab 21 Uhr ist der öffentliche Platz für die Jugendlichen geschlossen – dafür sorgt die Securitas. «Dies ist vor allem schade für all jene Jugendlichen, die sich an die Spielregeln gehalten haben», bedauert auch der Bürgermeister.

Keine einfache Rechnung

Daniel Hilti wie auch Ewald Ospelt betonen, dass alle anderen öffentlichen Plätze für die Jugendlichen zugänglich sind – allerdings nur, wenn sie sich an die Nachtruhe halten und den Alkohol in Massen trinken. In Schaan werden ausserdem keine harten Alkoholika wie Schnäpse akzeptiert. «Werden sie damit auf öffentlichem Grund erwischt, werden alle harten alkoholischen Getränke abgenommen und ausgeleert», sagt Daniel Hilti.

Werden all diese Regeln toleriert, steht dem Freizeitspass im Freien offenbar nichts mehr im Wege. Oder geht die Rechnung etwa doch nicht so einfach auf? «Definitiv nicht», sagt ein Ladenbesitzer aus Liechtenstein. «Es reichen ein paar Minuten, in denen Jugendliche vor dem Laden stehen, sich treffen und miteinander erzählen», sagt er. Schon hagle es Reklamationen von Anwohnern wegen Lärmbelästigung. «Und dies am helllichten Tag. Kein Wunder, dass sie sich oftmals in Parkgaragen verziehen.»

Jugendtreff oder chillen?

Dass Jugendliche manchmal laut sind, stösst weder bei Daniel Hilti noch bei Ewald Ospelt auf Unverständnis: «Ich verstehe die jungen Menschen gut, sie müssen sich austoben können, denn sie wollen sich abgrenzen und suchen sich ihren Weg», sagt Daniel Hilti. «Das war auch bei uns so», geht auch der Bürgermeister mit ihm einig. Der gleichen Meinung sind die beiden aber auch, wenn es darum geht, Massnahmen zu ergreifen, wenn sinnlos Alkohol getrunken oder Gewalt ausgeübt wird.

Dass beide Gemeinden Jugendlichen ihren gewünschten Platz, an welchem sie für sich sein können, auch bieten wollen, zeigen die beiden Jugendtreffs Camäleon in Vaduz und «pop corn», welcher seit Anfang 2010 im Gemeindezentrum Resch untergebracht ist. Zusätzlich werden in beiden Gemeinden verschiedenste Workshops angeboten. «Das GZ Resch mit den Holz-, Metall- und Keramikwerkstätten, dem Fotolabor und dem Siebdruckaltelier bietet vor Ort eine hervorragende Infrastruktur», sagt Daniel Hilti.
Allerdings bleibt offen, ob das Interesse der Jugendlichen an all diesen Angeboten geweckt werden kann – oder ob chillen im Freien nicht doch etwas cooler ist ...(bfs)

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