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Vaduzer Bank ohne Teppichetage

Vaduz bekommt eine neue Bank. Diesmal keine vornehme Privatbank. Stattdessen sollen Kleinkredite unters Volk gebracht werden. In der Schweiz ging das zuvor kläglich daneben. Die Fäden im Hintergrund zieht ein schillernder Milliardär.

VON WOLFGANG FREY

Vaduz. – Die Liechtensteinische Finanzmarktaufsicht FMA hatte ihre Zweifel. Sie lehnte eine Bewilligung für die Sigma Kreditbank AG ab. Das liessen sich die Gesuchsteller nicht gefallen. Sie riefen die FMA-Beschwerdekommission an. Mit Erfolg. Am Donnerstag teilte die FMA mit, die Kommission habe Sigma die Bewilligung erteilt. Sigma wolle Ratenkredite vor allem im deutschen Markt anbieten, sagte der designierte Sigma-Chef Werner Leu zu «Wirtschaft regional». Es gehe um «kleinere Beträge». Ziel sei der Abschluss von 2000 Kleinkrediten im Monat.

Bis zur letzten Instanz

Ganz ähnlich war das Geschäftsmodell der Fidium Finanz AG in St. Gallen, dem die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin mit Verfügung vom 22. August 2003 einen Riegel vorschob, indem sie ihr «das Betreiben des Kreditgeschäfts» von der Schweiz aus untersagte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die in einem Büro im St. Galler Einkaufszentrum «Neumarkt» residierende Fidium per Internet und mithilfe selbstständiger Kreditvermittler in Deutschland bereits 65 000 Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von rund 108 Millionen Euro an den Mann gebracht – vor allem an solche Kunden, die anderswo keinen Kredit mehr bekamen.
Die Zinsen waren entsprechend – und durchaus branchenüblich – happig: Für einen Kredit von 3500 Euro, rückzahlbar in 40 Monatsraten, wurden pro Jahr 14,54 Prozent Zinsen oder anders gesagt eine Rückzahlung von 4376 Euro fällig.

Fidium wehrte sich gegen die BaFin-Verfügung durch alle Instanzen und unterlag. Auch wer von der Schweiz aus Kredite anbiete, brauche in Deutschland eine Bankerlaubnis, urteilte das deutschen Bundesverwaltungsgericht am 22. April 2009.
Die hatte Fidium nicht. Das Unternehmen unterstand nicht einmal der Schweizer Finanzaufsicht, denn in der Schweiz unterliegt Fidiums Geschäftsmodell nicht der Bewilligungspflicht.

Milliardenschwerer Hintermann

Wie verschiedene Quellen «Wirtschaft regional» bestätigten, sind die Hintermänner des in St. Gallen gescheiterten Fidium-Geschäftsmodells die gleichen, die das Kleinkreditgeschäft nun über die Sigma in Vaduz aufziehen wollen. Auch Leu bestätigte das: Dahinter stünden zwar nicht exakt dieselben Firmen, sagte er, aber «indirekt ist das so».

Hinter Sigma, das bestätigt Leu ebenfalls, steht eine schillernde Figur: der österreichische Milliardär Martin Schlaff. Im vergangenen Jahr hatte das österreichische Wirtschaftsmagazin «Format» vom Gesuch seiner MS Familienstiftung um eine Bankbewilligung in Vaduz berichtete. Und gemutmasst, Schlaff wolle seine «atemberaubende» Karriere wohl mit einer «eigenen Privatbank» krönen. Daraus wird nun nichts. Leistungen wie eine klassische Privatbank mit Teppichetage darf Sigma gar nicht anbieten. Die erstrittene Banklizenz ist nur eine Teillizenz. Sie erlaubt nur das Verleihen von Geld. Sonst nichts.

Weitere Artikel aus der aktuellen Ausgabe von «Wirtschaft regional» finden Sie hier.

08. Mai 2010 / 06:00
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