Eine Ausbildung für Berufsbildner

Damit Lehrlinge in ihrer Lehrzeit das optimale Rüstzeug erhalten, spielen Ausbildner eine tragende Rolle. Leider sind Aus- und Weiterbildungen für Ausbildner rar. Um dem zu entgegnen, stellte die Ivoclar Vivadent das Programm «Next» auf die Beine.


Motivierte und gut ausgebildete Berufsbildner können ihr Wissen besser an die nächste Generation weitergeben. Bild: Ivoclar Vivadent AG, Schaan
 
Next» steht für «New Educational Program for Excellent Trainers» – auf gut Deutsch «neues Ausbildungsprogramm für überdurchschnittliche Berufsbildner». Ziel ist es, Fachwissen sowie soziale Kompetenzen und pädagogische Fähigkeiten der Ausbildner zu festigen und zu erweitern. Die Idee zu «Next»hatte Aleksandar Toth, Leiter der Berufsbildung bei Ivoclar Vivadent in Schaan, während seiner Ausbildung zum Master in Ausbildungsmanagement. Toth wurde sich in dieser Zeit bewusst, dass der Aus- und Weiterbildung für Berufsbildner zu wenig Beachtung geschenkt wird. «Für Lernende gibt es diverse Kurse, doch die Ausbildung der Ausbildner wird vernachlässigt.» Dabei hätten die Ausbildenden einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Berufsausbildung und die Arbeitsleistung, schliesslich sind sie es, die den jungen Leuten das Rüstzeug für deren künftiges Berufsleben mitgeben. 
 
Smartspider erkennt Potenzial
Toth schlug innerhalb des Unternehmens vor, das System zu ändern und  skizzierte sein Projekt «Next», mit welchem er erst bei der Personalabteilung, später bei der Geschäftsleitung vorstellig wurde. Er stiess im Unternehmen auf offene Ohren. «Das Thema Lernendenausbildung hat bei Ivoclar Vivadent einen hohen Stellenwert», sagt Toth. So kam es, dass er von 2014 bis 2016 das Projekt «Next» entwickeln konnte, seit 2017 wird es implementiert.   
 
Kern des «Next»-Modells sind die Kompetenzen Führung, Motivation, Persönlichkeit, Methodik, Rhetorik und Lernpsychologie. In einem 360-Grad-Feedback werden die Ausbildner von Auszubildenden, Leitung der Berufsbildung und sich selbst bezüglich der definierten Kompetenzen beurteilt. Aus dem Resultat ergibt sich eine Smartspider, anhand der erkannt wird, wo noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist.
 
Mit Preisen ausgezeichnet
Um die erkannten Defizite auszugleichen, werden in einem zweiten Schritt entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote gesucht. Dafür gibt es eine interne Datenbank, in welcher Kurse gelistet sind. «Aber auch die Abteilung Berufsbildung schaut sich regelmässig nach möglichen Kursen um und berät die Ausbildner bei der Kurswahl», sagt Toth. 
 
Zum Beispiel wurde bei einer Ausbildnerin erkannt, dass sie Theorie zwar mündlich gut erklären kann, jedoch Schwierigkeiten bei der grafischen Darstellung und Präsentation hat. In der Folge wurde ihr ein Kurs zu Visualisierungen empfohlen. «Nach dem Kursbesuch hatte die Ausbildnerin die Kompetenzen deutlich verbessert, was zu erhöhtem Lernerfolg bei den Lernenden führte», sagt Toth. 
 
Das Programm «Next» wurde 2018 ausgezeichnet. Damals gewann das Unternehmen aus Schaan den «Sonderpreis Nachwuchsförderung 2018» des Beratungsinstituts «Great place to work» und wurde im gleichen Jahr als einer der besten Lehrbetriebe der Schweiz ausgezeichnet. Dadurch erhielt das Dentalunternehmen grössere Aufmerksamkeit und Unternehmen aus der Region und der Schweiz interessierten sich für «Next», um in ihrem Betrieb die Weiterbildung der Ausbildner zu fördern. Toth und sein Team beraten interessierte Unternehmen, wie sie die Idee von Next bei sich umsetzen können.
 
Nicht bloss günstige Arbeitskräfte
Bei Ivoclar Vivadent selbst werden Lernende in sechs Berufen ausgebildet: Kaufleute, Laboranten Fachrichtung Chemie, Automatikerinnen, Anlageführer sowie Informatikerinnen in den Fachrichtungen Systemtechnik und Applikationsentwicklung. Insgesamt stehen 33 Plätze für Lernende zur Verfügung, besetzt sind derzeit 25 Stellen. «Wir lassen Stellen bewusst offen, wenn wir keine geeigneten Personen für die Lehrstellen finden», sagt Toth. Wichtig sei, dass die Lernenden neben den üblichen Anforderungen auch viel Leidenschaft für den künftigen Beruf mitbringen. «Bei uns sind Lernende aktiver Teil des Teams nicht einfach günstige Arbeitskräfte.» 
 
Bei Ivoclar Vivadent arbeiten drei vollamtliche Ausbildner sowie 30 nebenamtliche. «Das Programm ‹Next› ist auch ein Motivator für die Ausbildner», sagt Toth. Die Teilnahme ist freiwillig. Rund vier Fünftel der Berufsbildner absolvieren das Programm. Belohnt werden sie unter anderem mit Prämien, welche das Unternehmen ausbezahlt. 
 
Wie viel Ivoclar Vivadent in «Next» investiert, wollte das Unternehmen nicht bekannt geben. Doch es lohne sich. Das Unternehmen hat zum Ziel, viele Eigengewächse zu beschäftigen. Rund 70 Prozent der Lernenden werden nach dem Lehrabschluss weiterhin bei Ivoclar Vivadent beschäftigt. Zudem werde einigen durch Stipendien ein Studium ermöglicht. Diese Personen würden später ins Unternehmen zurückkehren. Zehn Prozent der Beschäftigten im Konzern seien ehemalige Lernende. «Darauf sind wir sehr stolz.» 
(jeb)
24. Sep 2019 / 13:59
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
09. Dezember 2019 / 14:56
09. Dezember 2019 / 22:46
09. Dezember 2019 / 10:14
09. Dezember 2019 / 22:15
Meistkommentiert
29. November 2019 / 13:35
27. November 2019 / 21:19
Aktuell
10. Dezember 2019 / 03:37
10. Dezember 2019 / 03:05
10. Dezember 2019 / 01:44
10. Dezember 2019 / 01:34
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Hausmesse Vaduz
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
04.11.2019
Facebook
Top