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Unternehmer, bitte reden Sie!

«Ein mittelständischer Unternehmenschef ist und war schon immer glaubwürdiger als ein Staatschef.»
Jana Riedmüller, Kommunikationsexpertin

Es gab Zeiten, da wurde gelehrt: «Rede (nur), wenn du etwas zu sagen hast!». Mit dem Aufstieg von Facebook und Twitter haben die Menschen das Prinzip umgekehrt: «Rede, auch wenn du nichts zu sagen hast.» Laut heisst richtig. Wir stecken im Kommunikationswahn fest.

Das Wort hat seine Funktion verloren. Es liegt nicht mehr auf der Waage, sondern wird hinausgeschrien, gezwitschert, gepoltert, als Massenware gehandelt. Die Politik macht es vor: von Nordamerika über Brasilien, Russland, Nordkorea bis in die nahen Gefilde wie Italien oder nun Grossbritannien. Alles wird kommuniziert, kommentiert, kritisiert. Laut, aggressiv, polemisch. Wer glaubt, im Recht zu sein, wird laut und lauter. Unsicherheit macht sich breit. Und es wird «kalt und kälter unter Mensch und Menschen», wie es die junge Lyrikerin Romy Kretschmer in einem ihrer Verse formulierte. Doch wenn es kalt und kälter auf der Welt wird, die Politik die Menschen überall auf der Welt durch Chaos verunsichert, statt ihnen Sicherheit zu geben, welche Aufgabe haben dann die Unternehmerinnen und Unternehmer? «Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit in Stürmen der Gegenwart», sagte der Schriftsteller Jean Paul (1763). Genau. Das ist ihre Aufgabe: Held und Heldin sein, Krone aufsetzen, reden!

Corporate Social Responsibility (soziale Verantwortung der Unternehmen) ist längst kein «nice to have» mehr, es ist ein «must have» und es bedeutet mehr als ökologisches Bewusstsein und nachhaltiges Wirtschaften. Unternehmen werden als Arbeitgeber in einem weltpolitischen Chaos zur wichtigen Stütze der Menschen. Sie sind es, die Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Sie sind es, die ein gutes Arbeitsklima bieten können, sie sind es, welche motivieren, auffangen und unterstützen können. Ihre gesellschaftliche Verantwortung ist gestiegen, ob das gewünscht ist oder nicht.

Das laute Geschrei führt bei manchen Unternehmern jedoch, so scheint es, zu einer Sprachlosigkeit. Als hielte sie eine innere Kraft des Anstandes zurück, in dieses Konzert der Schreienden einzustimmen. Aber ist Sprachlosigkeit und Schweigen die richtige Antwort? Ist es eine Stille der Weisheit? Oder innere Gleichgültigkeit? Sind es Befürchtungen um das Geschäft?

Die Angst, mit einer Äusserung in einen Shitstorm zu geraten, der das Unternehmen schädigen könnte, ist mehr als verständlich. Wir leben aber in Zeiten, in denen diese Ängste nicht siegen dürfen; Zeiten, in denen eine aktive verantwortungsvolle Kommunikation gesellschaftliche Bedeutung erhält. Noch zum Glück brauchen wir keinen Oskar Schindler. Aber wir brauchen die Schindlers in den Köpfen und seine mutigen Erben, sprich verantwortungsvolle Unternehmer, welche viel früher eingreifen und den gesellschaftspolitischen Diskurs mitbestimmen.

Ein mittelständischer Unternehmenschef ist und war schon immer glaubwürdiger als ein Staatschef. Unternehmerinnen und Unternehmer sind Vorbilder. Sie haben etwas zu sagen! Sie sind besonnen; leise statt laut. Sie hören noch zu. Unternehmerinnen und Unternehmer dürfen ihre Bedeutung gerade in Zeiten wie diesen keinesfalls unterschätzen. Es ist heute mehr denn je ein wichtiges Signal, als Unternehmen soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich auch einzumischen.

Wir sollten alle sorgsam mit der Sprache und unserer Kommunika­tionsfähigkeit umgehen. Das Kunstwerk «Wort» braucht wieder Gewicht. Man kann es rar einsetzen, aber man muss es klug benutzen. Ethik in der Bedeutung, Vertrauen in ihrer Zusammensetzung und Authentizität bei der Übermittlung, so können Worte funktionieren. Es ist eine Kunst, leise zu treten und dennoch gehört zu werden. Aber man kann sie lernen. Reden Sie, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer. Seien Sie Heldin oder Held und setzen Sie die Krone der Besonnenheit auf in den Stürmen der Gegenwart. Denn Sie haben etwas zu sagen! Und Sie sollten es sagen.

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