• Trainer Adrian Brüngger strebt mit Pfadi Winterthur seinen ersten Meistertitel an (Archiv)
    Trainer Adrian Brüngger strebt mit Pfadi Winterthur seinen ersten Meistertitel an (Archiv)  (KEYSTONE/CHRISTIAN MERZ)

Rubins Kollektiv und Brünggers Universum

Wacker Thun dominierte bisher alle NLA-Kategorien, Kontrahent Pfadi Winterthur bringt aber ebenso vorzügliche Meister-Argumente ins Spiel. Die Konstellation vor dem Playoff-Final ist vielversprechend.
Handball. 

In der finalen Affiche stehen sich zwei Trainerpersönlichkeiten gegenüber, die an der Linienwahl ihrer Klubs beidseits seit über einer Dekade massgeblich beteiligt sind. Martin Rubin (53), der frühere Weltklasse-Aufbauer, besitzt in Thun inzwischen den Status einer Institution. Gleiches liesse sich über den elf Jahre jüngeren Adrian Brüngger sagen, der bei Pfadi in den goldenen Neunzigerjahren Spieler und später als Geschäftsführer prekäre Phasen gemanagt hat und seit Januar 2008 die Philosophie der Winterthurer als Coach prägt.

Rubin und Brüngger führten ihre Teams zu je drei Cupsiegen; der Wacker-Stratege erreichte in den Playoffs dreimal den Final und stoppte 2013 als Erster den Primus Kadetten. Sein Winterthurer Amtskollege hat im Cup-Wettbewerb die exakt gleiche Erfolgsbilanz vorzuweisen. Im Championat peilt er im vierten Endspiel seiner Trainerlaufbahn die Titelpremiere an. Rubin vs. Brüngger - das Duell zweier Exponenten, welche die Basisarbeit nie vernachlässigt haben und die Klubinteressen wahrnehmen, ohne dabei den wirtschaftlichen Rahmen im unvernünftigen Stil auszuweiten.

Trotz der imposanten Finanzkraft und des umfangreichen Knowhows Schaffhausens etablierten sich an der Spitze der nationalen Liga zwei Organisationen, die eine respektable Zahl von Zuschauern mobilisieren können und sportlich regelmässig in der Lage sind, Akzente zu setzen - und dabei nicht (mehr) den Fehler begehen, wie der inzwischen ans Ende des Rankings abgesackte Rekordhalter GC Amicitia Zürich über den Verhältnissen zu leben.

Einheimisches Schaffen

Wacker setzt in dieser Kampagne vollumfänglich auf einheimische Schaffenskraft. Im Berner Oberland ist nicht von einem Sparzwang die Rede, aber der Franken wird seit gewissen Engpässen in der Vergangenheit vor jedem Transfer zweimal umgedreht. Einem gut dotierten Nettovertrag eines ausländischen Professionals zieht Rubin das Engagement eines Schweizers mit Potenzial ohnehin vor. "Das lohnt sich. Dank unserer Erfolge haben wir uns zu einer attraktiven Plattform für Talente entwickelt."

Der organisch gewachsene Handball-Schauplatz Thun bietet neben den Standortvorteilen auch weiterreichende Karrierechancen. Lukas von Deschwanden, in mehreren Kampagnen der beste Torschütze der Liga, und Lenny Rubin setzen ihren Weg nach der Finalserie in der deutschen Bundesliga fort.

Beim Kontrahenten Winterthur haben die Beteiligten einen ebenso spannenden und teilweise harten Parcours hinter sich wie einzelne aus dem Ensemble Rubins. Seit seiner letzten Pole-Position in der Liga ist der neunfache Titelträger in Meisterschafts-Vergleichen mit den lange tonangebenden Kadetten ausnahmslos gescheitert - bis zum Umschwung vom 0:2 zum 3:2-Triumph im diesjährigen Halbfinal.

"Der Erfolg hat einen hohen emotionalen Wert und löste im Umfeld einiges aus. Wir haben begriffen, dass wir in der Lage sind, Grosses zu schaffen", ordnet Brüngger den bemerkenswerten Coup des Cupsiegers gegen den Titelhalter ein. Das Timing könnte kaum besser sein. Im Juni verlegt der Klub seine gesamte Infrastruktur in die neu gebaute Ballsport-Arena "WIN4".

Ein erster Schritt

Ginge es nach dem Drehbuch Brünggers, würde Pfadi das für rund 35 Millionen Franken errichtete Schmuckstück als Champions-League-Teilnehmer eröffnen. Die Schubkraft auf und neben dem Parkett ist spürbar, das Interesse am früheren Trendsetter der Schweizer Klubszene schwillt an. Der Showdown gegen Thun ist ein erster Schritt, später sollen Quantensprünge folgen. Brüngger erahnt die Dimension des Leistungssportzentrums: "Wir betreten ein neues Universum." (sda)

12. Mai 2018 / 07:12
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