• Supergolfer mit Milchbubengesicht: Matthew Fitzpatrick
    Supergolfer mit Milchbubengesicht: Matthew Fitzpatrick  (KEYSTONE/EPA/TANNEN MAURY)

Junger Engländer auf Ballesteros' Spuren

Seine Form ist exzellent, und deshalb könnte der Engländer Matthew Fitzpatrick in dieser Woche der erste Golfprofi seit 40 Jahren werden, der das Omega European Masters zweimal in Folge gewinnt.
Golf. 

Einen berühmteren Vorgänger als erfolgreichen Titelverteidiger in Crans-Montana könnte Fitzpatrick kaum haben. Der legendäre Severiano Ballesteros entschied das seinerzeitige Open de Suisse in den Jahren 1977 und 1978 für sich. "Seve" siegte auf dem Walliser Hochplateau auch noch 1989. Ab 1996 leitete der Spanier aus Pedreña, der "Stier von Pedreña", als Architekt den anspruchsvollen Umbau des Platzes in Crans-sur-Sierre. Der Par-70-Kurs trägt heute längst seinen Namen. Ballesteros, der zu den grössten Persönlichkeiten der Geschichte im Golfsport zählt, starb im Mai 2011 mit 54 Jahren an einem Hirntumor.

Der unscheinbare, bubenhaft wirkende Matthew Fitzpatrick aus Sheffield ist mit 24 Jahren weit davon entfernt, eine Golflegende zu sein. Aber er könnte es werden, wenn er seine Karriere in ähnlichem Tempo fortsetzt, wie er sie begonnen hat. Der letztjährige Triumph in der Schweiz war nur einer von vier Siegen auf der Europa-Tour, die der aufstrebende Mittelengländer schon errungen hat. Obwohl er erst auf die Saison 2015 zu den Professionals gewechselt war, stiess er an den vier grossen Turnieren, den Majorturnieren, schon zehnmal in die Finalrunden vor. Der 7. Platz am US Masters in August 2016 war die beste Klassierung.

Siebter wurde Fitzpatrick auch letzte Woche am weniger bedeutenden Turnier im dänischen Aarhus. Aber genau diese unscheinbare Klassierung könnte ihm letztlich einen Platz im europäischen Zwölf-Mann-Team für den Ryder Cup gegen die USA von Ende September in Paris einbringen. Fitzpatrick ist keiner der acht fix qualifizierten Europäer. Die Wahrscheinlichkeit, dass er von Teamcaptain Thomas Björn eine von vier Wildcards bekommt, ist jedoch hoch. Björn wird seine Wahl noch vor dem Turnierstart im Wallis am Mittwochnachmittag bekanntgeben.

Patienten aus England und Deutschland

Danny Willett stammt ebenfalls aus Sheffield. Aber er ist sechs Jahre älter als Fitzpatrick und sieht seine Karriere seit geraumer Zeit in die falsche Richtung laufen. Als er im Juli 2015 das Omega European Masters und neun Monate später das US Masters gewonnen hatte, stand er weit oben in der Hierarchie. Er war recht nahe daran, die Nummer 1 der Welt zu werden. Danach aber geriet Willett in eine Baisse, die er noch nicht ganz überwunden hat.

Wie Willett ist in dieser Woche auch Martin Kaymer - erstmals seit 2011 - wieder in der Schweiz zu sehen. Und wie Willett ist auch der Düsseldorfer ein Patient im Weltgolf. Er gewann wie sein deutsches Vorbild Bernhard Langer zwei Majorturniere: 2010 die US PGA Championship, 2014 das US Open. Aber auch er konnte danach sein Spielniveau nicht halten. Vielleicht geht es ab dieser Woche für Willett und Kaymer aufwärts.

Die alten Lieblinge

Die Fans in Crans-Montana zählen nicht in erster Linie die Anzahl grosser Titel der einzelnen Spieler. Sie sind ihren Publikumslieblingen seit Jahren treu und verfolgen sie in Scharen über die Fairways. Früher war Ballesteros ein Günstling, heute sind es längst der Engländer Lee Westwood und der 54-jährige, unverwüstliche Südspanier Miguel Angel Jimenez. Beide gewannen das Omega European Masters einmal (1999 respektive 2010). Jimenez startet heuer zum 29. Mal im Wallis. (sda)

06. Sep 2018 / 04:00
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