• Union-Coach Urs Fischer spürt die hohe Bedeutung des ersten Berliner Bundesliga-Derbys seit 42 Jahren
    Union-Coach Urs Fischer spürt die hohe Bedeutung des ersten Berliner Bundesliga-Derbys seit 42 Jahren  (KEYSTONE/EPA/PHILIPP GUELLAND)

Derby der Fussball-Kulturen in Berlin

Hertha formuliert es als ein Saisonziel, Urs Fischers Union will nach dem Aufstieg den etablierten Hauptstadtklub ärgern. Union gegen Hertha Berlin ist auch ein Duell verschiedener Fussball-Kulturen.
Fussball. 

Sportlich geht es um die Fussball-Vorherrschaft in der Hauptstadt, aber bei den Menschen in Berlin auch um ein Stück Identität. "Ich wurde, weil ich ja in West-Berlin aufgewachsen bin, fussballmässig durch Hertha sozialisiert", erklärte Günther Jauch, eines der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands, vor dem ersten Stadt-Derby zwischen Union und Hertha Berlin in der Bundesliga. Der noch in der DDR geborene Diskus-Olympiasieger Robert Harting dagegen sagte deutlich: "Auf meiner Mütze steht: Berlin sieht rot!" Mit diesem Motto geht der Aufsteiger aus Berlin-Köpenick mit dem Schweizer Trainer Urs Fischer in das pikante Duell gegen den etablierten Erstligisten aus Charlottenburg.

Natürlich prallen am Samstag im nur 22'012 Zuschauer fassenden Stadion An der Alten Försterei zwei völlig verschieden geprägte Fussball-Kulturen aufeinander. Auf der einen Seite der 1966 als einer von zehn DDR-Fussballklubs gegründete 1. FC Union, der sich vor und nach der politischen Wende durch viele Widrigkeiten kämpfte und nun in der Beletage des wiedervereinten deutschen Fussballs angekommen ist. Gegenüber steht das Bundesliga-Gründungsmitglied Hertha, schon 1930 und 1931 deutscher Meister, im eingemauerten Westberlin mehr Hoffnungsträger als Spitzenteam und heute mit neuen Investor-Millionen auf dem angestrebten Weg in die Top-Klasse.

"Seitdem es klar ist, dass es das Spiel gibt, werden wir immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig dieses ist. Für unsere Fans ist es ein unglaublich wichtiges Spiel", sagte Hertha-Captain Vedad Ibisevic. Unions Captain Christopher Trimmel bemerkte: "Wir spüren schon, was das Derby den Fans bedeutet." Auch wenn der Bosnier Ibisevic und der Österreicher Trimmel wie Fischer viele Derby-Hintergründe und Details höchstens aus Fan-Erzählungen kennen, ist allen klar: Es wird ein Spiel der grossen Emotionen und Erwartungen. Erstmals seit dem Duell von Hertha und Tennis Borussia vor 42 Jahren treffen wieder zwei Berliner Klubs in der höchsten deutschen Liga aufeinander.

Eine Stadt, zwei Bezirke

Die Stadt ist weiter klar geteilt in die Union-Gebiete im Osten und die Hertha-Bezirke im Westen. Für die aktuellen Spielergenerationen spielt die Historie aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Für Maximilian Mittelstädt, der seit der Jugendzeit für Hertha spielt, geht es primär darum, zu "zeigen, dass wir die Nummer 1 sind in der Stadt." Die Fans indes, zu Zeiten des Eisernen Vorhangs bis zum Vereinigungsspiel 1990 noch freundschaftlich verbunden, pflegen eine giftige Rivalität.

Von der Papierform her scheint Hertha der "absolute Favorit" zu sein im Derby, wie es Entertainer Jauch sieht. Union plant die laufende Saison mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Hertha darf 140 Millionen ausgeben. Und Finanzinvestor Lars Windhorst ist gewillt, wenn nötig mehr als die ersten 225 Millionen Euro bereitzustellen, um die Blau-Weissen in Zukunft zu einem "Big-City-Klub" zu machen. Für das Spiel am Samstag aber wird das alles keine Rolle spielen, glaubt auch Urs Fischer. "Du musst versuchen, gewisse Dinge auszublenden", erklärte der Zürcher: "In jedem Spiel liegen auf beiden Seiten die gleichen Chancen." (sda/dpa)

02. Nov 2019 / 06:30
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