Listerien, Femizide, VW und AKW-Pläne
Tödliche Listerien-Fälle – Bund warnte trotz Todesfall nicht
In einem Schweizer Spital wurde letztes Jahr mittels Blutproben festgestellt, dass sich jemand mit Listerien infiziert hat. Für Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr kann eine solche Ansteckung im schlimmsten Fall tödlich sein – etwa für Ältere, Schwangere oder Neugeborene.

Die hospitalisierte Person erinnert sich laut SonntagsZeitung daran, kurz zuvor Raclette gegessen zu haben. Bei Tests mehrerer Produkte der betreffenden Käserei können tatsächlich Listerien im Raclettekäse nachgewiesen werden. Sogar die Quelle der Kontamination kann gefunden werden: die Milch einer einzelnen Kuh. Obwohl das Tier rasch aus der Produktionskette genommen wird, ist es zu spät. Zwei weitere Personen stecken sich mit Listerien desselben Stammes an, eine davon stirbt im Spital.
Warum hat niemand vor dem gefährlichen Käse gewarnt? Das liegt an einer bürokratischen Hürde. Diese schreibt vor, dass der Bund nur vor einem Produkt warnen darf, das die in der Lebensmittelverordnung festgelegten Höchstwerte überschreitet. Der erlaubte Höchstwert bei Listerien in Käse lag bei «100 koloniebildenden Einheiten pro Gramm».
Beim betroffenen Raclettekäse lag die Kennzahl aber unter 10. «Damit war rechtliche Voraussetzung für eine öffentliche Warnung nicht gegeben», sagt Sarah Camenisch vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gegenüber der SonntagsZeitung.
Weil es in den letzten Jahren mehrere Listerioseausbrüche gab, hat das BLV jetzt Konsequenzen gezogen. Seit dem 1. Juli gelten verschärfte Anforderungen: In speziell anfälligen Produkten dürfen Listerien während der gesamten Haltbarkeitsdauer nicht nachweisbar sein.
IT-Debakel bei den Arbeitslosenkassen
Anfang Januar nahm das Seco das neue IT-System namens Asal 2.0 in Betrieb, über das unter anderem die Arbeitslosengelder an über 150'000 Arbeitslose in der Schweiz ausbezahlt werden. Das System stürzte über Wochen hinweg ab, Auszahlungen verzögerten sich um Monate. Die parlamentarische Aufsicht wurde aktiv. Bis heute arbeitet Asal 2.0 langsam und ineffizient.
Nun belegen interne Dokumente: Wenige Monate vor dem Launch deckten Tests grosse Sicherheits- und Strukturprobleme auf. Seco-Chefin Helene Budliger Artieda und der Projektverantwortliche Jérôme Cosandey ignorierten die Befunde augenscheinlich. Dabei hätte die Plattform so nicht online gehen dürfen, sagt Matthias Stürmer, Experte für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, gegenüber SonntagsBlick. Das Seco ist sich weiterhin keiner Schuld bewusst.
Femizide nehmen relativ zu
Zwei getötete Frauen innerhalb einer Woche: Die Gewaltdelikte in den Kantonen Tessin und Thurgau erschüttern die Schweiz. Das Projekt «Stop Femizid» zählt damit in diesem Jahr bereits 17 Femizide, schreibt die «NZZ am Sonntag».
Eine neue Auswertung der Universität St. Gallen zeigt, dass deren Anteil an allen Tötungsdelikten seit drei Jahrzehnten zunimmt: «Wir werden friedlicher gegenüber Männern, aber nicht gegenüber Frauen», sagt die Studienautorin Nora Markwalder.

Wer aber sind die Täter? Ein Blick auf die jüngsten Fälle zeigt: Beide mutmasslichen Täter waren über 50. Das ist keine Ausnahme. Laut Kriminalstatistik 2025 wird über die Hälfte der Tötungsdelikte im Bereich der häuslichen Gewalt von über 50-jährigen Männern verübt.
Bei Vergewaltigungen oder Körperverletzungen sind sie dagegen für nur knapp ein Fünftel der Straftaten verantwortlich.
VW-Krise trifft Schweizer Industrie
Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer existenziellen Krise. Das hat auch Folgen für den Werkplatz Schweiz, schreibt die «NZZ am Sonntag». 2023 zählte die hiesige Automobilzulieferindustrie gemäss einer Studie des Swiss Center for Automotive Research der Universität Zürich rund 32 000 Mitarbeitende.
Die Institutsleiterin Anja Schulze geht aber davon aus, dass die Zahl der Stellen seither zurückgegangen ist. «Viele Automobilzulieferer haben extrem schwierige Jahre hinter sich.»

Das Hauptproblem liegt auf der Hand: Werden weniger Autos produziert, sinkt auch der Bedarf an Komponenten und Werkzeugen. Doch die Schweizer Zulieferer kämpfen nicht nur mit rückläufigen Volumen, sondern auch mit sinkenden Margen. «Weil die deutschen Autobauer kaum mehr Geld verdient haben, haben sie versucht, von den Zulieferern bessere Konditionen zu erhalten», sagt Martin Hirzel, Präsident des Industrieverbands Swissmem und Vizepräsident des Schweizer Autozulieferers Ronal.
Die Restrukturierung von Volkswagen, die er als «längst überfällig» bezeichnet, sieht er deshalb auch als Chance. Gelingt den deutschen Autobauern die Rückkehr in die Profitabilität, könnten sie wieder eher angemessene Preise zahlen. «In den vergangenen Jahren haben wir die Ineffizienzen von VW mitfinanziert.»
Studie zu Röstis AKW-Plänen: Bis zu 16 000 Jobs gefährdet
Energieminister Albert Rösti (SVP) strebt die Aufhebung des gesetzlichen AKW-Neubauverbots an. Eine neue Studie im Auftrag der AKW-kritischen Schweizerischen Energie-Stiftung warnt vor spürbaren wirtschaftlichen Folgen. Die vom ZHAW-Professor Jürg Rohrer geleitete Untersuchung kommt zum Schluss, dass bereits die blosse Möglichkeit eines neuen Atomkraftwerks ein investitionsfeindliches Klima für erneuerbare Energien schafft, da wichtige Investitionsentscheide verzögert oder ganz verhindert würden, schreibt der SonntagsBlick.

Laut den Autoren der Studie sind in den kommenden zehn Jahren 10 000 bis zu 16 000 Arbeitsplätze in der heimischen Solar- und Baubranche gefährdet, falls ein Reaktor konkret geplant oder gebaut wird. Zudem könnte der Druck auf Fördergelder für energetische Gebäudesanierungen steigen. Die Studie betont, dass AKW-Projekte diesen Verlust nicht kompensieren können: Technologie und Know-how stammten meist aus dem Ausland, während die Solarbranche die Wertschöpfung regional über KMU sichert.
Richter-Affäre beschäftigt Bundesgericht weiter
Wie die SonntagsZeitung berichtet, bleibt der Untersuchungsbericht zur Affäre um zwei Bundesrichter unter Verschluss. Der Bericht wird lediglich parlamentarischen Kommissionen zugestellt. Staatsrechtler Lorenz Langer kritisiert dieses Vorgehen und wirft dem Bundesgericht vor, die politische Verantwortung an das Parlament abzuschieben.
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