• Der des Kindesmissbrauchs für schuldig gesprochene australische Kurienkardinal George Pell ist am Mittwoch zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. (Archivbild)
    Der des Kindesmissbrauchs für schuldig gesprochene australische Kurienkardinal George Pell ist am Mittwoch zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. (Archivbild)  (KEYSTONE/AP/ANDY BROWNBILL)

Sechs Jahre Haft für australischen Kardinal

Der australische Kurienkardinal und frühere Vatikan-Finanzchef George Pell ist wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Melbourne verkündete am Mittwoch das Strafmass gegen den 77-Jährigen.
Melbourne. 

Dieser war im Dezember des sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben schuldig gesprochen worden. Einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung darf der einstige Papst-Vertraute frühestens nach drei Jahren und acht Monaten Haft stellen. Der Kardinal nahm das Urteil ohne besondere Regung zur Kenntnis. Insgesamt wurde er in fünf Punkten für schuldig befunden.

Mit dem Strafmass blieb das Gericht weit unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren. Der Vorsitzende Richter Peter Kidd führte in seiner live im australischen Fernsehen übertragenen Begründung aus, zwar habe die einstige Nummer drei des Vatikan entsetzliche und schamlose Taten begangen und seine Machtstellung missbraucht. Kidd sprach zudem von "atemberaubender Arroganz".

Mildernde Umstände

Der Kardinal leide aber unter gesundheitlichen Problemen, habe ein mit Ausnahme der Vorwürfe "untadeliges Leben" geführt und stelle keine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Mit Blick auf das hohe Alter des Geistlichen sagte der Richter, Pell werde das Gefängnis möglicherweise nicht mehr lebend verlassen.

Ein Geschworenengericht hatte Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblösst, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben. Im folgenden Jahr soll er sich erneut an einem der Jungen vergangen haben.

Pell weist die Vorwürfe zurück und ist in Berufung gegangen. Das Berufungsverfahren soll Anfang Juni beginnen. Der Kardinal ist der bisher ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde.

Kirche nicht im Fokus

In seinen Ausführungen stellte Richter Kidd am Mittwoch klar, dass er den Kardinal nicht zum Sündenbock für Vergehen der Kirche machen werde. "Ich richte nicht über die katholische Kirche." Es gehe ausschliesslich um die Taten des 77-Jährigen, für die er schuldig gesprochen worden sei.

Zugleich beklagte der Richter, in der Öffentlichkeit habe es teilweise eine "Lynchmob-Mentalität" gegeben. Der Fall Pell hatte in Australien erregte Debatten ausgelöst. Der Kardinal wurde im Umfeld des Prozesses immer wieder beschimpft.

Eines der beiden Missbrauchsopfer äusserte sich am Mittwoch zurückhaltend zum Richterspruch. Das Gericht habe anerkannt, was ihm als Kind angetan worden sei, liess der nur als "J" bekannte Mann über seine Anwältin erklären. Es werde aber für ihn keine "Ruhe" geben. "Alles wird von der bevorstehenden Berufungsverhandlung überschattet." Das zweite Missbrauchsopfer war 2014 an einer Drogen-Überdosis gestorben. Sein Vater äusserte sich "enttäuscht" über die Höhe der Haftstrafe gegen den Kardinal.

Der Vatikan hatte kurz nach der Veröffentlichung des Urteils erklärt, auf sofortige Konsequenzen gegen Pell zu verzichten. Der Kirchenstaat wolle das Berufungsverfahren abwarten. Pell habe "das Recht, sich bis in die letzte Instanz zu verteidigen", erklärte ein Papstsprecher. Pell sei zudem immer noch Priester und Kardinal. Der Vatikan habe jedoch ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.

Papst unter Druck

Der Fall werde nun von der Kongregation für die Glaubenslehre geprüft, einer Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Im Fall von Missbrauchsvorwürfen kann sie Untersuchungen einleiten, die im äussersten Fall zum Ausschluss eines Beschuldigten aus dem Priesterstand führen können. Dies ist die Höchststrafe in der katholischen Kirche.

Wegen weltweiter Missbrauchsskandale steht Papst Franziskus derzeit stark unter Druck, hart gegen Täter in den eigenen Reihen vorzugehen. Ein historisches Gipfeltreffen im Vatikan mit den Spitzen der Bischofskonferenzen der Welt ging Ende Februar allerdings ohne konkrete Massnahmen zu Ende. (sda/dpa/afp)

13. Mär 2019 / 01:16
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