• Residence, Vaduz
    So diniert man im «La Table du Residence».  (Tatjana Schnalzger)

Im «Residence» wird wieder gekocht

Seit Ende Juli hat das ebenerdig gelegene Restaurant «La Table du Residence» geöffnet. Die Hotelgäste freuts – die einheimische Bevölkerung ist noch dabei, sich heranzutasten.


Drei Jahre war das Hotel Residence zuletzt als Garni-Betrieb geführt worden. Der im Frühsommer abgeschlossene Ausbau um 17 Zimmer und die damit einhergehende Fokussierung auf eine höheres Preissegment hat einen Strategiewechsel mit sich gebracht. Einen notwendigen, wie Pächterin und Geschäftsführerin Sandra Abbrederis anmerkt: «Wir können nicht nur schöne Zimmer anbieten und zugleich über kein Restaurant verfügen.» Die Kunden, die man ansprechen wolle, hätten die Erwartung, dort, wo sie nächtigen, auch essen zu können – und das in einer entsprechenden Güteklasse. Heisst letztlich: «Wir arbeiten über Qualität, nicht über Masse.»

Vermitteln lässt sich diese Botschaft nach ihrem Dafürhalten über keine Küche besser als über die französische. «Sie entspricht genau unserer Philosophie.» In Frankreich sei die Beziehung zum Essen eine ganz spezielle. «Die Menschen nehmen sich Zeit dafür. Sie gehen noch zum Bäcker, zum Metzger, nicht in den Supermarkt.» Letztlich, sagt Abbrederis’ Tochter Romy, die den Bereich Marketing und Informatik verantwortet, spiegle sich darin ein Lebensstil wieder. «Und den möchten wir gerne nach Liechtenstein bringen.» Nicht nur für die Hotelgäste, sondern auch für die Menschen aus der Umgebung. Bisweilen, sagt Sandra Abbrederis, stelle sie eine gewisse Scheu fest, dem Städtle einen Besuch abzustatten. «Dabei ist es hier so schön.» Die neue «Residence»-Gastronomie soll einen kleinen Beitrag dazu leisten, Hemmnisse abzubauen.

Chefkoch und Patissière aus Frankreich
Der Startschuss hierfür ist vor nunmehr vier Monaten ertönt. Seit Ende Juli hat das ebenerdig gelegene Restaurant «La Table du Residence» geöffnet. Gut zwei Wochen später folgte das mit 40 Sitzplätzen minimal grössere Bistro, das die rechte Erdgeschosshälfte des Vier-Sterne-Hauses einnimmt. Während ersteres mit Mittagsmenüs und abendlicher à-la-Carte-Gastronomie aufwartet, können Gäste im Bistro neben den dort ebenfalls erhältlichen Mittagsmenüs Speisen aus einer kleinen Karte ordern oder sich einer süssen Versuchung vom Kuchenbuffet hingeben.

Damit sich die französische Färbung des Konzepts auch durch Authentizität auszeichnet, hat Sandra Abbrederis Personal mit entsprechendem Hintergrund und den erforderlichen Kompetenzen rekrutiert. Während sich im Vordergrund Chef de Service André Pascácio um die Gäste kümmert, hat in der Küche Thomas Decock, ein gebürtiger Franzose, das Sagen. Er verstehe es, die Wesenszüge seiner Landesküche – Ausgewogenheit, Leichtigkeit, das Spiel mit Texturen und Geschmäckern sowie die Ästhetik – auf den Teller zu bringen, sagt Abrederis. Auch für die Desserts zeichnet mit Patissière Justine Lamotte eine Dame verantwortlich, die als Französin eine starke Verbindung zur Küche der «Grande Nation» aufweist. Sommelier René Blanco sorgt darüber hinaus dafür, dass die Weinkarte mit der Speisekarte korrespondiert.

Freude bei den Hotelgästen
Das kulinarische Konzept, mit dem das Hotel Residence das Gastronomieangebot des Vaduzer Zentrums um eine neue Note bereichert, stiess bei den Hotelgästen sofort auf viel Gegenliebe. «‹Endlich ist das Residence ein richtiges Hotel›, haben wir immer wieder gehört», sagt Sandra Abbrederis. «Der Ruf des Garni-Hotels ist weg.»

Etwas mehr Zeit scheinen die Einheimischen zu benötigen. Hier, berichtet Romy Abbrederis, laufe die Sache langsamer an. Überrascht ist sie davon nicht. Dass das «Residence» nach drei Jahren Pause wieder über eine Gastronomie verfüge, müsse erst im Bewusstsein ankommen, sagt sie. Sie weiss aber auch um die Problematik, die auch im Kontext der Vaduzer Zentrumsentwicklung immer wieder thematisiert wird: «Viele Liechtensteiner kommen gar nicht auf den Gedanken, durchs Städtle zu flanieren.»

Trotzdem zieht Sandra Abbrederis auch bezüglich der Resonanz aus dem Inland ein positives Zwischenfazit. «Unser Angebot wird gut angenommen. Wir haben bereits einige Stammgäste gewonnen.» Insbesondere am Sonntagnachmittag, berichtet sie, sei es mittlerweile ein reges Kommen und Gehen. «Viele Gäste schauen dann gezielt für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen in unserem Bistro vorbei.» Nach und nach, hofft sie, wird ihr Haus so nicht nur in der Mitte des Liechtensteiner Hauptorts zu finden sein, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft: «Unser Ziel ist es, das Hotel Residence als Institution zu etablieren.» Vor diesem Hintergrund ist es ihr auch wichtig, eine gewisse Flexibilität zu bewahren, um auf sich ändernde Bedürfnisse reagieren zu können. «Wir möchten keine Trends verschlafen.» Just deshalb wird etwa das ebenfalls im Sommer eröffnete Take-Away-Lokal, das nördlich ans Restaurant angrenzt, nicht mehr allzu lange weitergeführt. Die gesunden, nachhaltigen Snacks hätten zwar Anklang gefunden, so Sandra Abbrederis. «Aber der Raum wurde zuletzt immer häufiger auch für Events und Seminare gebucht. Darum möchten wir uns hier umorientieren.»

28. Nov 2019 / 13:33
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