• Hubertus Real
    In den Bergen und luftigen Höhen erfährt Hubertus Real grosse Demut und Dankbarkeit, die ihm täglich Kraft gibt.

Ein Sternekoch erklimmt neue Gipfel

Man muss nicht erklären, wie und warum das Park-Hotel Sonnenhof in Vaduz für Liechtensteins Gastronomielandschaft so wertvoll ist. Bekannt ist auch, wer es zur «ersten Gourmet-Adresse» gemacht hat. Hubertus Real gewährt einen Einblick in sein Leben.
Vaduz. 

Der Name Hubertus Real ist unmittelbar mit dem Park Hotel Sonnenhof in Vaduz verbunden. Spricht man mit ihm, spricht man auch über den Sonnenhof, das Lebenswerk seiner Eltern – das nun auch sein Lebenswerk ist, das er kontinuierlich weiterentwickelt und zur ersten Adresse der Hotel- und Gastronomiebranche Liechtensteins gemacht hat. 

Man kann es sich schon denken: Wer mit einem Michelin-Stern, drei Hauben und 17 Punkten des Gault Millau ausgezeichnet wird, das am besten bewertete Hotel und Restaurant bei Booking.com und Tripadvisor in der ganzen Ostschweiz ist und zusätzlich noch ein Relais&Châteaux-Haus führt, muss weit mehr als seine Zeit investieren. Ohne Leidenschaft, Herzblut und Talent geht es nicht. Hubertus Real hat das Glück, das alles in sich zu vereinen. Und musste trotzdem drei wichtige Lektionen lernen: Der Tag hat nur 24 Stunden. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Und: Achte auf dich und deinen Körper.

«Wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert»
Hoteldirektor, Personalchef, Einkäufer, Marketingleiter, Visionär, Verkäufer an Messen, Stratege, Bauleiter, Hausmeister, Gärtner und zur Not auch mal männliche Zimmer-Gouvernante. Hubertus Real ist nicht einfach nur Koch, Küchenchef und Familienvater. Sein Tag beginnt um 7 Uhr mit einem morgendlichen Waldlauf und endet meist erst nach Mitternacht. Real ist ein sehr pflichtbewusster und leidenschaftlicher Mensch. Ganz nach dem Motto «Wo Sonnenhof draufsteht, muss auch Real drin sein» hat er nahezu Unmenschliches geleistet, hat sich mit seiner feinen Nase und seinem Talent 17 Gault-Millau-Punkte erkocht und dem Restaurant Marée drei Hauben beschert. Fast nebenbei hat er übrigens noch eine Lebensmittelproduktion mit aufgebaut und sich über 20 Jahre in der Gastronomie Liechtenstein und danach bei Liechtenstein Marketing engagiert.

Um einen Ausgleich zu schaffen und sich fit zu halten, ist Real bereits früh morgens auf den Beinen, meistens in Richtung Wildschloss, oder ist auch ab und zu bei Sonnenaufgang frühstückend auf den Bergspitzen Liechtensteins anzutreffen. Diese Leidenschaft für die Berge hat er schon in der Jugend entdeckt, hat sie aber zwischenzeitlich für viele Jahre aus den Augen verloren und erst 2010 wieder gefunden. Seitdem ist er jährlich an 10 bis 15 Tagen mit seinem Bergführer Michael Bargetze «ziemlich extrem unterwegs» wie er uns mit einem Schmunzeln verrät. Mit dem Matterhorn, seinem Kindheitstraum, hat alles angefangen und bis heute sind namhafte Gratklettereien wie der Badile, der Bernina, der Palü Ostpfeiler, der Eiger und noch viele mehr dazu gekommen. Auch die Dolomiten zählen mittlerweile zu seinen Lieblingen. «In diesen luftigen Höhen spüre ich immer, dass nicht wir, sondern ganz jemand anderes der Chef auf Erden ist. Hier erfahre ich grosse Demut und Dankbarkeit und diese gibt mir die Kraft, um die täglichen Problemchen einfacher anzupacken.»

«Kleinigkeiten werden plötzlich unwichtig»
Dass die Gesundheit nicht selbstverständlich ist, musste Real vor etwa 5 Jahren am eigenen Leib erfahren. Er ging damals immer mehr an seine Grenzen, war von morgens bis nachts im Dauerstress, bis er irgendwann gemerkt hat: «Ich bin auch nur ein Mensch, und kein Roboter.» Zu «verdanken» hat er diese Einsicht sehr wahrscheinlich einem kleinen «Borreliose-Monster». Doch bis ein Arzt nach drei Jahren endlich feststellte, was dem sonst so energiegeladenen und nie müde werdenden Spitzenkoch und Hotelier fehlt, musste Hubertus Real durch eine schwere Zeit gehen. Hatte ihn doch zuvor nichts «umgehauen», war ihm plötzlich alles zu viel. Jede körperliche Anstrengung, jede Entscheidung, jeder Tag, an dem Verantwortung auf ihm lastete. Lange Zeit wusste er nicht, ob es sein Körper oder sein Geist war, der müde war.  Plötzlich zeigte ihm sein Körper auch hier die Grenzen auf. Er konnte seine Leistung nicht mehr abrufen, zweifelte an sich und konnte sich schlichtweg nicht erklären, was mit ihm los war. Als dann noch die Narbe einer harmlosen Operation innerlich immer wieder aufplatze und zu drei Not-Operationen führte, waren dann auch seine Kräfte am Ende.

«Du liegst da und spürst, dass es eigentlich ganz schnell gehen kann und dir am Ende des Tages niemand danke sagt, dass du nach jeder Vollnarkose am Abend wieder am Herd gestanden bist. Auf einmal wird einem aber erst richtig bewusst, dass man nur ein Leben hat – und dieses hängt stetig an einem seidenen Faden.»

Deshalb hat er angefangen, Verantwortungen zu delegieren, die Selbstverantwortung der Mitarbeiter zu «pushen». Die Führungsrollen sollen auf eine neue Ebene gestellt werden. Das funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen. «Aber wir sind dran und es lohnt sich», ist Real überzeugt. «Es war zu Beginn nicht leicht, Verantwortung abzugeben», gibt er zu. Aber: «Es fühlt sich toll an.»

Natürlich sorgt Hubertus Real weiterhin dafür, dass die Küche seine Handschrift behält, indem das Abschmecken der Saucen, Fonds, Suppen und die für ihn «in sich stimmende Symbiose neuer Kreationen» weiterhin Chefsache bleibt. Auch im Hotel-Betrieb wird der «Hubertus-Spirit» spür- und fühlbar bleiben, und vor allem das gewisse Etwas wird sogar noch aufgebaut werden. Auch seine Mutter wird weiterhin im Restaurant die gewohnten Runden drehen und die Gäste mit ihrer lieben Art unterhalten.

Arbeiten aus Passion statt wegen des Geldes
Reals Wunsch ist es, den Sonnenhof irgendwann einmal nur noch als Coach zu führen, sein Herzblut weiterhin einzubringen und weiterhin dafür zu sorgen, dass er nicht nur den Gerichten das «i-Tüpfelchen» verleiht. Ganz wichtig: Er will seinen Beruf aus Passion ausüben, und nicht, weil er arbeiten und Geld verdienen muss. «Diesen Weg dorthin steuere ich heute schon an und zwar rigoros. Denn am Ende ist es mein Leben», so Real.

Heute ist er der Zecke, die ihm einst schier den Boden unter den Füssen weggezogen hat, sogar dankbar. «Es musste wohl so kommen, damit ich mich neu organisiere.» Heute steht Hubertus Real mental und körperlich stärker da, denn je. Seine Leidenschaft brennt heisser als zuvor. Kein Berg ist zu steil, kein Ziel zu weit. Privat hat ihn das auf das Matterhorn und den Eiger geführt. Und beruflich? Wird Hubertus Real mit seinen insgesamt 35 Mitarbeitern unzweifelhaft ebenfalls noch einige Gipfel erklimmen. (dv)

04. Okt 2018 / 15:33
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