• Die Streckenführung des Liechtenstein-Wegs in Vaduz.

Das Zentrum des Wegs

In der #näherdran-Reihe wird hier der «Liechtenstein-Weg» in Vaduz skizziert.

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums realisiert wurde und durch alle Gemeinden führt, können auf der App «LIstory» 147 sogenannte Erlebnisstationen erkundet werden. An den Stationen, dessen Inhalte vom Liechtenstein-Institut im Auftrag von Liechtenstein Marketing er­stellt wurden, können zahlreiche Informationen zur Liechtensteiner Geschichte abgerufen werden. Bisher wurde die App schon über 10 000 Mal heruntergeladen und aus 179 Einreichungen zur zweitbesten Schweizer App 2019 gewählt. Neben dieser Silbermedaille in der Masterkategorie gewann die App  beim Best of Swiss App Award eine Gold, zwei Silber und eine Bronzeauszeichnung. 

Von der Burgruine Schalun zum Schloss Vaduz
Das Zentrum des Liechtenstein-Wegs befindet sich in Vaduz, wo mit rund 30 App-Punkten auf einer kurzen Strecke am meisten Stationen innerhalb einer Gemeinde besucht werden können. Daher wird hier nur eine Auswahl davon vorgestellt. Vom Profatscheng-Wald aus Triesenberg kommend erreicht man den Startpunkt des Vaduzer Wegabschnitts bei der Burgruine Schalun, besser bekannt als Wildschloss. «Die Ende des 12. Jahrhunderts erbaute Burg wurde im 14. Jahrhundert aus ungeklärten Gründen ausgeräumt und anschliessend niedergebrannt», erklärt Martin Knöpfel von Liechtenstein Marketing. Im 19. Jahrhundert gehörte die Burgruine noch dem Fürstenhaus, später kam sie an die Gemeinde Vaduz, die sie 1880 an den Wiener Architekten Ignaz Bankó verkaufte, bevor sie die Gemeinde Vaduz 1933 erneut erwarb. 

Der Weg führt weiter zu Schloss Vaduz, das vom Fürstenhaus erst seit 1938 als ständiger Wohnsitz genutzt wird. Mittels Augmented Reality kann man bei diesem Punkt virtuell in einige Schlossräume wie den Empfangssaal, die Kapelle, Bibliothek oder die Turmrondelle hineinschauen. Im Vaduzer Städtle angelangt, befindet sich einer der nächsten Punkte beim «Engländerbau», der seinen Namen dem englischen Mutual Club verdankt. Dieser errichtete den Engländerbau 1933 für Lotteriespiele. Doch schon im folgenden Jahr musste der Mutual Club wieder schliessen, da die Schweiz ihr Lotterieverbot auf Liechtenstein ausweitete und mit einer Kündigung des Zollvertrags drohte. Im Engländerbau befindet sich auch das Postmuseum, wo es um das Geschäft mit Briefmarken geht. Um die eigene Souveränität zu betonen, werden seit 1912 in Liechtenstein Briefmarken produziert. Diese waren auch finanziell bedeutsam: «Von den 1930er-Jahren bis in die 1970er-Jahre machten Briefmarkenverkäufe und Frankaturerlöse bis zu 40 Prozent der Staatseinnahmen aus», erklärt Martin Knöpfel.

Liechtensteiner Regierungschefs ab 1921 
Der Fussgängerzone entlang erreicht man in kurzer Zeit das sogenannte Verweserhaus, in dem heute der hintere Teil des Landesmuseums beheimatet ist. Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1918 diente es als Wohn- und Amtssitz des jeweiligen Vaduzer Landvogts, eine Art Vorgänger des Regierungschefs. Im 19. Jahrhundert tagte hier der damalige Ständelandtag, aus dem 1862 das heutige Parlament hervorging. Ein paar Schritte weiter steht man vor dem Regierungsgebäude, das 1905 vom Wiener Architekten Gustav Ritter erbaut wurde. Nachdem lange Zeit österreichische Landvogte an der Macht waren, wurde mit dem Vaduzer Josef Ospelt 1921 erstmals ein Liechtensteiner zum Regierungschef ernannt. Am Rheinbergerhaus und der Kathedrale vorbei führt der Weg dem Friedhof entlang über einen idyllischen Waldabschnitt mit Wasserfall zum Landgericht. Von dort aus geht es weiter zur Alten Rheinbrücke, die aus dem Jahr 1871 stammt. «Bis 1867 gab es in Liechtenstein keine Brücken über den Rhein, wodurch auf dem Fluss ein reger Flossbetrieb herrschte», erklärt Knöpfel. Die letzte Fähre zwischen Ruggell und Salez wurde 1918 eingestellt. Die ersten Fussgängerbrücken entstanden 1867 zwischen Schaan und Buchs und 1868 zwischen Bendern und Haag. «Die erste Stahlbrücke für den Strassenverkehr wurde 1929 bei Schaan-Buchs gebaut, die 1970 wegen Unterspülung einstürzte», so Knöpfel. Nach einem Abstecher zum Rheinparkstadion führt der Weg wieder zurück ins Städtle hinauf zum Vaduzer Torkel, in dem heute noch eine Weinpresse zu sehen ist. Die ersten Weinreben kamen vermutlich schon durch die Römer ins Land. «Bis weit ins 19. Jahrhundert waren Wein und Vieh die wichtigsten Exportartikel des Landes», erklärt Martin Knöpfel. 

Oberhalb des Vaduzer Villenviertels stand früher das Waldhotel Liechtensteiner Hof, das 1932 erbaut wurde. Es war eines der ersten modernen Hotels im Land, hatte ein Schwimmbad und zog viele gut betuchte Gäste an. 1974 wurde es schliesslich abgerissen. Heute erinnert nur noch der Name des dortigen Spielplatzes an die Hotelvergangenheit des Ortes. Unter den Gästen des Waldhotels befanden sich auch die jüdischen Brüder Alfred und Fritz Schaie, die unter dem Künstlernamen «Rotter» bekannt waren. «Da die nationalsozialistische und antisemitische deutsche Presse den Brüdern Betrug vorwarf, setzten sich vier liechtensteinische Nationalsozialisten das Ziel, die Rotter-Brüder zu entführen und nach Deutschland auszuliefern», zitiert Martin Knöpfel den App-Inhalt. Unter einem Vorwand lockten sie die beiden Brüder mit ihren Begleiterinnen nach Gaflei. Die Verschwörer wollten sie überwältigen, doch die Brüder konnten flüchten. Gertrud und Alfred Rotter stürzten dabei jedoch tödlich ab. 

Erste Fabrik beim Mölibach
Beim Mühleholz an der Grenze zwischen Schaan und Vaduz befindet sich die letzte Station in Vaduz, die das alte Gewerbe- und Industrie­quar­tier Möliholz thematisiert. «Im 19. Jahrhundert bestanden am Mölibach rund 15 Wasserräder, die ein knappes Dutzend Gewerbebetriebe mit Energie versorgten», erklärt Martin Knöpfel. Zu dieser Zeit erfolgte auch der Übergang vom Gewerbe zur Industrie. 1861 entstand im oberen Möliholz als erste Fabrik Liechtensteins eine Baumwollweberei. An dieser Stelle endet der Vaduz-Abschnitt des Wegs, der bei der Schaaner Quaderrüfe weitergeht. (mk)


Die App LIstory kann im App Store oder im Google Play Store gratis heruntergeladen werden. Eine Panorama-Karte über den gesamten Weg ist beim Liechtenstein-Center erhältlich. 

26. Nov 2019 / 16:20
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