• Werner Hilbe in Steg
    «Nur reden und nichts machen, das bringt auch nichts», lautet die Devise von Werner Hilbe.  (Daniel Schwendener)

«Tapi» hat wieder eine neue Vision

Werner Hilbe ist ein Tausendsassa und ein Visionär. Seine neueste Idee ist ein Restaurant weit oberhalb der Sücka mit Seil- und Rodelbahn. Der Seeblick-Wirt ist zwar im Ruhestand, doch zur Ruhe kommt er noch lange nicht.
Der Umtriebige. 

Die Frage, ob er noch ganz dicht sei, hat Werner Hilbe schon oft gehört. Sogar von seiner Frau, als er sich entschlossen hat, dem Restaurant Seeblick neues Leben einzuhauchen. Das Gasthaus am Steger Stausee liegt idyllisch. Mit Blick auf das türkisblaue Wasser, auf seine Enten und Gänse, erzählt er von seiner neuesten Vision. Und auch jene dürfte ihm wieder einmal die gleiche Reaktion einbringen. Er träumt auf dem Grat oberhalb der Sücka am Geisloch von einem Restaurant  – mit Rodelbahn und mit Sessellift. «Die Leute sind heute doch zu faul zum Laufen», sagt er. Ideal wäre ein Gasthaus auf privater Basis. Er hat dafür bereits  mit dem Triesenberger Vorsteher gesprochen und mit der Stiftung Malbun. Konkret ist das Projekt aber noch nicht.

«Jetzt sind die Jungen dran»
Erst vor knapp einem Jahr hat er das Restaurant Seeblick wieder auf Vordermann gebracht und damit vor dem Abriss bewahrt. Er hat fast 70 000 Franken investiert. Wenn er auf seiner urigen Terrasse sitzt, wenn er den renovierten Seeblick herzeigt und von seiner neuen Küche spricht, dann ist der Stolz nicht zu übersehen. Es steckt auch viel Arbeit drin. Das Holz des Vorhauses war verfault, einige Fenster musste er austauschen, Tische abschleifen und Wände entfernen. «Die Leute sind glücklich darüber, dass es den Seeblick wieder gibt», sagt Tapi. In Triesenberg nennt man den ehemaligen Bodenleger so. Woher das kommt? Von Tapiflex, einem PCV-Bodenbelag, den er unzählige Male im ganzen Land verlegt hat. Er hatte sein eigenes Geschäft als Bodenleger aufgebaut und jenes letztes Jahr nach über 40 Jahren an seinen Sohn Matthias übergeben. «Jetzt sind die Jungen dran.» Doch wer nun dachte, dass Tapi in den Ruhestand geht, der hat sich getäuscht. Mit 62 Jahren hat es ihm noch mal in den Fingern gejuckt und er meldete sich für die Wirteprüfung an. Er bestand sie. Heute führt er den Seeblick mit Mitarbeiterin Regina, die immer dann einspringt, wenn Not am Mann ist. Der ehemalige Wirt und Koch vom Hotel Steg, Fredy Lampert, kocht für seine Gäste. Gulasch und Käsknöpfle sind die Spezialitäten. Reich wird Werner Hilbe damit nicht.

«Als mir ein Kollege sagte, dass der Seeblick eine Goldgrube sei, warf ich ihm nach dem Umbau und den ersten Monaten nach der Eröffnung ein Fünfrappenstück hin und sagte, da habe er sein Gold», erzählt Werner Hilbe und lacht dabei laut auf. Aber des Geldes wegen macht er das nicht. Er ist ein Macher. Ein Umtriebiger, dem es sonst schnell langweilig werden würde. Eigentlich könnte man Tapi auch einen Hansdampf in allen Gassen nennen, aber ganz ohne negativen Unterton. Denn der Triesenberger hat schon so viele Visionen in die Tat umgesetzt, an die anfangs keiner glaubte.

Der dreifache Familienvater war Gründungsmitglied der Guggamusik Wildmandli, des ersten Triesenberger Weihnachtsmarktes und der Entenanstalt. Er ist Initiator des Malbuner Fasnachtsumzuges, seit 33 Jahren Mitglied bei der Feuerwehr, Mitglied beim Skiclub und beim Fussballclub. Bei der Guggamusik war ihm zwar klar: «Äns weer an tolli Idee.» Doch sehr beliebt waren die Musiker am Anfang nicht im Dorf. Wenn sie mit den Basler Trommeln kamen, haben sich viele die Ohren zugehalten. Fast 40 Jahre später gehört die Guggamusik fest zum Dorf dazu – für Tapi ganz klar eine der besten im ganzen Land. Bei der Idee eines Fasnachtsumzuges in Malbun erlebte Werner Hilbe wieder eine ihm längst bekannte Reaktion. «Hast du einen Knall, da oben einen Umzug zu organisieren?», haben mich alle gefragt. Das erzählte er im Frühling im Triesenberger «Dorfspiegel». Kaum kam ihm die Idee des Umzuges, schon setzte er seinen nächsten Plan  mit der Entenanstalt in die Tat um. Als er den Verein vor elf Jahren gründete, gab es elf Mitglieder. Heute organisiert der Verein das bekannte Seefest mit Bootsrennen. Die Enten haben dem Verein den Namen gegeben. Tapi hat jene oben am See angesiedelt, hegt und pflegt die Tiere. Während er all das erzählt, fischt ein Angler im Stausee und erwischt dabei eine Gans. Tapi springt auf, läuft zum See, rudert beherzt zur Gans und befreit sie von der Angelschnur. Sie hatte sich verheddert.

Weibel, Bürgermeister und Ehrenbürger
Aber zurück zur Fasnacht. Als Tapi von einem Malbuner Fasnachtsumzug träumte, lief es für die Malbuner Fasnacht mehr schlecht als recht. Von den Vorgängern hatte er 1000 Franken Schulden übernommen. Die Startschwierigkeiten konnten ihn aber nicht ausbremsen. In Malbun wurde Tapi schon in den Gemeinderat, zum Weibel und Bürgermeister gewählt. Die Fasnächtler haben ihn sogar zum Ehrenbürgermeister ernannt. Seit 25 Jahren ist Werner Hilbe Malbuner, er hat sich eine Wohnung gekauft. Eine zeitlang führte er sogar ein Fitnessstudio.
Jetzt sagt er scherzhaft, dass er in Steg Pionierarbeit leisten muss, nachdem es in Malbun gut läuft. Ob er seine Vision mit einem Restaurant oberhalb der Sücka auch in die Tat umsetzen kann? Es wäre nur eine weitere Idee von vielen, die anfangs als Spinnerei abgetan wurde. (dal)

23. Aug 2018 / 06:00
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