• Für die Walser ist ihr gemeinsames Treffen alle drei Jahre ein wichtiger und schöner Anlass, um ihr Brauchtum zu pflegen und den Kontakt untereinander zu fördern.

«Schprach heimer gmeinsam …»

Die Walser sind stolz auf ihre Brauchtümer – vor allem aber auch auf ihren besonderen Dialekt. Um das zu fördern, gibt es alle drei Jahre ein grosses Walsertreffen. Dieses Jahr nehmen 140 Triesenberger daran teil und fahren bzw. wandern ins Lötschental.

«Schprach tuäd verzelln van ganz alter Ziit. Schprach heimer gmeinsam, friäjer und hiit.» Mit diesen Zeilen beginnt die Einladung zum 20. Walsertreffen im Lötschental im Wallis. Dieses findet vom 5. bis 8. September statt und rund 140 Triesenberger haben sich zum Grossanlass angemeldet. 20 davon reisen sogar zu Fuss an. Vier Tage lang wandern sie – aufgrund der grossen Distanz nicht direkt von der Haustüre weg – vom Berner Oberland zum Lötschenpass. Dort trifft die Gruppe dann wieder zusammen und wird gemeinsam mit anderen Walsern drei Tage lang das gemeinsame Brauchtum feiern.

Zu einem Grossanlass entwickelt

An den Walsertreffen ist die Gemeinde Triesenberg immer mit einer der grössten Delegationen vertreten, wie Franz Gassner, Fachsekretär für Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Triesenberg, weiss. Er ist im Ausschuss der Internationalen Vereinigung für Walsertum (IVfW) vertreten, für die Organisation zuständig und hat so miterlebt, wie sich das Walsertreffen in den Jahren zu einem Grossanlass entwickelt hat, der mit einem enormen logistischen und finanziellen Aufwand verbunden ist. So könne das Treffen nicht mehr von allen Walsergebieten gestemmt werden, vor allem nicht von den Kleinen, wo das Walsertum ohnehin nicht mehr so verankert sei. Das sei  zwar schade, denn gerade dort wäre es wichtig, die althergebrachten Brauchtümer aufrechtzuerhalten und das Walsertum zu beleben und zu fördern.

In der Gemeinde Triesenberg droht zwar keine Gefahr, dass das Walserbewusstsein in Vergessenheit gerät. Und gerne ist man auch bereit, den organisatorischen Aufwand nach den Jahren 1965, 1980 und 2010 wieder auf sich zu nehmen. Doch wann es so weit ist, kann Franz Gassner derzeit nicht sagen.

Über die Griesalp nach Kandersteg zum Ziel

Nun soll sich die grosse Walsergemeinschaft aber erst einmal im Wallis «mid isch daheim» fühlen. Dort wartet auf die 140 Triesenberger ein vielfältiges Programm, das sich über vier Tage –  für die 20 Wanderer gar über acht Tage – erstreckt, wie Franz Gassner informiert. Die Wanderroute habe übrigens noch Johannes Biedermann fixiert, der leider im August des vergangenen Jahres bei einem tragischen Unglück in den Bergen ums Leben gekommen ist. Mit Rosaria Heeb hat die Gemeinde aber eine Nachfolgerin gefunden, welche die Wandergruppe wohlbehalten zum Ziel führen soll. Sie startet bereis am 3. September und nimmt dann die erste, ca. 14 Kilometer lange Etappe Mürren zur Griesalp in Angriff. Am zweiten bzw. am dritten Tag geht es dann weiter nach Kandersteg (17 km) sowie via Gasteretal zum Lötschenpass (18 km). Am vierten Tag will es die Wandergruppe dann etwas gemütlicher nehmen, den Sonnenaufgang geniessen und im Laufe des Tages zur restlichen Gruppe stossen, die mit dem Bus anreist.

Festumzug am Sonntag als grosser Höhepunkt

Weil das Walsertreffen politisch höher gewichtet werden sollte, findet seit einigen Jahren am ersten Abend ein sogenannter kulturpolitischer Stammtisch inkilusive Podiumsdiskussion statt. Deshalb reist der Grossteil der Teilnehmer erst am zweitenTag, also am Freitag, an. Dann versprechen traditionelle alte Walserspiele wie etwa «Tschärrättu» oder «Holzsagu» beste Unterhaltung. Am Abend wird dann das 20. Internationale Walsertreffen mit Unterhaltung im Walserdorf offiziell eröffnet. Am Samstag dürfen sich die Walser über Aktivitäten in allen vier Lötschentaler Dörfern freuen. Dabei wird den teilnehmenden Gruppen – Trachtengruppen, Harmoniemusik, Gesangsvereine etc. – die Möglichkeit geboten, sich einem interessierten Publikum auf den Dorfbühnen präsentieren zu können. Am Abend folgen dann ein Festbankett im Festzelt sowie Unterhaltung im Walserdorf.

Höhepunkt ist für Franz Gassner dann jeweils der Sonntag, an dem nach einer Walsermesse der grosse Festumzug der verschiedenen Vereine aus den Walserregionen stattfindet. «Bis zu 2000 Personen nehmen jeweils daran teil und zeigen sich in ihren wunderschönen Trachten», weiss Gassner. Anschliessend geniessen die Teilnehmer noch ein Mittagessen im Festzelt, bevor es schliesslich wieder nach Hause geht.

Und am Ende lohnt sich der Aufwand

«An diesen Treffen werden jeweils viele Freundschaften und Kontakte gepflegt – man freut sich immer auf das Wiedersehen», so Gassner. Und es sei immer wieder schön, die riesige Fülle an kulturellem Erbe und gelebter Tradition zu erleben, nachdem der Wohlstand auch in den Bergtälern immer mehr Einzug gehalten habe und Bräuche zu verschwinden drohen. «Am Ende lohnt sich der Aufwand also durchaus.» (dv)

28. Jun 2019 / 17:00
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